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Ein Weisheitszahn im Getriebe

Liedermacher begeistert Ein Weisheitszahn im Getriebe

Als Glücksgriff bezeichnet man, wenn eine Auswahl stimmig ist und zum Rahmen, zum Konzept passt. So ein Glücksgriff ist Frank Suchland bei der von ihm verantworteten Reihe „Poetische Momente“ in der früheren Landfrauenschule gelungen. Liedermacher Carsten Langner, mit 26 Lenzen noch ein ganz Junger, zog das Publikum vom ersten bis zum letzten Ton in seinen Bann.

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Carsten Langner gefällt mit Witz und Gitarre.

Quelle: mig

Zugeben: Den Namen Carsten Lagner kannten vor seinem Auftritt in Bückeburg nur die wenigsten. Suchland stellte ihn so vor: „Er ist sehr wortgewandt – ein toller Sänger und ein toller Gitarrist.“ Er selbst, gab Suchland vor ausverkauftem Haus zu, sei ein „großer Fan“ des Sängers und Songschreibers. Mehr musste das Publikum nicht wissen, um den Auftritt des Nachwuchs-Barden und Gitarren-Poeten genießen zu können.

Seinen Einstand gibt Langner mit dem ruhigen, ein bisschen melancholischen und sehr poetischen „Wieder am Meer“, einem Heimweh-Song, der Gefühle und Stimmungen heraufbeschwört. Langner verlässt sich ganz auf die Wirkung seiner klaren, hellen Stimme und seines Gitarrenspiels. Künstler wie er brauchen keine Effekte, keinen doppelten Boden. Das ist die „alte Schule“, wie man sie von Reinhard Mey und anderen Liedermachern kennt.

Dass er auch ganz anders kann, deutet der Barde schon zu Beginn an: Schon in einem seiner ersten Songs beschreibt er seine Vorstellung eines „Liedermachers“ als einen „Weisheitszahn im Getriebe“: „Das“, sagt er, „soll meine Antwort sein, auf die Frage, ob ich glaube, etwas mit meinen Liedern bewegen zu können.“ Und tatsächlich sind es vor allem seine Texte, die von Anfang an aufhorchen lassen. Je länger der Auftritt dauert, desto deutlich wird, dass hier einer die Gesellschaft ganz genau beobachtet. Von Ferne erinnern seine Lieder an Hannes Wader oder Reinhard Mey. Dass Langner diese beiden als seine Vorbilder angibt, ist da nur folgerichtig.

Seine Stoffe zieht der Barde aus Alltagserlebnissen – es ist das Kleine, nicht das Große, das ihn fasziniert. In seinem Lied „Montagmorgen auf dem Lande“ räumt er mit einem alten Vorurteil auf. Landleben ist gleich Idylle? Von wegen! Kaum dass er zu schreiben begonnen hat, wird es laut. Rasenmäher werden angestellt, ein Laubsauger, dazu kommen Flugübungen und Kinder, die ein neues Rad ausprobieren – von Natur pur keine Spur. Der Liedermacher revanchiert sich auf seine Weise für die Geräuschkulisse: „Da lärmtechnisch von 8 bis 22 Uhr jeder machen darf, was er will, habe ich mich auf diese Weise gerächt und ein Lied darüber geschrieben.“ Ob das hilft?

Dass sich Langner selbst nicht schrecklich ernst, zeigt sein „Experiment am Publikum“: ein ganzer Strauß von Liedern im Stil der „Flippers“. „Du bist wie keine, komm sei die meine“, tönt es von der Bühne. Das Publikum ist begeistert, klopft sich auf die Schenkel. „Ingeborg my Darling“ kommt an. Langners Reaktion: Den Schluss- und Höhepunkt setzt dann der großartige Song „Google Diagnostics“ über das Phänomen der „Cyberchondrie“. Langner beschreibt die Suche (Sucht?) nach der schnellen Diagnose so treffend, dass einem Hören und Sehen vergeht. „Ja, ja die Google Diagnostic, die hilft einem sofort, sie geht ganz einfach und zu jeder Zeit an jedem Ort“, dichtet er. Und eine Schülerin schreibt ihm: „Deine Not kann ich nachvollziehen. Meine Omi hatte das, die ist jetzt tot. Stand noch toi, toi, toi drunter.“

In Zukunft wird es noch schlimmer, weiß Langner, denn: „Bricht man sich mal den kleinen Zeh, repariert es der Drucker auf dem Schreibtisch in 3D.“ Besser kann man „Dr. Google“ in fünf Strophen nicht erklären. Langers wortgewaltiges, augenzwinkerndes Lied hat das Zeug zu einem Hit, ganz ohne erhobenen Zeigefinger, aber mit klarer Haltung! Von diesem – poetischen und politischen – Musiker wird man noch viel hören! Ein Dank geht an Suchland und die „Poetischen“ Momente, die diesen beeindruckenden Nachwuchskünstler ins Programm gehoben haben.

Von Michael Grundmeier

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