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Familie Schiefer samt Baby sitzt auf dem Trockenen

Bückeburg / Stadtwerke Familie Schiefer samt Baby sitzt auf dem Trockenen

Die Stadtwerke Schaumburg-Lippe haben Stephan Schiefer und seiner Familie – darunter der gerade einmal sieben Monate alte Aykan Deva – das Wasser in dem von ihnen gemieteten Haus im Falkingsviertel abgestellt. Grund sind Streitigkeiten zwischen Mieter, Vermieter und Stadtwerken, wer nun für das Bezahlen der Wasserrechnung zuständig ist.

Bückeburg (rc). Der Mieter sagt, dass er die Kosten für Wasser und Schmutzwasser an den Vermieter gezahlt hat, so wie es im Mietvertrag stehe und mündlich vereinbart worden sei. Der Vermieter habe gesagt, dass er sich um die Anmeldung bei den Stadtwerken kümmern werde.

Der Vermieter sagt dagegen, dass so etwas nie vereinbart worden sei. Schon in seiner Betriebskostenabrechnung für 2010 taucht unter der Position Wasser eine Null auf, datiert ist sie allerdings von Anfang Januar, als die Stadtwerke noch gar nicht darauf gekommen waren, dass in dem Haus jemand wohnt und Wasser verbraucht, wie Stefan Schiefer argumentiert.

Das fanden die Stadtwerke erst später heraus und stellten Anfang Mai ihre Rechnung an Stephan Schiefer: insgesamt rund 1200 Euro für knapp zwei Jahre. Nach einigem Hin und Her, Schriftwechseln mit Mieter und Vermieter sowie Mahnungen machten sie am Mittwoch ihre Drohung wahr und stellten das Wasser ab.

Seitdem sitzt Familie Schiefer auf dem Trockenen. „Mit einem Kleinkind ein Ding der Unmöglichkeit“, wetterte der Vater im Gespräch mit unserer Zeitung. Seine Frau und er könnten durchaus mal auf das Duschen verzichten. „Aber ein Kleinkind versorgen und pflegen? Das geht nicht.“ Zum Glück hätten Nachbarn ihre Hilfe angeboten, sodass er dort auf Wasser zugreifen könne. „Aber das ist doch kein Zustand.“ Die Stadtwerke hätten ihm zwar angeboten, ihm sofort wieder das Wasser anzustellen, wenn er die Außenstände bezahlt. Aber: „Ich habe doch bezahlt. Dafür ist mein Vermieter verantwortlich. Das ist wie in einem schlechten Film.“ Und fragt: „Dürfen die Stadtwerke das Wasser abstellen, wenn ein Kleinkind im Haus ist?“

Dürfen sie, wie Stadtwerke-Vertriebsleiter Daniel Strathmann auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte. Der Umstand sei lange berücksichtigt worden, immerhin datiere die fragliche Rechnung von Anfang Mai. Es habe mehrere Einigungsversuche gegeben, die allesamt gescheitert seien. Letztlich könne ein solcher Grund wie ein Kleinkind kein Ausschlusskriterium sein, dass die Stadtwerke auf ihr Geld verzichten. Das gehe zulasten der anderen Kunden. „Irgendwann müssen wir konsequent sein.“ Zumal er aus dem Schriftverkehr den Eindruck habe, dass hier jemand einen Zahler für seine Wasserrechnung sucht. Für die Stadtwerke sei jedenfalls aufgrund der Aktenlage Stephan Schiefer der Vertragspartner. „Und an den halten wir uns.“

Generell merkte der Vertriebsleiter an, dass sich die Stadtwerke immer an den Letztverbraucher halten würden: „Der steht in der Schuld.“ Daher sei es ratsam, dass sich der Letztverbraucher selbst bei den Stadtwerken anmeldet und direkt mit den Stadtwerken abrechnet. Bei Einfamilienhäusern wie bei den Schiefers sei das sehr einfach. Bei Mehrfamilienhäusern sei es dagegen problematischer.

Wie dem auch sei: Um wieder an fließend Wasser zu kommen, hat Stefan Schiefer gestern beim Amtsgericht Bückeburg einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gestellt. Da die Materie aber kompliziert ist, will der zuständige Richter alle Seiten hören. Und hat für kommenden Montag einen Termin angesetzt. „Bis dahin passiert nichts“, sagt Schiefer, der jetzt auf seine Nachbarn und viele Kisten Mineralwasser angewiesen ist.

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