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Entsetzen und Trauer in Bückeburg

"Tiger-Absturz" in Mali Entsetzen und Trauer in Bückeburg

Gedrückte Stimmung herrscht am Internationalen Hubschrauberzentrum Bückeburg (IHAZ) nach dem Tod zweier Heeresflieger, die in Mali ums Leben gekommen sind. „Wir sind in tiefer Trauer und Betroffenheit“, sagte der Kommandeur des IHAZ und General der Heeresflieger, Brigadegeneral Uwe Klein.

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Ein Kampfhubschrauber „Tiger“ bei einer Flugvorführung am Tag der Bundeswehr auf dem Flugplatz in Achum 2016. Wie alle Heeresflieger haben die beiden jetzt gestorbenen Piloten das fliegerische Handwerk am Internationalen Hubschrauberausbildungszentrum in Bückeburg gelernt.

Quelle: ARCHIV/TOL

Bückeburg/Berlin. Das Mitgefühl aller Soldaten gelte den Familien und Angehörigen der Kameraden. Die beiden getöteten Soldaten kamen aus dem Hubschrauberregiment 36 Fritzlar, wo der „Tiger“ ausschließlich stationiert ist. Wie alle Heeresflieger haben auch die beiden ums Leben gekommenen Piloten das Fliegen in Bückeburg gelernt, am Stammsitz der Heeresflieger.

Ihre Fachausbildung auf dem „Tiger“ absolvierten sie im französischen Le Luc. Der Standort in der Provence ist Teil der Schule in Bückeburg und dem dortigen Kommando unterstellt.
Ein Expertenteam der Bundeswehr traf am Donnerstag in Gao ein, um unter anderem den Flugschreiber auszuwerten, wie der Stellvertreter des Generalinspekteurs, Vizeadmiral Joachim Rühle, mitteilte. Der Routine-Flugbetrieb der „Tiger“ werde bis auf Weiteres ausgesetzt. Hinweise auf Fremdeinwirkung lägen bisher nicht vor. Laut einer Mitteilung der Friedensmission der Vereinten Nationen Minusma deuteten erste Erkenntnisse auf technisches Versagen als Ursache hin.

Immer wieder Probleme mit "Tiger"

Der „Tiger“ gilt grundsätzlich zwar als technisch recht zuverlässig, zuletzt gab es jedoch immer wieder Probleme. So fehlten nach Medienberichten Piloten, um den Hubschrauber zu fliegen. Der „Expertiseverlust“ werde zunehmend zu einem „flugsicherheitsrelevanten Thema“, hieß es im Juni in einem internen Bericht des Kommandos Heer, aus dem seinerzeit der „Spiegel“ zitierte. Eine Handvoll Piloten werde für alle Übungs- und Schießvorhaben sowie Einsätze und einsatzgleiche Verpflichtungen herangezogen. Sie hielten aber der hohen zeitlichen Belastung nicht mehr stand, hieß es.

Bedenken gab es auch wegen der Einsatzbereitschaft des „Tiger“ in der westafrikanischen Hitze. Der Inspekteur des Heeres hatte eine Ausnahmegenehmigung für den Flug unter hohen Temperaturen erteilt, bevor die „Tiger“ am 1. Mai einsatzbereit gemeldet wurden. Zunächst galt eine maximale Temperaturobergrenze von 43,26 Grad Celsius für den Start der Hubschrauber. Dieser Maximalwert, der sich je nach Luftdruck und Flughöhe berechnet, wurde für den Einsatz in Mali um fünf Grad angehoben.

Viele persönliche Beziehungen nach Bückeburg

Mit der Aufstellung des Internationalen Hubschrauberausbildungszentrums am 1. Juli 2015 war die Ausbildungsverantwortung über die waffensystemgebundene luftfahrzeugtechnische Ausbildung für die Waffensysteme NH90 und Eurocopter „Tiger“ von der Luftwaffe zum Heer gewechselt, gleichzeitig die für die CH-53 zur Luftwaffe. Dabei wurden dem IHAZ die Teile NH90 des Technischen Ausbildungszentrums der Luftwaffe sowie der Deutsche Anteil der Deutsch-Französischen Ausbildungseinrichtung Tiger in Faßberg unterstellt.
In der Bückeburger Kaserne ist das Entsetzen groß. Auch wenn die beiden ums Leben gekommenen Piloten dort zuletzt nicht stationiert waren, gab es doch viele persönliche Beziehungen. „Die Truppe ist in den vergangenen Jahren sehr geschrumpft – da kennt man sich untereinander“, sagt ein Fluglehrer.

„Es ist wie im Familienkreis, wenn jemand stirbt“, schildert ein anderer Soldat. „Das ist ein ziemlicher Schlag“, so der Schaumburger. Derzeit seien mindestens zwei Kameraden aus Bückeburg im Mali-Einsatz. Auch er selbst habe schon etliche Auslandsmissionen hinter sich. Von dem tragischen Vorfall habe er von Kameraden erfahren, bevor es durch die Medien ging. „Mit so etwas rechnet man einfach nicht“, sagt der Soldat. Dennoch, am Tag nach dem Unglück kehrt schon fast wieder Routine zurück. „Bei der Arbeit blendet man die Ereignisse aus. In den Pausen sprechen wir aber darüber. Am Ende macht das jeder für sich aus.“ mf, vin, rc

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