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Ein angstfreier Raum

Schulseelsorge Ein angstfreier Raum

Ihre Fächer sind Deutsch, Religion und Darstellendes Spiel. Ihr Engagement galt in den ersten Jahren am Gymnasium Adolfinum in Bückeburg gemeinsam mit Björn Riemer dem Aufbau einer starken Schülervertretung.

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Franziska Winther.

Quelle: pr

Bückeburg. Doch inzwischen nimmt ein ganz anderer Bereich besonderen Raum ein im Berufsleben von Franziska Winther: die Schulseelsorge – ein spezielles Angebot, das die Evangelische Kirche Deutschland (EKD) mit den Worten „individuelle, religiös-ethische Lebensbegleitung aus christlicher Perspektive“ umreißt. Im Gespräch fügt die Religionspädagogin mit einem Augenzwinkern hinzu: „Dabei verstehe ich mich eigentlich mehr als Alttestamentlerin.“

Kindeswohl vor Amtshierarchie

Da die Stelle einer schulischen Beratungslehrkraft zurzeit am Adolfinum vakant ist, konnte Schulleiter Michael Pavel die ausgebildete Schulseelsorgerin, die 2016 den Segen der Schaumburg-Lippischen Landeskirche für ihre Arbeit erhielt, mit besonderen Beratungsaufgaben betrauen. Winther betont, dass ihre Schweigepflicht dadurch nicht tangiert werde. Und das sei deshalb besonders wichtig, weil es bislang in den meisten Gesprächen um sehr persönliche Angelegenheiten gegangen sei. Das „Kindeswohl“ präge das Leitbild der Arbeit, nicht das Schulcurriculum oder die Amtshierarchie.

Pro Woche komme es in der Sprechstunde zu drei bis fünf Unterredungen, manchmal gebe es nur einen einzelnen Termin, manchmal eine ganze Reihe, bilanziert Winther, die selbst zwei kleine Kinder hat. Im Sinne ihrer Ausbildung am Religionspädagogischen Institut in Loccum (RPI) orientiert sie sich am Konzept der Humanistischen Psychologie. Der Klient soll weder einer starren Diagnose noch einem Beratungsschema unterworfen werden. Im Gespräch wird gemeinsam nach einer Lösung gesucht oder nach ersten Schritten, die den Leidensdruck mindern und neue Sichtweisen ermöglichen. Dadurch würden Konflikte aktiv bearbeitbar.

Alkoholismus, Gewalt, Depression

Nach den ersten Monaten seelsorgerischer Beratungstätigkeit lässt sich sagen: „Oft ist die häusliche Situation mit schweren Belastungen verbunden.“ Es fallen Stichworte wie Trennung, Alkoholabhängigkeit, Gewalterfahrung, Depression und soziale Not. Wird die Grenze schulischer Arbeit erreicht, geht es darum, eine andere Hilfe zu finden. Weiterreichen wäre zu wenig. Dass einzelne Schüler des Adolfinum nach den Fällen von Suizid und Suizidversuch ihre Last mit der Erinnerung, ihre Trauer oder ihre Sorge um andere zum Ausdruck bringen, mag dabei als Zeichen der neuen „Achtsamkeit“ angesehen werden.

Nun geht Winther noch einen weiteren Schritt: Die Weiterbildung an der Universität Bielefeld in „Systemischer Traumapädagogik“ verknüpft sie mit der Hoffnung, tiefer in die Erlebnis- und Erfahrungswelt traumatisierter Kinder und Jugendlicher einzudringen. Als Deutschlehrerin in einer der beiden Sprachlernklassen am Bückeburger Gymnasium hat sie Traumatisierte aus Syrien und Afghanistan kennengelernt. Die Schule als „sicherer Ort“, also als Hort, als möglichst angstfreier Raum, bekommt gerade für Geflohene eine besondere Bedeutung.

Teil der Ausbildung wird auch die Frage sein, wie die Helfenden vor Burn-out und anderen Folgen besonderer persönlicher Belastung geschützt werden können. Schulintern kann da schon ein offenes Gespräch mit Kollegen helfen, natürlich unter Wahrung der Schweigepflicht. Echte Supervision ist der Idealfall.

Unterstützung vom Schulpastor

Dankbar ist Winther, mit Schulpastor Lutz Gräber einen engagierten Pädagogen an ihrer Seite zu haben, der nicht nur kraft Amtes ebenfalls für Beratungsarbeit zur Verfügung steht. Sie weiß um die Nöte mancher Jungen, die heutzutage an den Schulen überwiegend mit Frauen zu tun haben: „Manche Jungen öffnen sich eher einem Mann gegenüber.“ Der ist schließlich auch mal Junge gewesen und jung. Und der Blick nach innen, der Mut zur Aufrichtigkeit, zu emotionaler Offenheit – das seien erste entscheidende Veränderungen der Kommunikation, besonders in der Pubertät: „Und das fordert uns Pädagogen prinzipiell Respekt ab.“ r

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