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Euro-Norm macht zu schaffen

Frühjahrsmarkt in Bückeburg Euro-Norm macht zu schaffen

Bei wenig frühlingshaften Wetterverhältnissen ist der Bückeburger Frühjahrsmarkt nur schwer in Gang gekommen. Angesichts von Nieselregen und Temperaturen kaum über 5 Grad Celsius lockten Fahrgeschäfte, Buden und Kirmesattraktionen an den ersten Tagen nicht so viele Menschen an wie erhofft. Selbst am Sonntag, wo sonst dichtes Gedränge herrscht, waren größeren Lücken im Besucherstrom festzustellen.

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Wenn der Vater mit dem Kinde – weniger Familien als sonst nutzten den Auftakt für Fahrspaß.

Quelle: jp

Bückeburg. Abseits der ungünstigen Witterungslage macht den Jahrmarkt-Akteuren jedoch derzeit noch etwas ganz anderes zu schaffen: Mit der bundesweiten Einführung der neuen Euro Norm EN 13814 gelten seit dem 1. Januar 2015 neue Sicherheitsvorschriften für sogenannte „Fliegende Bauten“, das heißt, für alle Fahrgeschäfte, bei denen Gondeln oder Sitze durch die Luft wirbeln, fahren, rotieren oder schaukeln.

 Entwickelt wurde das Regelwerk vom „European Committee for Standardization“, um europaweit für einheitliche Sicherheitsstandards zu sorgen. Während im übrigen Europa das Regelwerk nur für solche Anlagen gilt, die erst nach dessen Erlass gebaut werden, gibt es den Bestandsschutz für bereits bestehende Fahrgeschäfte in Deutschland nicht. Verantwortlich für diesen Beschluss sind die Bundesländer, in deren Zuständigkeit die Bauaufsicht derartiger Maschinen liegt.

 Damit gilt die neue Norm mit all ihren zusätzlichen Prüfvorschriften und den enorm gestiegenen Anforderungen an Statik und Werkstoffstabilität auch für alle bereits vorhandenen Fahrgeschäfte. Mit unabsehbaren Folgen: Denn viele Betreiber bringt der zusätzliche Aufwand in finanzielle Bedrägnis. Für eine komplett neue Statik eines Fahrgeschäfts oder eine hundertprozentige Materialprüfung per Röntgenstrahlung, wie sie die Norm vorsieht, können fünf- bis sechsstellige Kosten anfallen.

 Und geradezu desaströs könnte die Situation werden, wenn die EU ihre Ankündigung wahr macht, die Sicherheitsvorschriften für Fahrgeschäfte alle fünf Jahre zu erneuern. Die erforderlichen Investitionen in Prüfungen, Kontrollen und gegebenenfalls erforderliche Nachrüstungen wären ein finanzielles Fass ohne Boden für die Betreiber. Ein Schausteller sprach von einem „kapitalen Totalschaden“. Andere haben bereits ihre Konsequenzen gezogen: So wurde beispielsweise der „Frisbee“, ein Fahrgeschäft mit einer bis in eine Höhe von 19 Metern rotierenden Schaukel, kürzlich von seinem deutschen Betreiber nach Dubai verkauft.

 Ein massenhaftes Sterben der Fahrgeschäfte befürchtet auch Lars Stummer, Betreiber des Fahrgeschäfts „Polyp“. Die enormen Kosten für den Prüfaufwand seien kaum zu verkraften, und eine Umlage auf den Eintrittspreis nicht umsetzbar. „Schon jetzt merken wir doch, dass die Menschen für Freizeitaktivitäten wie einen Jahrmarktsbesuch immer weniger Geld in der Tasche haben.“ Angesichts der bereits bestehenden Sicherheitsauflagen und der verschwindend geringen Unfallzahlen seien die erhöhten Prüfvorschriften für bestehende Fahrgeschäfte nicht nachvollziehbar.

 Ähnlich sieht man es bei den Betreibern des Fahrgeschäfts „Shaker“: „Schlichter Nonsens auf Papier“ sei das neue Regelwerk. Eine Branche, die es ohnehin nicht leicht habe, werde zugunsten des TÜV „geschröpft“. Große Hoffnungen richten sich jetzt auf einen im Oktober 2014 vor dem Verwaltungsgericht Hannover gewonnen Musterprozess eines Weyer Fahrgeschäftbetreibers gegen das Land Niedersachsen. Zurzeit läuft gegen das Urteil Berufung. Am 21. Januar stimmten alle im niedersächsischen Landtag vertretenen Parteien für den Bestandsschutz vorhandener Fahrgeschäfte. jp

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