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Fränkische machen dicht

Standort wird verlegt Fränkische machen dicht

Der Schock steht den rund 30 Frauen und Männern ins Gesicht geschrieben, die sich kurz vor zwölf vor dem Tor der Fränkischen Rohrwerke an der Scheier Straße in Bückeburg zu einer spontanen Betriebsversammlung zusammengefunden haben. Der Standort Bückeburg wird geschlossen und verkauft.

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Spontane Betriebsversammlung vor dem Tor nach der Hiobsbotschaft drinnen. Der Betriebsratsvorsitzende Ralf Meier (Mitte) und Gewerkschaftssekretärin Sabrina Wirth informieren die geschockten Kollegen.

Quelle: rc

Bückeburg. Der Betriebsratsvorsitzende Ralf Meier kann nur mühsam die Tränen unterdrücken, als er seine Kollegen gemeinsam mit der Gewerkschaftssekretärin Sabrina Wirth von der IG Metall Nienburg-Stadthagen über das weitere Vorgehen informiert und rät: „Unterschreibt bloß nichts, ohne uns vorher zu fragen.“ Wenige Minuten zuvor sind sie in einer Mitarbeiterversammlung von der Geschäftsleitung darüber in Kenntnis gesetzt worden, dass Produktion und Logistik an den Stammsitz Königsberg in Bayern und den Standort Schwarzheide in Brandenburg verlegt werden.

Zum Jahresende soll Schluss sein

Trauriges Ende eines Tarifstreits: Der Standort Bückeburg wird geschlossen und verkauft. Von einer „Katastrophe“ für die Beschäftigten und die Region spricht Thorsten Gröger, Bevollmächtigter der IG-Metall-Geschäftsstelle Nienburg-Stadthagen. Es geht um Existenzen. Den 37 betroffenen Mitarbeitern sollen neue Stellen an anderen Standorten angeboten werden. Bereits zum 31. Dezember soll Schluss sein, habe es in der Versammlung geheißen, es könne aber auch Februar oder April 2017 werden. Fünf Vertriebsmitarbeiter sowie einige Außendienstler mit Arbeitsverträgen des Hauptsitzes Königsberg sollen in Bückeburg bleiben und in angemieteten Räumen untergebracht werden.

„Das ist eine absolute Frechheit“, sagt der Betriebsratsvorsitzende, der auch Mitglied der betrieblichen Tarifkommission ist. „Jetzt sind sie schon aus dem Tarifvertrag geflüchtet und wollen trotzdem den Standort zumachen.“ Es sei „beschämend“, dass der Geschäftsführende Gesellschafter Otto Kirchner nicht persönlich erschienen ist, um die schlechte Nachricht zu überbringen, und stattdessen Urlaub in den USA macht, betont Meier. „Dass er nicht die Eier hat, ist armselig und zum Kotzen“, ruft ein Mitarbeiter.

Produktion sei unrentabel

Als 2009 das Werk in Bückeburg für 2,5 Millionen Euro modernisiert worden ist, galt das als ein Bekenntnis zum Standort, das Arbeitsplätze in Fertigung, Logistik und Vertrieb sichert. Heute heißt es, der Standort Bückeburg könne nicht mehr profitabel betrieben werden. Die Produktion sei unrentabel, wie Geschäftsführer Aegidius Schuster die Schließungspläne in der Mitarbeiterversammlung begründet. Die Herstellkosten seien in Bückeburg deutlich höher als an den anderen Standorten. „Uns ist klar, dass dieser Plan für die Mitarbeiter vor Ort schmerzhaft ist“, so Schuster, „aber wir mussten so entscheiden, um insgesamt ein gesundes wachsendes Unternehmen zu bleiben.“

IG-Metall-Chef Gröger hat „große Zweifel“ an der Darstellung des Unternehmens. Wenn wirtschaftliche Probleme der Grund sein sollten, wäre es laut Gröger die Pflicht des Arbeitgebers gewesen, die Zahlen rechtzeitig offenzulegen. Die geforderten Daten seien seitens der Fränkischen Rohrwerke jedoch nie vorgelegt worden – bis heute. Vonseiten der Gewerkschaft sei in dem Tarifstreit wiederholt Gesprächsbereitschaft signalisiert worden.

Die Begründung sei vorgeschoben, vermutet auch der Betriebsrat. Es gebe kein Material, es sei nichts auf dem Hof, alles dauere. Bückeburg sei teurer, weil dort noch die Tarifbindung gilt, nachdem das Unternehmen aus dem Arbeitgeberverband ausgetreten war. In Königsberg gelte seit einiger Zeit eine abweichende Tarifbindung.

"Werden nicht kampflos aufgeben"

Wie es weitergeht und ob die Schließung doch noch abgewendet werden kann, ist fraglich. „Wir müssen uns jetzt erst einmal einen Überblick verschaffen, welche Möglichkeiten uns in zur Verfügung stehen“, sagt Gewerkschaftssekretärin Wirth „Sicher ist: Wir werden den Standort Bückeburg nicht kampflos aufgeben.“ Ebenso wie der Betriebsratsvorsitzende sieht sie noch einige Hebel, um die Unternehmensentscheidung rückgängig zu machen. Auf Grundlage der Zahlen, ist es nach Worten von Gröger „sicher möglich, ein wirtschaftliches Fortführungskonzept zu prüfen und vorzulegen“.

In den kommenden Wochen will das Unternehmen laut eigenen Angaben Interessenausgleichs- und Sozialplanverhandlungen mit den Betriebsräten führen. Im Anschluss werden die betroffenen Mitarbeiter eine Kündigung erhalten, gleichzeitig werde ihnen ein Arbeitsplatz in Königsberg oder Schwarzheide angeboten. rc, tbh

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