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Bückeburg Stadt Ein tieferer Blick in die Stadtgeschichte
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Ein tieferer Blick in die Stadtgeschichte
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21:58 17.05.2011
Insgesamt 70 Einzelstücke sind bei archäologischen Untersuchungen in der Baugrube des Erweiterungsbaus des Hubschraubermusems vom Kommunalarchäologen Jent Berthold gefunden und wissenschaftlich bewertet worden. Die Ergebnisse sind in einem elfseitigen Abschlussbericht festgehalten, die Fundstücke liegen jetzt im Museum – für künftige Forschungen. Quelle: rc
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Bückeburg (rc). Nun liegt die wissenschaftliche Bewertung der Funde vor, die der Kommunalarchäologe Jens Berthold der Öffentlichkeit vorstellte. Sein Fazit: „Durchaus geschichtsträchtiger Boden in unmittelbarer Nähe des Schlosses, auf dem wir gegraben haben. Aber wir haben relativ wenig gefunden.“ Bisher seien die archäologischen Quellen der Stadt aber noch nicht gut erforscht worden, zumal in der Altstadt von Bückeburg bisher keine regelrechten Ausgrabungen stattgefunden haben. „Das ist meine Aufgabe.“ Sprach’ s, und übergab die Fundstücke, die in eine Kiste passen, an das Museum – vertreten vom zweiten Vorsitzenden Wolfgang Vonscheidt und Museumsleiterin Anke Twachtmann-Schlichter –, damit die Funde für spätere Forschungen zur Verfügung stehen. Ein Teil der Untersuchungen ist vom Hubschraubermuseum finanziert worden, wie der Trägervereins-Vorsitzende Wolfgang Raschke und Geschäftsführer Dieter Bals sagten.

Mehrere kleinere Scherben, etliche Holzstücke und -pfähle, Brocken gebrannten Lehms und die Reste eines Rinderskeletts, die sich auf das Hoch- bis Spätmittelalter datieren lassen – insgesamt 70 Stücke wurden bei der Grabung gefunden. Dazu „eine kleine Rarität“ etwa aus dem Jahr 1898, ein kleines Metallgefäß, das von Dr. Dettweiler erfunden worden war, damit Tuberkulosekranke ihren ansteckenden Auswurf nicht mehr auf den Straßen „entsorgen“ mussten.

Anhand der Scherben und Spuren in unmittelbarer Nähe des erstmalig 1463 urkundlich erwähnten Burgmannshofes derer von Münchhausen, dem heutigen Altbau des Hubschraubermuseums, konnte dennoch eine ganze Reihe interessanter Ergebnisse gewonnen werden, um einige Aussagen treffen zu können. Brandschichten im Boden, gebrannter Lehm und die Reste einer Mauer führen Berthold zu dem Schluss, dass dort einst ein Wirtschaftsgebäude – etwa eine Scheune – gestanden hat, die einem Brand zum Opfer gefallen ist. Irgendwann um 1500 herum müsse das passiert sein, näher lasse sich das Unglück nicht eingrenzen, auch nicht anhand einer Untersuchung von Jahresringen eines gefundenen kräftigen Pfahls. In einer Grube, die sich auf das späte Hochmittelalter datieren lässt, wurden Scherben einer alten Glaskeramik entdeckt: eines kugeligen Gefäßes, wie es damals benutzt wurde, um Speisen oder Getränke in die Glut zu stellen und zu erhitzen. „Aus dem Hausrat eines besser gestellten Bürgers“, stellte der Archäologe fest: „Normalbürger konnten sich ein solches Gefäß nicht leisten.“

Weitere Hinweise auf die Nutzung der Fläche lieferten drei Brunnen, die auf dem Gelände gefunden wurden. Einer im Randbereich der Fläche an der Bahnhofstraße wurde nicht weiter angerührt und soll später einmal untersucht werden. Der Zweite war mit Sandstein ausgekleidet und weist auf eine mittelalterliche Nutzung hin, der dritte stammt aus der Neuzeit, spätes 19. Jahrhundert, und hatte bereits eine Kupferleitung.

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