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Farr: „Wir arbeiten unter Volllast“

Überblick über Flüchtlings-Situation Farr: „Wir arbeiten unter Volllast“

Einen Überblick über die aktuelle Flüchtlings-Situation im Landkreis hat jetzt Landrat Jörg Farr im Neuen Ratssaal gegeben. Auf Einladung der Senioren-Union Bückeburg warb Farr für Integrationspakete, Fallpauschalen und eine enge Zusammenarbeit.

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Landrat Jörg Farr.

Quelle: mig

Bückeburg. Über die Aufnahme von Flüchtlingen wird in Deutschland heiß diskutiert. „Grenzen dichtmachen“, rufen die einen – „Refugees welcome“, die anderen. Gut also, wenn über das Thema diskutiert wird, sachlich und ohne den „Gegner“ verbal anzugreifen. Wie stark dieses Thema die Menschen beschäftigt, zeigte auch die Zahl der Besucher. Der Neue Ratssaal in Bückeburg war „gerappelt voll“, 130 Gäste wollten den Vortrag hören. „Das habe ich nicht erwartet“, sagte Friedel Pörtner, Chef der Senioren-Union.

 Farr nahm die Steilvorlage an. Er sei gerne gekommen, um über die Flüchtlingssituation zu reden. In Zahlen stellte sich die Situation Ende Februar so dar: In Schaumburg leben 2020 Flüchtlinge im kommunalen Kontingent („Das sind Flüchtlinge, die in Erstaufnahme-Einrichtungen des Landes gewesen und registriert sind und die auf das Land verteilt werden“), weitere 600 beziehungsweise 100 Flüchtlinge befinden sich in zwei Notunterkünften des Landes (der Prince Rupert School in Rinteln und an der Königsberger Straße in Bückeburg). Insgesamt, so Farr, seien 2720 Flüchtlinge in Schaumburg angekommen. Weiter rechnete Farr vor, dass 40 Prozent der Asylsuchenden, die in Schaumburg ankommen, minderjährig seien: 17 Prozent sind zwischen null bis sechs Jahre, 23 Prozent sind zwischen sieben und 17. „Das wird wichtig, wenn es um Kita und Schule geht“, gibt Farr zu bedenken. Aktuell gibt es 330 Wohnungen und vier Gemeinschaftsunterkünfte – zwei weitere werden gerade vorbereitet. Vom Vorhaben, die Flüchtlinge nur dezentral unterzubringen, ist der Landkreis ein Stück abgerückt. „Das hat im ersten Jahr zwar sehr gut geklappt, wurde aber immer schwieriger“, gibt Farr zu. Es sei aber weiter wichtig, Flüchtlinge nicht zu zentralisieren.

 Ein weiterer wichtiger Baustein bei der Arbeit mit Flüchtlingen sind laut Farr die Flüchtlingssozialarbeiter der Arbeiterwohlfahrt (Awo), die in Schaumburg tätig sind. Man habe von Anfang an beschlossen, weder die Flüchtlinge noch deren Nachbarn alleine zu lassen. Lobende Worte hielt Farr für die in der Flüchtlingsarbeit Tätigen bereit – und für den Landkreis, wo „unter Volllast“ gearbeitet werde, so Farr.

 Vom Jugend- bis zum Ordnungsamt seien viele Dienststellen eingebunden. Farr weiter: „Bei uns gibt es ein funktionierendes Netzwerk. Ich denke, wir haben das bisher alle gut hingekriegt.“ Aktuell kämen zwar weniger Flüchtlinge nach Deutschland, das heiße aber nicht, dass die Arbeit getan sei. „Die richtige Arbeit, etwa die Integration, geht gerade erst los.“ Denn zunächst müssten die Zuwanderer Deutsch lernen: Das sei eine „große Herausforderung“, so Farr. „Wir brauchen diese Menschen, auch wegen des demografischen Wandels“, glaubt der Landrat. Es wäre „fatal, wenn wir aus den Flüchtlingen dauerhafte Transferempfänger machen“.

 Farr würde sich eine „Flexibilisierung der Arbeitsinstrumente im Sozialgesetzbuch II und einen zweiten Arbeitsmarkt“ wünschen. Es helfe niemanden, zum Nichtstun verdammt zu sein und von Notunterkunft zu Notunterkunft gereicht zu werden.

 Ein weiteres Problem sieht Farr in der „zentralen Organisation von Sprachkursen“. „Wir brauchen keine von oben gesteuerten Kurse des BAMF. Wir brauchen Integrationspakete mit Fallpauschalen.“ Weil die Flüchtlinge viel größere Anforderungen an Kommunen und Wirtschaft stellten, seien auch eine „Aufstockung des Etats des Bundes für Weiterbildung und eine Erhöhung der Leistungen für Qualifizierung“ nötig. Manch ein Flüchtling beherrsche nicht einmal das Alphabet, „da ist es mit einer kurzen Maßnahme nicht getan“. mig

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