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Bückeburg Stadt Ex-Polizist aus Berlin als Meister des Amüsements
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Ex-Polizist aus Berlin als Meister des Amüsements
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21:01 07.11.2012
Murat Topal verhilft den Besuchern der „Nachtausgabe“ zu einem Erlebnis äußerst vergnüglicher Art. Quelle: bus
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Bückeburg (bus)

Der „Topal total“ betitelte Auftritt des Ex-Polizisten aus Berlin-Kreuzberg verhalf den Besuchern der von der Volksbank in Schaumburg und unserer Zeitung verantworteten Gemeinschaftsveranstaltung zu einem Erlebnis äußerst vergnüglicher Art. „Ein wirklich unterhaltsamer Abend“, meinte eine Zuschauerin im Anschluss an die zweistündige Vorstellung.

 Ebenso lange hatte es im Vorverkauf gedauert, um sämtliche Eintrittskarten den Besitzer wechseln zu lassen, was auf eine gehörige Portion Wertschätzung und Vorfreude schließen ließ.

 Dabei zählt Topal im Kreis der derzeit angesagten Comedians eher zu den pointiert zu Werke gehenden Akteuren. Das von Klamauk flankierte Lauthalsige ist seine Sache nicht. Er zielt mehr auf das Amüsement seines Publikums als auf dessen schallendes Gelächter.

 Und darin hat er nach drei abendfüllenden Programmen, vier Buchveröffentlichungen, zwei eigenen TV- und Radioformaten sowie ungezählten Live- und Fernsehauftritten eine Meisterschaft erreicht, die auch in der Schalterhalle des Geldinstituts ihre Wirkung nicht verfehlte.

 Der Sohn eines türkischen Vaters und einer deutschen Mutter („Ich bin gewissermaßen ein Kreuzberger Polizist mit Neuköllner Migrationshintergrund“) ist vor sieben Jahren von seinen damaligen Kollegen („Die haben sich über meine Späße scheckig gelacht“) auf die Bühne gedrängt worden. Dass sein ebenso frohsinniger wie herzlicher Blick auf die zahlreichen eigentümlichen Gestalten und Geschehnisse des alltäglichen Lebens aber nicht nur Beamtenherzen zu erfreuen vermag, hat er am Dienstagabend eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

 Wenn der in einem schlichten Bühnenbild und ohne wechselnde Kostümierungen agierende Komiker per Tonfall, Mimik und Dialekt (und sehr sparsam eingesetzten technischen Hilfsmitteln) in unterschiedliche Rollen schlüpft, nimmt die Reaktion der Kollegen wenig wunder. Zudem weiß Topal mit Situationskomik und astreinem Wortwitz zu punkten. In seiner Dienstzeit habe vor allen Dingen das Motto „Spaß muss sein“ gegolten, erläutert der Berliner. Wie etwa bei Begegnungen mit jugendlichen Punks („Coole Jungs mit dem Fuchsschwanz am Universalchip“) oder mit Hooligans („Angesoffene Fußballfans im T-Shirt und wir mit 50 Kilogramm Schutzkleidung“) oder mit einem bewusstlosen Rex-Gildo-Fan, dessen Musikanlage die gesamte Nachbarschaft mit „Fiesta Mexicana“ beschallt. Dem guten Mann habe er zur Wiederbelebung eine halbe Stunde lang das Brustbein gerieben und bei sich gedacht: „Entweder fängt der Typ gleich an zu brennen – oder ich habe ihn durchgerubbelt.“

 Oder mit Demonstranten am 1. Mai in Kreuzberg. „Irgendwann fliegt der erste Stein. Dann beginnt die Rennerei. Keiner weiß warum, aber alle machen mit.“ Einmal habe ein Mann in Pyjamahose und Unterhemd („Entschuldigung, Herr Demonstration“) ganz wesentlich zur Deeskalation der Situation beigetragen. „Das war mein Papa.“ Zur Belohnung setzte es eine Backpfeife für den Filius. Oder mit einem Türken, der ihn als Vollnazi beschimpft oder einem Skinhead, der ihm den Beamten nicht abnehmen will („Eine Schande, dass so was eine deutsche Polizeiuniform tragen darf“).

 Bleibt anzumerken, dass der Verwandlungskünstler seine Geschichten keineswegs mit erhobenem Zeigefinger erzählt. Stets schwingt in den Schilderungen auch eine gehörige Portion Sympathie für die mitunter recht schrägen Vögel auf der anderen Seite mit.

 Und: Topal engagiert sich gemeinsam mit ehemaligen Polizei-Kollegen im Projekt „Stopp Tokat“ gegen Gewalt an Kreuzberger Schulen. Zudem ist er Botschafter der Einrichtung „Notinsel“ und war mehrfach Gast bei TV-Talkshows zu Themen wie Integration oder Gewalt.

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