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Ein groß angelegter Luxusbau

Vor 100 Jahren wird das Palmenhaus gebaut Ein groß angelegter Luxusbau

Bückeburg-Liebhaber loben die architektonische Vielfalt der Stadt. Neben den dominierenden Weser- und Neorenaissancebauten ist über Gotik, Barock und Klassizismus bis hin zu Industrie- und Bürgerbauten alles vertreten.

Würde auch heute noch die Silhouette Bückeburgs bereichern: Das vor 100 Jahren eröffnete Palmenhaus.

Quelle: Repro gp

Bückeburg. Die Mixtur wäre noch reichhaltiger, wenn es das Palmenhaus noch gäbe.

 Der prachtvolle Jugendstilbau aus Glas und Stahl stand im Schlosspark ganz in der Nähe der heutigen Hofreitschule. Als er vor 100 Jahren errichtet wurde, war Krieg. Von der Fertigstellung im Jahr 1915 nahm kaum jemand Notiz. Auch sonst stand das Vorhaben unter keinem guten Stern. 23 Jahre nach Inbetriebnahme wurde das Haus wieder abgerissen.

 Auftraggeber und Bauherr des Gebäudes war der 1911 an die Macht gekommene Fürst Adolf. Der bei Amtsübernahme gerade mal 28-Jährige brachte sofort nach der Thronbesteigung eine ganze Reihe ehrgeiziger Bauvorhaben auf den Weg. Innerhalb weniger Jahre wurden das Mausoleum, eine Orchesterschule (später Heeresmusikschule) und eine Kunstschule („Fürst-Adolf-Werkstätten“) hochgezogen.

 Ein besonders ausgefallenes Projekt war das 225000 Reichsmark teure Palmenhaus – ein ausschließlich auf Repräsentation angelegter Luxusbau. Einziger Zweck war die Ausstellung exotischer Pflanzen.

 1913 begann der Hannoveraner Architekt Werner Koech mit den Planungen. Als fachlichen Berater zog die Hofkammer den seinerzeit bekannten Gartendirektor Werner Dierks aus Bad Pyrmont hinzu.

 Auf dessen Vorschlag hin wurde der Gebäudetrakte in drei „Kulturenkammern“ untergliedert: Der hohe Mittelbau beherbergte Palmen. Die Startausstattung bestand aus etwa 50, zwischen zwei und sechs Meter hohen Einzelexemplaren.

 In den beiden flacheren Seitenflügeln wurden eine Farn- und eine Orchideensammlung untergebracht. Die Zahl der verschiedenen Farnsorten wird mit 600 angegeben. Noch weit spektakulärer soll die Orchideenkollektion mit rund 160 großen und zahllosen kleinen Arten gewesen sein.

 Schon bald nach Inbetriebnahme des von der Schlossgärtnerei betreuten Hauses traten Schwierigkeiten auf. Immer mehr Angestellte der Hofkammer mussten in den Krieg.

 Als besonders fatal erwies sich die Einberufung der zur Pflege der empfindlichen und anspruchsvollen Pflanzen benötigen Spezialisten.

 Einen noch härteren Einschnitt gab es, als der Fürst 1918 abdanken musste. Die Hofhaltung kam zum Erliegen, einige der bisherigen Einrichtungen wurden verpachtet.

 Das Palmenhaus, mit rund 180000 Mark Unterhaltungsaufwand eine der teuersten Anlagen, wurde nur noch auf „Sparflamme“ gefahren. Im Winter 1922 kam es zu einem folgenschweren Defekt. Die auf mindestens 18 Grad vorgegebene Temperatur sank gegen Null. Das Gros der Tropengewächse ging ein. Der Restpflanzenbestand wurde verkauft.

 Mehr als zehn Jahre lang dachte man darüber nach, ob und wie das Gebäude erhalten und weitergenutzt werden könnte. Im Gespräch waren die Einrichtung eines Restaurants, eines Bildhauerateliers und die Umgestaltung zum Ausstellungsort für Geweihe, Kutschen und/oder tropische Vögel. Ein weiterer Vorschlag sah die Nutzung als Trinkhalle mit Schwefelwasser-Ausschank vor.

 Die heilbringende Flüssigkeit sollte aus der Schwefelquelle in den Hofteichen herangepumpt werden. Am konkretesten diskutiert und verfolgt wurde die Idee, in dem Haus ein Café samt Konditorei und ein Kino einzurichten.

 Die Ausführung der Pläne scheiterte jedoch an den hohen Umbau- und Unterhaltungskosten. Versuche, die Stadt zu interessieren und einzubinden, waren erfolglos.

 1938, nach längerem Leer- und Stillstand, kam das endgültige Aus. Das Haus wurde abgerissen, die Metall- und Glaselemente verkauft und das Gelände neu gestaltet und um Teil mit Bäumen bepflanzt.

 Heute erinnern nur noch alte Fotos und Postkarten an den außergewöhnlichen Bau. gp

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