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Extrem viele und gute Baudenkmäler

Landkreis führt „Sorgenkinderliste“ Extrem viele und gute Baudenkmäler

Um den Denkmalschutz in Bückeburg ist es gut bestellt. Der Großteil der Eigentümer kümmert sich um seine Gebäude, es gebe in der Regel konstruktive Gespräche mit der Stadt, wenn Renovierungen, Instandhaltungen oder Sanierungen geplant sind – und umgesetzt werden, teilt die Verwaltung mit.

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Das Ensemble auf der nördlichen Seite der Herminenstraße vom Kreisel bis zum Krankenhaus steht als Gruppe unter Denkmalschutz.

Quelle: rc

Bückeburg. Bei der Stadt und den zuständigen Stellen beim Land und dem Landkreis wird allerdings auch eine „Sorgenkinderliste“ geführt. Wenn Eigentümern ihren Verpflichtungen zum Erhalt der Gebäude nicht nachkommen – aus welchen Gründen auch immer.

 „Insgesamt hat Bückeburg extrem viele und gute Baudenkmäler vorzuweisen, mit dem es deutlich über dem Durchschnitt von Städten vergleichbarer Größe oder sogar größeren Städten liegt“, freuten sich Baubereichsleiter Jürg Klostermann und Stadtplaner Klaus Wolter im Gespräch mit unserer Zeitung. Und mit Blick auf Schloss und das umgebende Schlossplatz-Areal: „Vieles ist natürlich auf das Fürstenhaus zurückzuführen.“

 Insgesamt 358 Gebäude stehen auf der Denkmalschutzliste. Zwei Drittel der Gebäude sind Einzel-Baudenkmäler, stehen also von außen und innen unter Schutz. Ein Drittel wird als sogenannte Gruppe geführt, wo insbesondere die äußere Hülle unter Schutz steht – wie etwa die nördliche Seite der Herminenstraße vom Kreisel bis hinauf zum Krankenhaus. Geführt wird die Liste, die vor gut 25 Jahren aufgestellt worden ist, vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege in Hannover. Sie wird immer wieder ergänzt, auch auf Anregung der Stadt oder der Bürger. Derzeit ist die Tendenz, dass mehr Gebäude aus der Liste fallen, da sie nicht mehr erhaltenswert sind, etwa wenn Einsturzgefahr besteht. „Neue Denkmäler sind in den vergangenen Jahren nur wenige hinzugekommen“, berichtet Wolter.

 Er hat als Stadtplaner die Erfahrung gemacht, dass viele Eigentümer gar nicht wissen, dass sie in einem Baudenkmal wohnen. Zwar hatte es seinerzeit bei der Aufstellung der Liste entsprechende Schreiben an die Eigentümer gegeben, auch bei einem Verkauf wird der Neueigentümer regelmäßig angeschrieben. Aber bei Schenkungen oder Vererben ist die Stadt außen vor, denn im Grundbuch ist nicht vermerkt, ob das Gebäude unter Denkmalschutz steht.

 Wenn dann das Gebäude gedämmt oder isoliert werden soll, erfährt erst dann so mancher Hausbesitzer, dass sein Gebäude Nutzungsbeschränkungen unterliegt und die Fassade nicht „mal eben so“ mit Platten zugeklebt werden darf. Also muss von innen isoliert werden. Oder aber in enger Abstimmung kann die Fassade doch gedämmt werden, indem zum Beispiel bestimmte Stilelemente nachgebaut werden. Oder aber nur die Giebel und die Rückseite. „Wir suchen das enge Gespräch mit den Eigentümern. In der Regel klappt das“, so die beiden Bauverwaltungs-Experten. Sie berichteten aber auch von einem Fall, wo ein Eigentümer keine Fenster einsetzt und es hereinregnen lässt. Wer Eigentümer eines denkmalgeschützten Gebäudes ist, unterliegt allerdings nicht nur Beschränkungen. So kann man sich von den Regeln der Energieeinsparverordnung befreien lassen oder – auch bei Eigennutzung – erhöhte steuerliche Abschreibungen in Anspruch nehmen.

 Auf allzu viel Unterstützung der öffentlichen Hand brauchen Privateigentümer nicht hoffen. 5000 Euro hat die Stadt im Haushalt verankert. Wolter: „Hier und da können wir etwas als Ko-Finanzierung geben.“ Schaumburg hat noch den Vorteil, dass auch der Landkreis Geld gibt. Mittel von der EU, die über das Programm „Pfeil“ zur Stärkung der ländlichen Räume verteilt werden, gibt es für Bückeburg nicht. Nur Städte unter 10000 Einwohner kommen dort zum Zuge.

 Der Bund hat in den vergangenen Jahren seine Sanierungsmittel um die Hälfte gekürzt. Das musste die Stadt 2009 erfahren, als der von ihr gestellte städtebauliche Denkmalschutz-Antrag für das Nordharrl-Viertel mit seinen denkmalgeschützten Villen abschlägig beschieden wurde. Eine Kommission habe nicht unbedingt Handlungsbedarf gesehen. Nun saniere die Stadt zumindest die Straßen Zug um Zug aus Eigenmitteln, merkte Klostermann an.

 Seinerzeit hatte sich die Stadt auch bemüht, dass Adolfstraße und Harrlstraße mit ihrem alten homogenen Gebäudebestand in den Denkmalschutz aufgenommen werden. Das ist aber abschlägig beschieden worden. Nun habe die Stadt kaum Einflussmöglichkeiten auf Gestaltung bei Sanierungen oder aber auch Neubauten, die dort möglich wären.

 Veränderungen hat es dagegen an der Herderstraße gegeben, wo die von der Landeskirche (noch) genutzten drei Gebäude als Gruppe in der Denkmalschutzliste geführt worden sind. 2014 wurde das Herderhaus als Einzelbaudenkmal ausgewiesen. Derzeit stehen die drei Häuser zum Verkauf, da das Landeskirchenamt an die Bahnhofstraße zieht (wir berichteten).

 Die „Sorgenkindliste“ hat sich in den vergangenen Monaten etwas reduziert. Einige alte Schätzchen etwa in Scheie haben einen Liebhaber gefunden und sind saniert worden. Dagegen gibt es einige leer stehende Häuser, eins zum Beispiel an der Schlossgartenstraße, die von ihren Eigentümern nicht genutzt werden und verfallen. Der Stadt sind bei solchem Vorgehen die Hände gebunden. Sie kann nur darauf verweisen: „Eigentum verpflichtet.“ Oder aber zähneknirschend einem Abrissantrag zustimmen, wenn der Eigentümer nachweisen kann, dass der Erhalt des Gebäudes wirtschaftlich nicht tragbar ist. Derzeit liegt der Stadt ein Antrag für den Abriss einer Hofstelle in Meinsen vor. rc

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