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Ein klares Nein – oder doch nicht?

Schwere Urteilsfindung Ein klares Nein – oder doch nicht?

In einem Verfahren wegen Vergewaltigung vor dem Schöffengericht Minden ist das Dilemma der Beweisführung und Urteilsfindung im Sexualstrafrecht einmal mehr deutlich geworden: Wenn es nur zwei direkte Beteiligte gibt, das vermeintliche Opfer und den mutmaßlichen Täter, ist das wirkliche Geschehen oft nicht so sicher zu ermitteln, dass es für eine zweifelsfreie Verurteilung – und das sind mindestens zwei Jahre Haft – reicht.

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Quelle: SYMBOLFOTO (DPA)

MINDEN/BÜCKEBURG. Auch in diesem Fall endete der Prozess gegen einen 24-jährigen Hiller mit Freispruch – im Zweifel für den Angeklagten. Lediglich in zwei Details wichen die Aussagen der Beteiligten voneinander ab, aber zwei entscheidenden. Auch die Aussagen von acht Zeugen, davon drei, die an dem Abend mitgefeiert hatten, konnten das juristische Problem nicht lösen.

Der 18-Jährigen bekam der Alkohol nicht gut

Am 16. April 2016 trafen sich drei befreundete Hüllhorster, zwei Männer und eine Frau, bei einem Freund in Hille. Dass „ordentlich was getrunken würde“, war geplant. Es wurde gemeinsam reichlich Bier, Baccardi und Sprite eingekauft, möglicherweise auch Energydrinks. Diesmal war noch eine Freundin der Frau, eine 18-Jährige aus Bückeburg, dabei. Bei sogenannten Trinkspielen hatten alle zunächst viel Spaß. Der 18-Jährigen bekam der Alkohol aber nicht so gut. Sie vermute zudem, so sagte sie vor Gericht, man habe ihr etwas ins Glas getan. Jedenfalls fühlte sie sich schlecht, schnappte frische Luft auf der Terrasse. Außerdem war die Stimmung schon leicht gekippt, es gab Spannungen zwischen den Frauen.

Die junge Bückeburgerin konnte schließlich nicht mehr und ließ sich vom Gastgeber in dessen Schlafzimmer bringen. Der feierte danach mit den anderen noch eine halbe Stunde weiter und ging dann ins Schlafzimmer, legte sich neben die Schlafende. Dann habe er, so sagte er aus, ihre Hand an der Schulter gespürt und sie habe den Arm um ihn gelegt.

Schilderungen im Chatprotokoll

Er fasste das als „Einladung“ auf und vollzog mit ihr den Geschlechtsverkehr. Da sie reglos blieb, habe er sie gefragt, ob er aufhören solle. Sie habe ihn aufgefordert weiterzumachen. Sie sagt, ihr sei es wegen des reichlichen Alkohols und der deswegen nicht eingenommenen Bluthochdruckmedikamente nicht gut gegangen und sie habe so fest geschlafen, dass sie davon nichts mitbekommen habe. Erst am Morgen danach sei ihr klar geworden, „dass da was gewesen sein muss“. So schilderte sie es der Freundin und dem 24-Jährigen in einem vom Gericht verlesenen Chatprotokoll im Internet. Und sie deutete an, dass das ohne, wenn nicht sogar gegen ihren Willen geschehen sei.

Sie ließ sich am nächsten Tag von einem Freund aus Bückeburg abholen, berichtete auf Anraten von dessen Mutter ihren Eltern, begab sich ins Krankenhaus und erstattete Anzeige. Vor der Polizei hatten die drei Mittrinker noch geschildert, dass die 18-Jährige ziemlich betrunken gewesen sei, gestützt werden musste und getorkelt sei. Vor Gericht klang das alles viel harmloser. Es sei nur ein Schlendern und eine leichte Unsicherheit gewesen.

Kein klarer Beweis für eine Straftat

Weder aus den gegensätzlichen Aussagen, ob einer der beiden Hauptbeteiligten zuvor Interesse an einer Beziehung geäußert habe, noch aus der Schilderung der Ereignisse im Schlafzimmer – angebliche positive Willensäußerung gegen totales Nichterinnern – ließ sich ein klarer Beweis für eine Straftat erkennen. „Die Einwilligung ist weder auszuschließen noch zu verneinen“, begründete der Vorsitzende Richter den Freispruch für den 24-Jährigen. Da es hier aber um mindestens zwei Jahre Gefängnis ohne Bewährung gehe, seien auch höhere Ansprüche an die Zweifelsfreiheit zu setzen. mt, hn

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