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Fast Tradition: Schützen auf Ostereier-Pirsch

Bückeburg / Brauchtum Fast Tradition: Schützen auf Ostereier-Pirsch

Der Gründonnerstag hat in der Vergangenheit allerlei Brauchtumsaktivitäten hervorgebracht. Am fünften Tag der Karwoche stehen in manchen Landstrichen nicht nur der Verzehr von grünem Gemüse und Kräutern (Gründonnerstagssuppe), sondern auch die Bettelei (Guten Morgen, zum Gründonnerstag / gebt mir was in’n Bettelsack) und das Futtern gebackener Brezel (da einem sonst Eselsohren wachsen können) hoch im Kurs. Hierzulande erfreut sich seit einiger Zeit das sogenannte Ostereierschießen großer Beliebtheit.

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 Bei „Gut Schuß“ Scheie schenkt Ursula Ringhoff ein Schlückchen Eierlikör als „Zielwasser“ ein.

Quelle: bus

Bückeburg. Bückeburg (bus). In diesem Jahr stellten die Bückeburger Schützen in der Innenstadt (SV Jetenburg), im Sportzentrum Evesen (SV Röcke), im Dorfgemeinschaftshaus Scheie („Gut Schuß“ Scheie) und unterhalb der Sporthalle Meinsen-Warber (Kyffhäuser-Kameradschaft Meinsen-Warber) entsprechende Wettbewerbe auf die Beine. Beim Thema „Ostereierschießen“ dürfte für Außenstehende von Interesse sein, dass die Eier nicht als Ziele, sondern als Prämie dienen. Und dass vor den Scheiben nicht nur schießsportliches Geschick, sondern auch eine gehörige Portion Dusel vonnöten ist, um die Hühnerprodukte in seinen Besitz zu bringen.

 „Wir schießen mit dem Luftgewehr auf verdeckte Scheiben, auf denen der Schütze die zu treffenden Zielpunkte nicht erkennen kann“, erläuterte Ursula Ringhoff das Prinzip. Ein „Schuss ins Schwarze“ müsse also keineswegs einen Gewinn nach sich ziehen. „Wer bei dieser Konkurrenz kein gutes Verhältnis zur Glücksgöttin Fortuna hat, könnte am Ende leer ausgehen“, erklärte die Vize-Chefin von „Gut Schuß“. Was in der Praxis indes höchst selten vorkomme, da pro Scheibe mehrere Punkte markiert werden. Anderenorts wird der Erfolg auf der Eier-Pirsch per Knobelwürfel mitbestimmt oder durch den Teilnehmern nicht bekannte Auswertungskriterien beeinflusst.

 „Es geht vor allen Dingen darum, in entspannter Atmosphäre ein paar gemütliche Stunden miteinander zu verbringen“, schilderte Andreas Paul Schöniger den Charakter der vorösterlichen Jagd nach den Hennenhinterlassenschaften. Der Vorsitzende der Meinsen-Warberaner Kyffhäuser freute sich besonders über rund ein Dutzend Kinder und Jugendliche, die der Veranstaltung zu außergewöhnlichem Schwung verhalfen. Für den Nachwuchs hatten die Organisatoren eigens eine Leinwand aufgestellt, auf der lustige Kurzfilme zu sehen waren.

 Im trubeligen Geschehen geriet die Bekanntgabe der neuen Ostereier-Majestäten beinahe zur Nebensache. Hier stellte Schönigers Amtsvorgänger Ludwig Pohl mit 14 Treffern das glücklichste Händchen unter Beweis. Im Wettstreit um den zweiten Platz setzte sich nach dreimaligem Treffen Udo Fischer gegen Reinhard Könemann durch. „Alles in allem betrachtet haben wir einen sehr kurzweiligen Familienabend erlebt“, lautete das Fazit des Vorsitzenden. Wozu nicht nur der traditionell als „Zielwasser“ gereichte Eierlikör, sondern auch die bemerkenswerte Zahl von mehr als 1000 „erschossenen“ Eiern beigetragen haben dürfte.

 Bleibt zu hoffen, dass im Bückeburger Oster-Revier auch einige der im Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens erwähnten Gründonnerstagseier zu finden waren. Diese speziellen Exemplare versprechen Schutz vor diversen Bekümmernissen wie Leistenbruch, Kreuzschmerzen oder Schlangenbissen und sollen zudem nützliche Dienste gegen Blitzschläge und Überschwemmungen leisten. Überdies waren sie als Gegenzauber zum Aufspüren von Hexen gefragt.

 Darüber hinaus weiß die Volkserfahrung, dass ein am Gründonnerstag von einem Gockel (!) gelegtes rotes Ei den Herren der Schöpfung Manneskraft in Hülle und Fülle verspricht. Das walte Hazy Osterwald.

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