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Bückeburg Stadt Engagement für deutsch-polnische Verständigung geht weiter
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Engagement für deutsch-polnische Verständigung geht weiter
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16:28 20.01.2013
Bückeburg/Kreisau (rd)

Im Rückblick auf die fünf Jahre stellt sie fest: „Unser Aufgabengebiet ist erweitert worden. Wir erinnern nicht nur daran, dass hier seinerzeit mutige Frauen und Männer geplant haben, wie es nach der Hitler-Diktatur weitergehen kann, wir wollen auch zeigen, wie man sich heute auf eine gemeinsame Zukunft in Europa einstellen kann.“

 Das die Völker verbindende Element wurde Elzbieta Kosek von zu Hause mitgegeben. Geboren wurde sie 60 Kilometer südlich von Kattowitz in Bielsko-Biaza, einer kleinen Stadt, die 1951 durch den Zusammenschluss der ostschlesischen Stadt Bielitz und der kleinpolnischen Stadt Biala entstand. Mit vier Jahren kam sie mehr oder minder zufällig nach Bückeburg, denn eigentlich wollte die Familie zum Onkel der Mutter nach Kanada. Als der jedoch bald starb, blieb sie mit Eltern und Schwester in Bückeburg.

 Nach der Schulzeit in der ehemaligen Residenzstadt studierte sie ab 1999 Wirtschaftswissenschaften in Berlin. Danach kam sie 2007 nach Krzyzowa. An ihre Gründe im deutsch-polnischen Bildungssektor zu arbeiten, kann sie sich noch gut erinnern: Da war zum einen der Reiz, in dem Land zu arbeiten, in dem ihre Wurzeln liegen, und zum anderen die Möglichkeit, beide Kulturen zu verbinden.

 Kreisau, das Gut des Widerstandskämpfers gegen den Nationalsozialismus, Helmuth James Graf von Moltke, gehört heute der Stiftung Kreisau für europäische Verständigung. Die dort ansässige Internationale Jugendbegegnungsstätte ist von zentraler Bedeutung für die Begegnung von Jugendlichen aus Deutschland und Polen, aber auch aus ganz Europa. Die Rolle Kreisaus als Begegnungsstätte begann vor fast genau 23 Jahren. Im November 1989 wurde dort mit Teilnahme von Bundeskanzler Helmut Kohl und dem ersten nicht kommunistischen Ministerpräsidenten Polens, Tadeusz Mazowiecki, die Versöhnungsmesse gefeiert und der Entschluss für die Gründung einer Jugendbegegnungsstätte gefasst.

 Vor Kurzem war Elzbieta Kosek wieder einmal kurz zu Besuch bei ihren Eltern in Bad Eilsen. Dieser Besuch ergab sich durch den Abschluss ihres Masterstudiums Medienpädagogik in Rostock. Jahrelang hatte sie sich nebenberuflich auf die Masterprüfung vorbereitet. Nun ist es geschafft, und darüber freut sie sich natürlich. In einem Gespräch umriss sie jetzt auch die Entwicklung in Kreisau. Außer der Erinnerung an die Widerstandskämpfer um James Graf Moltke sind die Vermittlung interkultureller Kompetenzen und die ökologische Arbeit wichtige Schwerpunkte der Aktivitäten der Begegnungsstätte. Hatten die Kreisauer sehr früh die von den Nazis angerichteten entsetzlichen Verwüstungen in den Köpfen und Herzen der Menschen gesehen, so wird heute versucht, Versöhnung und Freundschaft zwischen den beiden Völkern zu fördern. „Was wir brauchen, ist Verständnis füreinander. Und das wird am besten erreicht, wenn man sich begegnet und sich kennenlernt. In Kreisau wird dafür gearbeitet, dass Deutsche und Polen sich besser kennenlernen und verstehen“, so Kosek.

 Mit ihrer neuen Tätigkeit in Berlin bleibt die Bückeburgerin Kreisau verbunden. Zukünftig wird sie dazu beitragen, Jugendlichen interkulturelle Kompetenzen zu vermitteln. „Dazu gehört auch das Vorausdenken über die Auswirkungen unseres Handelns für nachfolgende Generationen“, sagt sie und ist dabei ganz in ihrem Element. Jugendlichen sollte das Konzept von Nachhaltigkeit ein Begriff sein. In Kreisau sei für diesen Bildungsbereich Anfang November das Ökologische Bildungszentrum „Gärtnerhaus“ eröffnet worden. Nachhaltigkeit ist auch zentrales Thema im deutsch-polnischen Comeniusprojekt, in dem Elzbieta Kosek gerade engagiert ist.

 Gemeinsam mit der „Daetz-Stiftung“ sowie Lehrern aus Deutschland und Polen werden in diesem Projekt interaktive Unterrichtsmodule zum Thema Deutschland für den polnischen Schulunterricht entwickelt. So beschäftigen sich die Schüler in Mathe mit der deutschen Architektur, in Englisch mit dem multikulturellen Berlin und in Sachkunde werden mit Umweltschutz verbundene Themen behandelt.