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„Ein Türöffner und Brückenbauer“

Bückeburg / May Ming Fu schafft Wirtschaftskontakte „Ein Türöffner und Brückenbauer“

Ein Brückenbauer aus Bückeburg: Wer das unscheinbare Büro Fus an der Pulverstraße betritt, ahnt zunächst nicht, dass dort weltweite Geschäfte abgewickelt werden.

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Hay Ming Fu mit dem Bild einer Altreifenpyrolyse Anlage, deren Kauf er begleitet hat.mig

Quelle: mig

Bückeburg. Auf einem Schrank steht eine Konfuzius-Figur, daneben stapeln sich Kartons mit China-Hightech vom „Segway“ bis zur Car-Cam. Einen ersten Fingerzeig auf das, was an diesem Ort passiert, geben die teuren Visitenkarten aus Pergament. Den Namen seiner Firma (China Business Contact) hat Hay Ming Fu in chinesische Schriftzeichen übersetzt, vor der Bückeburger Telefonnummer steht die deutsche Ländervorwahl.

 Gepflegtes Understatement also, das der Geschäftsführer so erklärt: „Ich brauche keine Werbung, ich lebe von der Mund-zu-Mund-Propaganda zufriedener Kunden.“ Fu sieht sich als Türöffner, als Brückenbauer. Kurzum: Er bahne Kontakte an und sorge für das „Drumherum“ wie Schriftverkehr oder etwaige Beschwerden. „Gerade bei möglichen Beschwerden wird ein Brief aus Hongkong ernster genommen, als einer aus Deutschland“, weiß Hay Ming Fu zu berichten. „Ich bin schon länger in dem Geschäft tätig und habe deshalb viele Geschäftspartner in China.“

 Für deutsche Firmen besonders wichtig: Fu spricht perfekt Mandarin. „Ich verstehe mich als eine Brücke zwischen Deutschland und China, helfe bei den Vorbereitungen, stelle die Kontakte her und begleite meine Klienten“, fasst Fu seine Funktion zusammen. Er erklärt die Feinheiten der chinesischen Kultur („Visitenkarten werden mit zwei Händen überreicht“), übersetzt bei den Verhandlungen und hilft durch den „grauenhaften“ Verkehr. „Ich bin ein Türöffner“, sagt Fu, der unlängst im Auftrag einer deutschen Firma den Kauf einer Altreifenpyrolyse-Anlage begleitet hat. „Das Wichtigste für mich ist, dass meine Kunden zufrieden sind.“

 Apropos Kunden: Davon hat Hay Ming Fu viele, sogar sehr viele. Über Teleshopping vermarktet er Produkte wie eine Android-TV-Box, einen elektrischen Schaschlik-Grill oder ein einem Segway ähnliches Gefährt. Alles aus China und günstig zu haben. Mit Import-Export hat Fu schon 1989 angefangen, „mit einem Wasserkocher“, wie er sich erinnert. Der sei bis heute sehr beliebt und immer noch ein Renner. Überhaupt mache es ihm viel Freude, immer wieder nach neuen interessanten Produkten für seine Kunden zu suchen, sagt Fu. Erst neulich hat er eine LED-Taschenlampe entdeckt, die gleichzeitig auch als Glühbirne fungieren kann.

 Seinen Ursprung hat Fu in Hongkong, wo er 1955 geboren wurde. Dort sei alles sehr ärmlich gewesen, erzählt er. „Hongkong sah damals ganz anders aus als jetzt.“ Mit 18 Jahren kam Fu nach Europa, erst nach Frankreich, dann nach Belgien, schließlich nach Deutschland. Fu war viele Jahre lang in der Gastronomie tätig, zuletzt als Geschäftsführer dreier China-Restaurants in Hameln, Rinteln und Bückeburg. Die durchaus erfolgreich waren, aber „nicht mein Ziel waren“, wie Fu sagt. Er habe etwas anderes machen wollen.

 Seine jetzige Arbeit mache ihm viel Freude. Er helfe anderen Menschen, fremde Kulturen besser zu verstehen. Dafür ist Fu bis zu sechsmal im Jahr in China. Einmal, um Geschäfte anzubahnen, zum anderen aber auch, um Kontakt zu seinen Partnern zu halten. Zu Hause fühlt sich Fu in Bückeburg. Dort sei es ruhiger, die Menschen freundlich, dort fühle er sich wohl. Aber auch Hongkong habe er nie vergessen. „Ich vermisse die Stadt am duftenden Hafen und die guten Einlaufsmöglichkeiten.“

 Im Chinageschäft sieht Fu weiterhin gute Möglichkeiten für Investoren. Allerdings: „Wenn man in Deutschland investieren will, gibt es viel Bürokratie, allein ein Antrag auf vorläufige Genehmigung hat 67 Seiten“, so Fu. Dort sei jemand wie er, der sich mit der Materie auskennt, dringend vonnöten. Heute sind es, anders als noch vor einigen Jahren, vor allem die großen Konzerne, die in China investieren. „Für kleine Firmen ist es ein bisschen spät. In den neunziger Jahren wurde man mit einer Million Dollar wie ein Kaiser behandelt, jetzt kostet es viel Geld“, macht Hay Ming Fu deutlich.

 Überhaupt hat sich im deutsch-chinesischen Verhältnis einiges verändert. China, lange Zeit ein reines Entwicklungsland, ist inzwischen zu einer der führenden Wirtschaftsmächte aufgestiegen. „China ist kein Niedriglohnland mehr, hier wird inzwischen Hightech hergestellt. Ich habe eine deutsche Firma beraten, für die in China eine komplette Anlage auf dem neuesten Stand der Technik gebaut wurde“, erzählt der Firmenberater. Aufgrund der stark gestiegenen Devisenreserven (das 1,3-Milliarden-Einwohner-Land besitzt vor Japan und Russland den weltweit größten Sparstrumpf) investiert China inzwischen verstärkt im Ausland. „Es gibt sehr viel Geld in China“, sagt Fu, „besonders interessiert sind die Chinesen aber an Know-how.“

 Ein letztes Vorurteil muss Hay Ming Fu noch aufklären, bevor er sich wieder seinen Geschäften zuwendet. Wie hält er es mit dem Essen? Mag er beispielsweise Knödel oder Schweinshaxe? Fu nickt bedenklich mit dem Kopf. Deutsches Essen möge er gerne, „ich denke bei mir ist es so halb und halb“. Reis esse er aber so gut wie nie. „Ich mag Nudeln und Spaghetti, aber Reis nicht so gerne.“

mig

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