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Fast kafkaesker Kampf

Bückeburg Fast kafkaesker Kampf

chelmenstück? Farce? „Die Judenbank – ein Volksstück für einen Schauspieler“ ist mit diesen Begriffen nur schwer zu fassen. Es ist der Kampf bauernschlauer Gewitztheit gegen ein mörderisches Regime, das keine Zwischentöne duldet, das vom Theater „Poetenpack“ im Joel-Le-Theule-Saal präsentiert wurde.

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Lars Wild liefert einen überzeugenden 80-minütigen Kraftakt.

Quelle: mig

Bückeburg. Es ist 1937 und Dominikus Schmeinta (Lars Wild) versteht die Welt nicht mehr: Ab sofort soll seine Bank, auf der er tagaus, tagein gesessen ist, eine reine „Judenbank“ sein. Das sei doch eine „reine Fehlbeschilderung“, folgert Schmeinta, denn: „In Ottersdorf gibt es gar keine Juden mehr.“ Er spricht zunächst mit den Nazi-Größen vor Ort, um ihnen klarzumachen, dass „eine Bank, auf die sich niemand setzen darf, ihren banklichen Zweck verfehlt hat“, und stellt, als das nichts fruchtet, den Antrag, selbst „ein Jud zu werden“. Denn: „Wenn man ein Katholik werden kann und ein Protestant, dann kann man doch auch ein Jud werden. Innen drin bleib ich ja sowieso der Gleiche.“

Nach und nach entbrennt so ein fast schon kafkaesker Kampf, in dem Schmeinta dem Regime die Maske herunterreißt. Mit Humor, ganz ohne erhobenen moralischen Zeigefinger, schildert Reinhold Massag das Leben von linientreuen Dorfbewohnern und zerrissenen Familien in Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus.

Das ist keine einfache Kost. Nicht nur wegen des Themas, sondern auch wegen der Entscheidung des Regisseurs, einen Schauspieler sieben Rollen spielen zu lassen. Ein Kraftakt für Lars Wild, der 80 Minuten omnipräsent ist und sein muss. Großartig, wie es dem Darsteller gelingt, in die Welt seiner Hauptfigur Dominikus Schmeinta einzutauchen.

Schmeinta hat etwas von einem reinen Toren, wenn er sich mit scheinbar naiven Fragen an den regimekritischen Waibel wendet oder an seinen Neffen Roman, einem strammen Nazi und Bürgermeister des Dorfes. Wie das Kind in „Des Kaisers neue Kleider“ stellt Schmeinta Fragen, die das Regime nicht beantworten kann und will. Schmeinta wird in die Nervenheilanstalt eingeliefert und zum Schluss „verlegt“. Wie im Paradies sei es dort, sagt Schwester Bonaventura weinend. Es gebe sogar eine Bank für ihn ganz alleine. Für einen Augenblick ist es ganz still im Joel-Le-Theule-Saal. Dann bricht lauter Beifall los. Lars Wild verbeugt sich und zeigt auf den zweiten Hauptdarsteller an diesem Abend: die Bank. mig

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