Bückeburg (bus). Der Film begleitet den deutschen Tropenarzt und Epidemiologe Dr. Siegwart-Horst Günther bei Untersuchungen im Kosovo, in Bosnien und im Irak und zeigt bislang wenig bekannte Langzeitfolgen, unter denen besonders die Kinder in den Kriegsgebieten zu leiden haben.
Wagners Erkenntnissen zufolge setzte die Nato ionisierende Munition bereits 1995 im Kosovo ein. Im Irak gelten heute weite Regionen um Bagdad und Basra als verseucht und prinzipiell unbewohnbar. Hilfsorganisationen verzeichnen bisher für die Region völlig untypische Krebsarten und multiple Krebsformen, die mit ungewöhnlich hohen Kinderkrebsraten einhergehen. In der Reportage heißt es, dass nach dem Ende des Krieges in der Umgebung von Basra kontaminierte Plätze entdeckt wurden, deren radioaktive Verseuchung die natürliche Erdstrahlung um das 20000-fache übertrifft.
Nach Darstellung von Wagner lässt sich die tatsächliche Reichweite von abgereichertem Uran nur schwer einschätzen. Fest stehe unterdessen, dass sich die Feinstpartikel oder Aerosole überall verteilen – in der Atemluft, im Trinkwasser, in der Nahrung. Und dass sie rund 4,5 Milliarden Jahre lang Krebs erzeugende Strahlung abgeben. Der in Petzen anwesende Filmemacher, der zuvor unter anderem mit ARD, ZDF, WDR und Arte zusammenarbeitete, hat trotz vieler positiven Reaktionen und Auszeichnungen seit der Ablieferung von „Der Arzt und die verstrahlten Kinder von Basra“ keinen Auftrag mehr bekommen.
„Du und Deine Themen gelten bei uns als schwierig, wurde mir von Kollegen bedeutet“, teilte Wagner dem Publikum im gut besuchten Hofcafé mit. „Ich kann einreichen, was ich will, alles wird abgelehnt.“ Worauf aus dem Auditorium die Vermutung nach einem Interesse geäußert wurde, „diese Vorgänge unter den Tisch zu kehren“. Ein Professor habe ihm (Wagner) zu verstehen gegeben: „Dieser Film wird wahrscheinlich schon deswegen nicht mehr gezeigt, weil er beweist, was Nano-Partikelchen anstellen können.“ Die heute in nahezu allen Lebensbereichen angewendeten Partikel wanderten in alle Zellen des Körpers, unterstrich der Gast. „Sie kennen keine Schranken und können von den sogenannten Fresszellen nicht erkannt werden.“ Wagner: „Das ist eine Technologie, die überhaupt nicht erforscht ist.“ Der Gesamtkomplex stelle „die unbequemste Wahrheit überhaupt“ dar, betonte der Filmemacher. Die Bedrohung sei weitaus schlimmer als etwa die durch die Klimakatastrophe. Wagner: „Bei der Klimakatastrophe kann man, wenn der politische Wille da ist und wenn die Politik die Industrie zwingt, eine Umkehr herbeiführen.“ Falls uns das Wasser bis zum Hals stehe, „würden wir das machen müssen“. Bei den von ihm thematisierten Vorgängen gebe es aber keine Umkehr. „Wir stehen sozusagen an unserem Abgrund.“
Katja Keul, Mitglied im Verteidigungsausschuss des Bundestages und stellvertretendes Mitglied in einem Unterausschuss des Auswärtigen Ausschusses, der sich mit diesem Thema befasst, erläuterte, dass ihre Partei unter anderem 2008 einen Antrag an die Bundesregierung eingebracht habe, sich international für die Ächtung und ein Verbot von Uran-Munition einzusetzen. Bei dem eigentlichen Problem und der damit verbundenen Brisanz zeige sich die Bundesregierung indes „ziemlich hilflos“.
Keul: „An der Stelle kommt man nicht weiter.“ Die Abgeordnete betonte: „Bisher konnten offensichtlich – ich weiß nicht, warum, aber Gott sei Dank – bei unseren Soldatinnen und Soldaten und deren Kindern solche Schäden noch nicht nachgewiesen werden.“ Die Bundeswehr besitze solche Munition nicht.
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