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Eventuell Freispruch für den Messerstecher?

Bückeburg / Pozess Eventuell Freispruch für den Messerstecher?

Knapp 14 Monate nach der Verurteilung eines Bückeburgers (50) wird der Prozess um Messerstiche im früheren Aldi-Haus an der Trompeterstraße neu aufgerollt. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat die Entscheidung aufgehoben. Theoretisch könnte sich der Angeklagte gegenüber der ersten Verhandlung verschlechtern. Dies gilt jedoch als unwahrscheinlich, weil die Staatsanwaltschaft zwischenzeitlich keinen Tötungsvorsatz mehr sieht und ihre Revision zurückgezogen hat. Prozessauftakt ist am Freitag, 8. Juli, um 9 Uhr.

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Bückeburg (ly). Entzündet hatte sich der blutige Streit an lauter Musik („Griechischer Wein“), die in jener Nacht zum 16. Dezember 2009 nonstop durchs Haus dröhnte. Aus Ärger darüber, um den Schlaf gebracht zu werden, steckte der 50-Jährige ein Messer ein und ging über den Flur zur Nachbarwohnung. Die Tür stand offen. Im Vorflur kam es gleich zum Streit. Einen Hausbewohner (24) stach der Bückeburger in den Hals, einen zweiten (58) in den Bauch. Der ältere Mann hätte verbluten können. Nur knapp hatte die sieben Zentimeter lange Klinge ein lebenswichtiges Organ verfehlt.

Im ersten Anlauf hatte das Bückeburger Schwurgericht gegen den 50-Jährigen eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren verhängt, diese aber zur Bewährung ausgesetzt. Die Richter erkannten lediglich auf gefährliche Körperverletzung in zwei Fällen. Angeklagt war der 50-Jährige auch wegen versuchten Totschlags.

Zur Begründung hieß es, der Angeklagte habe nicht zielgerichtet zugestochen, sondern wahllos. Getroffen habe er zufällig. Ein Tötungsvorsatz fehlte. Dem Messerstecher billigte die Kammer verminderte Schuldfähigkeit zu, weil er zur Tatzeit 1,66 Promille Alkohol im Blut hatte. Seinen Opfern soll der Bückeburger 1800 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Gegen dieses Urteil legten Verteidigung und Staatsanwaltschaft im Mai 2010 Revision beim Bundesgerichtshof ein. Ende Oktober zog die Anklagebehörde ihr Rechtsmittel zurück. Verhandelt wird diesmal vor einer anderen großen Strafkammer. Den Vorsitz hat Richterin Eike Höcker, Präsidentin des Landgerichts.

Ein Freispruch wäre keine Überraschung, den BGH-Beschluss kann man als Steilvorlage sehen. Infrage käme auch eine neuerliche Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung. Für zu milde halten die hohen Richter das Urteil jedenfalls nicht, eher im Gegenteil.

Prüfen soll die Bückeburger Kammer erstens, ob ein Freispruch wegen Notwehr infrage kommt. Zweitens sollen sich die Richter noch einmal näher mit der Schuldfähigkeit des Angeklagten befassen. Möglicherweise war der 50-Jährige unzurechnungsfähig.
Richterin Eike Höcker hat zehn Zeugen und einen Gutachter geladen. Im ersten Prozess waren es 28 Zeugen. Diesmal müssen jedoch nur noch Teilaspekte geklärt werden, etwa die Frage der Notwehr. Wenn alles nach Plan läuft, wird Ende Juli das Urteil verkündet.

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