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„Entweder alle zusammen oder gar nicht!“

Bückeburg / Anrufbus „Entweder alle zusammen oder gar nicht!“

Um die Mobilität von auf dem Land lebenden alten Menschen zu verbessern, hat der Seniorenbeirat der Stadt Bückeburg die Einrichtung eines so genannten Anrufbusses vorgeschlagen, der – analog zu bereits existierenden Vorbildern in beispielsweise der Samtgemeinde Niedernwöhren – das aus Sicht des Gremiums nur unzureichende Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) sinnvoll ergänzen soll.

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In seinem Vortrag erklärt Knut Utech, ÖPNV-Sachgebietsleiter beim Landkreis Schaumburg, was bei der Einrichtung eines Anrufbus-Systems zu beachten ist.

Quelle: wk

Bückeburg. Senioren würde dadurch zudem ermöglicht, länger in ihrer vertrauten Mietwohnung respektive in ihren eigenen vier Wänden wohnen zu bleiben.

 Den Bedarf für solch ein Mobilitätssystem begründete der Beiratsvorsitzende Manfred Hohmann bei einer Informationsveranstaltung im Dorfgemeinschaftshaus Rusbend mit einem fiktiven, aber durchaus realistischen Alltagsszenario: „Stellen Sie sich vor, sie sind 83 Jahre alt, wohnhaft am Kanal und haben kein Auto mehr, sind aber auf einen Rollator angewiesen. Um 8 Uhr morgens müssen sie jedoch in Bückeburg sein, da sie dort einen wichtigen Termin – etwa beim Arzt – haben. Was machen Sie dann?“, fragte er in den Saal, führte zu dem skizzierten Problem indes gleich weiter aus: Den mit Schülern voll besetzten Schulbus zu nehmen sei da – insbesondere aufgrund des angewiesen seins auf den Rollator – aber nicht wirklich eine Option.

 Und ein Taxi sei viel zu teuer. Also bleibe nur die Möglichkeit, auf etwaige Familienangehörige oder den guten Willen von Nachbarn oder anderen Bekannten zu setzen, so diese denn überhaupt die Zeit haben, den Fahrdienst zu leisten – einschließlich Rücktransport, versteht sich. Insofern wäre ein Anrufbus eine gute Lösung.

 Dass für die Zukunft neue Konzepte erforderlich sind, verdeutlichte Knut Utech, der beim Landkreis Schaumburg als Sachgebietsleiter für den Bereich des ÖPNV tätig ist. Demnach prognostiziert das Niedersächsische Institut für Wirtschaftsforschung für den Landkreis für den Zeitraum von 2008 bis 2030 einen Rückgang der Gesamtbevölkerung um 17 Prozent auf rund 136000 Einwohner. Die Zahl der über 65-Jährigen steige dagegen um knapp 9000 Personen auf cirka 46000 Einwohner, wodurch deren prozentualer Anteil von 23 auf 36 Prozent anwachse. Der Anteil der Sechs- bis 18-Jährigen gehe dagegen um 9400 Personen auf 12300 Einwohner beziehungsweise von 13 auf neun Prozent zurück.

 Bezogen auf den ÖPNV bezogen bedeute dies, dass die heute mit einem Anteil von rund 85 Prozent größte Fahrgastgruppe – die Schüler – in dem genannten Zeitraum von 21700 auf 12300 Personen abnehmen werde, während der Anteil derjenigen Einwohner, die nicht (mehr) über einen PKW verfügen und damit auf das ÖPNV-Angebot angewiesen sind, gleichzeitig steigen werde.

 Aufgrund der insgesamt sinkenden Bevölkerungszahl sei zudem davon auszugehen, dass sich der Lebensmitteleinzelhandel immer mehr aus der Fläche zurückziehen und sich auf die Zentren konzentrieren werde. Gleiches gelte für die Ärzteversorgung. Und angesichts dieser Entwicklungen werde auch die Bedienung jedes Ortsteils im Buslinienverkehr im Jahr 2030 folglich „nicht mehr wirtschaftlich darstellbar sein“.

