Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 9 ° Regen

Navigation:
Frau wendet, Motorradfahrer stürzt schwer

Bückeburg / Prozess Frau wendet, Motorradfahrer stürzt schwer

Billig ist eine Frau (58) aus Hagen davongekommen, die in Bückeburg durch ein haarsträubendes Wendemanöver den folgenschweren Sturz eines Motorradfahrers verschuldet hat. Nachschlag gab es jetzt vom Landgericht: 1170 Euro Geldstrafe, verhängt von der Berufungskammer, entsprechen in diesem Fall 90 Tagessätzen, drei Monatseinkommen also. Die Fahrerlaubnis wird für ein halbes Jahr entzogen.

Voriger Artikel
Mit Elektrokraft davonrauschen
Nächster Artikel
Windkraftanlage sorgt weiter für Wirbel

Bückeburg (ly). In erster Instanz hatte das Bückeburger Amtsgericht von einer Verurteilung wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs abgesehen und die Angeklagte lediglich wegen fahrlässiger Körperverletzung bestraft. Heraus kamen damals 35 Tagessätze. Diese Entscheidung hat die Kammer nun geändert. Berufung hatte die Staatsanwaltschaft eingelegt.

Richter Jens Rass nannte das Verhalten der Frau „grob verkehrswidrig und rücksichtlos“, eine Formulierung, die sich auch im Strafgesetzbuch unter Paragraf 315c findet. Dort stehen „die sieben Todsünden im Straßenverkehr“ (Rass), zum Beispiel Wenden auf Autobahnen oder Kraftfahrstraßen.

Fronleichnam 2010 kommt die 58-Jährige am frühen Abend von der „Landpartie“ auf Schloss Bückeburg. Sie will in Bad Eilsen auf die Autobahn, biegt am Hasengarten jedoch falsch in Richtung Minden ab. Kurz danach bemerkt die Autofahrerin ihren Fehler.

Unweit der Stelle, wo sich die Bundesstraße gabelt, wendet sie bei tief stehender Sonne mitten auf der Fahrbahn, nachdem ein Autofahrer das Gleiche getan hat. In dem Bereich ist die B 83 eine Kraftfahrstraße mit durchgezogener Linie.

Fast gleichzeitig biegt ein Motorradfahrer (25) aus Porta Westfalica mit seinem Leichtkraftrad, einer 125er Suzuki, von der Bundesstraße 65 rechts auf die B 83 ab. Er fährt in Gegenrichtung und möchte nach Steinbergen. Am Kurvenausgang sieht der Biker den Wagen – zu spät. Der junge Mann, zwischen 50 und 70 Stundenkilometern schnell, will rechts an dem Audi A4 vorbei.

„Bremsen hätte keinen Sinn gemacht“, wird er später sagen. „Dann wäre ich voll reingefahren.“ Auf dem Grünstreifen verliert der 25-Jährige die Kontrolle. Er prallt ausgerechnet gegen eine Steintreppe und bleibt mit lebensbedrohlichen Verletzungen unter der Brücke liegen. Vier Monate muss der Portaner im Krankenhaus verbringen, die Hälfte auf der Intensivstation, zeitweise im Koma. Mehrere Organe haben den Dienst versagt, hinzu kommen weitere schwere Verletzungen.

Noch immer laboriert der junge Mann daran. Bis heute hält die Frau Kontakt zu ihm und den Eltern. Dieses Verhalten wertet das Gericht zu ihren Gunsten. In der eigentlichen Tat sieht die Berufungskammer jedoch im Gegensatz zum Amtsgericht kein Augenblicksversagen. „Die Angeklagte“, so Richter Rass, „wollte einfach schneller an den gewünschten Ort kommen.“

Dass die 58-Jährige sich sonst immer an die Verkehrsregeln hält, bezweifelt Rechtsanwalt Stephan Maiß, der das Opfer vertritt: Am selben Tag, auf dem Hinweg nach Bückeburg, ist die 58-Jährige geblitzt worden. Sie war auf der Autobahn 34 Stundenkilometer zu schnell.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Online suchen, Angebot finden, einkaufen gehen: Das steckt in Kurzform hinter „Kauf hier – lokal & digital“. Eine Auswahl aktueller und preislich besonders attraktiver Produkte finden Interessierte stets auf unserer Homepage... mehr

Schaumburg