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Bückeburg Stadt Fenster in die Geschichte
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02:15 05.03.2016
Stefan Brüdermann und Bibliothekarin Ines Liebgke zeigen ein Schmuckstück der Archivalien-Ausstellung; die mutmaßliche Reise-Bibliothek der Fürstin Juliane. Quelle: mig
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Bückeburg

Ein echtes Schmuckstück oder, wie Leiter Stefan Brüdermann es ausdrückt: „Es ist ein bisschen das Tablet des 18. Jahrhunderts.“

Der „Verband deutscher Archivarinnen und Archivaren“ richtet den deutschlandweiten „Tag des Archivs“ alle zwei Jahre aus. „Mobilität im Wandel“ lautet das Motto, zu dem an 300 Standorten eine Ausstellung vorbereitet wird. Mobilität wird dabei sowohl in einem engeren als auch in einem weiteren Sinne verstanden. Die Eisenbahn, die im 19. Jahrhundert einen Wandel angestoßen hat, gehört genauso dazu wie die „Migration“ und der soziale „Aufstieg oder Abstieg“. Besonders spannend in diesem Zusammenhang ist ein Vortrag, den Stefan Brüdermann um 15 Uhr halten wird, Thema: „Fahrrad und Verkehrsdisziplinierung. Anfänge der individuellen Massenmobilität in Nordwestdeutschland“. Brüdermann versucht, zu erklären, warum das Rad ab einem gewissen Zeitpunkt gegenüber dem Auto benachteiligt wurde. In Spanien, sagt der Leiter des Standorts Bückeburg, habe es die „eingebaute Vorfahrt für Autos“ noch vor einiger Zeit gegeben.

Interessant ist auch die Archivalien-Ausstellung, die vor allem auf den Bestand der Hof-Bibliothek zurückgreift. Zu sehen ist beispielsweise ein opulent gestaltetes Buch von Georg Forster („James Cook: 3. Entdeckungsreise in die Südsee“). Vom bemerkenswert gestalteten Frontispiz blicken einen erstaunlich realistische Eingeborenen-Gesichter an.

Früher rasten die Draisinen durch Bückeburg

Aber auch Heimatforscher werden viel Freude an der Ausstellung haben. Wer weiß schon, dass bereits 1821, also kurz nach ihrer Erfindung, Draisinen durch Bückeburg fuhren? Und offenbar nicht nur fuhren, sondern rasten. Wie sonst ließe sich das Verbot des Draisinen-Fahrens auf dem „breiten Stein“ (Bürgersteig) und im Jägergang erklären? „Da die Verordnung an den Rektor der Schule gerichtet war, waren es wohl die Schüler, die hier für Unruhe gesorgt haben“, meint Brüdermann schmunzelnd. Der Streit zwischen Fußgängern und Radfahrern ist offenbar tatsächlich so alt, wie das Rad selbst.

Eher erschreckend: ein Ausschnitt aus einem Zeitungsbericht von 1971. Damals hatte man eine „Schlossgarten-Tangente“ bauen wollen – ein Plan, der zum Glück scheiterte.

Der „Tag des Archivs“ beginnt um 11 Uhr und endet um 16 Uhr. Außer einer Archivalien-Ausstellung gibt es ein Ratespiel mit Buchpreisen, Archivführungen (11.15 Uhr/12.15 Uhr/13.15 Uhr/14.15 Uhr) und einen Vortrag von Brüdermann ab 15 Uhr. „Wir wollen an diesem Tag die Schwellenangst senken, die viele immer noch haben. Ich wünsche mir viele zufriedene Besucher, die als Nutzer zu uns zurückkommen“, sagt Brüdermann. Aus seiner Sicht habe das Landesarchiv sowohl die Aufgabe zu schützen, „aber auch zugänglich zu machen“.

Die besonders häufig nachgefragten Medien werden deshalb in kopierter Form ausgehändigt. „Wir sind für den Bürger da und freuen uns, wenn wir etwa bei der Erforschung der Familiengeschichte helfen können.“ mig

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