 Wie solch ein Anrufbus-System in der Praxis funktioniert, erfuhren die Teilnehmer der Veranstaltung ebenfalls: „Der Anrufbus ergänzt den ÖPNV in Zeiten und Räumen, in denen sich der Einsatz eines Linienbusses nicht mehr lohnt“, erklärte Utech. Der Einsatzbereich eines Anrufbusses sei dabei „die Anbindung von Ortschaften und Streusiedlungen an die kommunale Infrastruktur in den Grund- und Mittelzentren“, so dass „keine Konkurrenz zum bestehenden Busverkehr“ gegeben sei. Im Gegensatz zum Bus-ÖPNV bestehe im Übrigen keine Haltestellen- und Fahrplanbindung. Voraussetzung sei vielmehr das Vorhandensein einer Dispositionszentrale, in der die Anmeldungen für die Fahrten entgegengenommen werden und die Fahrten zusammengestellt werden, wobei – anders als beim Taxenverkehr – eine Fahrtenbündelung angestrebt werde. Das heißt, die Fahrten werden so organisiert, dass möglichst viele Personen auf einmal mit dem Fahrzeug befördert werden, wodurch es allerdings auch zu Umwegfahrten kommen könne.

 Formal ist zum Betrieb eines Anrufbusses durch einen Verein laut Utech unter anderem eine behördliche Konzession – sprich: eine vom Landkreis erteilte Genehmigung als Mietwagenunternehmen – erforderlich. Soll dagegen ein „Bürgerbus im Linienverkehr“ eingerichtet werden, benötigt man eine entsprechende Genehmigung durch das zuständige Verkehrsunternehmen bei der Landesnahverkehrsgesellschaft Hannover.

 Egal welches Konzept gewählt wird, in allen Fällen müssen die ehrenamtlichen Fahrer (Mindestalter 21 Jahre) außer dem Führerschein der Klasse B und mindestens zwei Jahren Fahrpraxis auch noch einen „kleinen Personenbeförderungsschein“ besitzen. Erforderlich sind ferner die regelmäßige Untersuchung der Tauglichkeit durch einen Betriebs- oder Arbeitsmediziner – und zwar bei Fahrern bis zu einem Alter von 65 Jahren alle fünf Jahre und ab einem Alter von 65 Jahren sogar einmal jährlich.

 Die Anschaffung eines als Anrufbus genutzten Fahrzeuges bezuschusst der Landkreis mit Geldern aus so genannten Regionalisierungsmitteln, wohingegen für die Anschaffung eines als „Bürgerbus im Linienverkehr“ verwendeten Fahrzeuges ein 75-prozentiger Zuschuss des Landes Niedersachen in Anspruch genommen werden kann.

 Bei der anschließenden Diskussion sagte Gerhard Schöttelndreier (Ortsvorsteher in Achum), dass die Ortsräte „keine fünf Euro“ haben, um solch ein Projekt zu finanzieren. Daher müsse man die Stadt Bückeburg einbinden.

 Dem pflichtete Dieter Wilharm-Luhmann (Ortsbürgermeister von Meinsen-Warber) bei, gab aber zu bedenken, dass die Stadt im Gegensatz zu den Bückeburger Ortsteilen keinen Bedarf hinsichtlich eines Anrufbusses habe und sich deswegen möglicherweise auch nicht finanziell daran beteiligen werde.

 „Das ganze Ding geht nur, wenn wir das alle zusammen machen“, resümierte Andreas Struckmann (Ortsbürgermeister in Rusbend), und setzte gleich noch einen drauf: „Entweder alle zusammen oder gar nicht!“

 Axel Wohlgemuth (Ortsrat Cammer) schlug dagegen vor, zunächst den konkreten jährlichen Bedarf an solchen Anrufbus-Fahrten zu kalkulieren und dann auch mal auszurechnen, ob nicht der – etwa seitens der Stadt Bückeburg finanziell bezuschusste – Einsatz eines Taxi-Unternehmens eine Alternative sein könne.wk

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