Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -4 ° Nebel

Navigation:
Eine Menge neue Facetten

„Schaumburgs West Side Story“ Eine Menge neue Facetten

Es ist ein rasantes, teils atemberaubendes Musical gewesen, das rund 60 Tänzer am Wochenende im Bückeburger Rathaussaal den mindesten 300 Besuchern geboten haben.

Voriger Artikel
Familiäre Geselligkeit
Nächster Artikel
Ex-Liebhaber wehrt sich

Die Tänzer haben Freude an der Aufführung und sind voller Begeisterung bei der Sache.

Quelle: mig

Bückeburg. „Schaumburgs West Side Story“ lautete der Titel. Und tatsächlich hat Autor Mark Rudi die Handlung der bekannten Saga nach Deutschland transportiert.

Wer kennt sie nicht, die 1957 uraufgeführte „West Side Story“, Musik: Leonard Bernstein, Romanvorlage: William Shakespeares ewig-junge Geschichte eines Liebespaars, genauer: von „Romeo und Julia“. Und dann natürlich der Bandenkrieg zwischen den rivalisierenden „Jets“ und „Sharks“. Oder „Tonight“, die wunderschöne Ballade, die wohl jedem im Ohr bleibt, der sie einmal gehört hat, überhaupt die Musik, ein hektischer, treibender Rhythmus, starke Synkopierung.

Aber Schaumburg? Was bitte hat New York City mit Schaumburg zu tun, wird sich manch einer der Besucher im Rathaussaal gefragt haben. Wo sind die Parallelen? Zugegeben: Ein bisschen Phantasie war schon nötig, um das Feeling für „Schaumburg City“ zu bekommen. Parallelen wie die sich bekriegenden Jugendbanden kennt man in Bückeburg allerdings nur zu gut.

Ansonsten hat Autor Rudi („Marks Tanzschule“) wirklich ganze Arbeit geleistet. Die Fehde zwischen den „Jets“ und den „Sharks“ wird hier zu einer Fehde zwischen einer russisch-stämmigen und einer türkisch-stämmigen Familie. Beide sind im Autogeschäft tätig, mit eigenen Werkstätten, Schrottplätzen und Verkauf. Dass man dabei aneinandergerät, ist klar. Und das, was zunächst nur Konkurrenz ist, wird Hass und Kampf. Für die Liebe der Türkin Fatima zum russischstämmigen Sergej ist da kein Platz, nach einigen Schlägereien wird Fatima schließlich getötet.

Das Stück gewinnt der bekannten „West Side Story“ tatsächlich einige neue Facetten ab. Das fängt schon bei der Musik an, die „Rompf“ und „Hotsno“, zwei Hip-Hopper aus Hannover geschrieben und eingespielt haben. Die Zwei haben fette Beats aufgenommen, die die Handlung unerbittlich vorwärts treiben. Bis zum schrecklichen Höhepunkt, bis zum Mord.

Genial gut auch die Lyrics: „Frauen tragen Kopftuch und haben nichts zu sagen“ rappen die beiden Künstler an einer Stelle, an einer anderen appellieren sie an die Menschlichkeit: „Wir sind alles Menschen, ob schwarz oder weiß“ und: „Lass mich leben.“

Es sind dann aber vor allem die Tänzer, die dieses Musical zu einem besonderen machen. Schon die Kleinen glänzen mit atemberaubenden Breakdance-Moves: einarmigen Handständen, Salti und Überschlägen. Dazu kommen die Choreografien größerer Gruppen, die durch Genauigkeit wirken und bis ins Letzte ausgefeilt sind.

Immer wieder greifen die Tänzer auch Elemente des „B-Boying“ der frühen Siebziger (in der Bronx) auf. Von „Footworks“ (Tanzen auf dem Boden) über „Top-Rocking“ (Tanzen im Stehen), „Freezes“ (Verharren in einer möglichst eindrucksvollen Position) bis hin zu „Powermooves“ (Rotieren entlang einer Körperachse) war alles dabei. Es ist ein ausgesprochen breites Repertoire, das gezeigt wird.

Als echtes Allround-Talent präsentiert sich Mark Rudi in seiner Rolle als Lev. Seine mal ausdrucksstark, dann wieder athletisch Interpretation lässt das Publikum staunen. Für sein „Popping“ (roboterhafte Bewegungen) oder sein „Smurfen“ (Moonwalk-ähnlich) gab es immer wieder Szenen-Applaus. Neue Kulturen und neue Ansichten würden auch Konflikte mit sich bringen, hatte Rudi zu Beginn gesagt. „Wenn es uns aber gelingt, die Energien, die sich aus den Gegensätzen entwickelt, freizusetzen, dann können wir alle davon profitieren.“ mig

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg