Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -3 ° Regenschauer

Navigation:
Frisches Konzept lockt neue Gesichter

"Blickwechsel" Frisches Konzept lockt neue Gesichter

„Blickwechsel – Der etwas andere Gottesdienst“ hat die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Bückeburg ihr neues Gottesdienst-Konzept genannt, mit dem sie am Sonntag Premiere gefeiert hat.

Voriger Artikel
Große Spielfreude
Nächster Artikel
Nur Mut

Trommeln statt Kirchenorgel: Auf seinen Congas trommelte Achim von Blumröder die musikalische Begleitung zu dem von den Gottesdienstbesuchern gemeinsam gesungenen Lied „Kumbaya My Lord“.

Quelle: wk

Bückeburg. Mit dieser ergänzend zu den konventionellen Kirchenfeiern ausgerichteten Form des Gottesdienstes wolle man jene Menschen erreichen, „von denen sich die Kirche entfernt hat“, die traditionelle Gemeindeangebote nicht ansprechend finden und die „den Mut haben, sich neu mit dem christlichen Glauben auseinanderzusetzen“.

Ferner „Menschen, die mitten im Leben stehen“ und „Menschen, die einfach neugierig sind“. Angekündigt worden war außerdem, dass sich die Themen dieser Gottesdienste „stark an den aktuellen Fragen unserer Zeit und an den Lebenssituationen unserer Besucher“ orientieren würden.

So jedenfalls war es den Flyern zu entnehmen, mit denen die Landeskirche für diese neue Veranstaltungsreihe geworben hatte und von denen allen 35 bis 55 Jahre alten Gemeindemitgliedern im Vorfeld jeweils ein Exemplar per Post zugeschickt worden war.

Eine für landeskirchliche Verhältnisse – so Landesbischof Karl-Hinrich Manzke – sicherlich ungewöhnliche Marketingmaßnahme, die aber zumindest hinsichtlich der ersten Ausgabe der „Blickwechsel-Gottesdienste“ durchaus gefruchtet hatte. Die Kirche war an diesem Abend gut besucht, das Publikum altersmäßig gut gemischt.

Und was den Ablauf des von rund einem Dutzend Gemeindemitgliedern mitgestalteten Gottesdienstes betrifft, wurde den Besuchern in der Tat ein Gottesdienst geboten, der anders war, als man es von den üblichen Kirchenfeiern und deren eher steifer Liturgie her kennt. Modern, frisch und locker, aber dennoch mit dem nötigen Ernst und inhaltlicher Tiefe ging es zu.

So stand etwa statt Orgelmusik und anno dazumal geschriebenen Liedern aus dem Gesangbuch „neues christliches Liedgut“ auf dem Programm, das von der Bückeburger Band „Grenzgänger“ alias Thekla Blank (Klavier, Gitarre, Flöte), Michael Heinzel (Gitarre) und Achim von Blumröder (Conga) instrumental begleitet wurde.

Zudem wurde das für diesen Abend ausgewählte Thema „Wohin will ich gestern? Alles hat keine Zeit“ mittels eines kleinen Theaterspiels und einer kurzen Lesung einiger Gemeindemitglieder mit Leben gefüllt. Anstelle einer pastoralen Frontal-Predigt bekamen die Besucher eine Art Zwiegespräch zwischen dem Landesbischof und Pastor Jan-Uwe Zapke zu hören, in dem die beiden Theologen Denkanstöße hinsichtlich der Entschleunigung der Zeit respektive einer Reduktion der eigenen, oftmals überhöhten Ansprüche gaben, um letztlich fern des Materiellen eine höhere Lebensqualität zu erreichen.

So erzählte Manzke etwa eine von dem Schriftsteller Heinrich Böll entliehene Geschichte, in der ein zur Mittagszeit in einem Hafen vor sich hin dösender Fischer von einem Touristen gefragt wird, warum er denn die Zeit nicht besser nutze, um nach dem morgendlichen Fischzug noch einmal auf Meer hinaus zu fahren. Weshalb er dies denn tun solle, entgegnete daraufhin der Fischer. Weil er dann doch noch einen zusätzlichen Fang einholen könne, um seinen wirtschaftlichen Ertrag zu mehren.

Und wenn er dies jeden Tag so machen würde, könne er irgendwann Mitarbeiter einstellen und sich eine kleine Flotte Fischerboote zulegen, die ihm richtig viel Geld einbringt. „Und was soll ich mit dem ganzen Geld machen?“, fragte der Fischer. Na ja, er bräuchte dann nicht mehr selbst arbeiten und könnte sich zum Beispiel hier im Hafen mittags auf eine Bank setzen und ganz entspannt aufs Meer hinaus schauen, sagte der Tourist.

Apropos: Entspannt ging es auch nach Ende des Gottesdienstes in der Stadtkirche zu. Die Kirchengemeinde hatte die Besucher nämlich noch zu einem Gläschen Wein oder Saft eingeladen, wofür rund ums Taufbecken der Stadtkirche extra ein paar Stehtische aufgestellt worden waren – ein Angebot, das Julia Schweizer, die als Moderatorin durch die Veranstaltung geführt hatte, mit den Worten „Bitte unterstützen Sie mich, dass ich nicht zu optimistisch bei der Bestellung der Getränke und des Laugengebäcks war“, charmant unterstrichen hatte, und das vielleicht auch deshalb von vielen Kirchgängern angenommen wurde.

Mit der Resonanz auf die erste Veranstaltung dieser neuen Gottesdienstreihe sei er „super zufrieden“, bilanzierte Manzke. „Es sind auch viele Menschen gekommen, die ich hier in der Kirche bislang noch nicht gesehen habe.“ An dieser Form des Gottesdienstes werde man allein schon deshalb auf jeden Fall weiterarbeiten.

Unabhängig davon sind für dieses Jahr bereits noch neun weitere „Blickwechsel“-Gottesdienste fest eingeplant, und zwar pro Monat jeweils einer. Der nächste Termin ist Sonntag, 15. März, ab 18 Uhr. Das Thema: „Was bin ich mir wert? Die Kunst, auf sich selbst zu achten“. wk

 Trommeln statt Kirchenorgel: Auf seinen Congas trommelte Achim von Blumröder die musikalische Begleitung zu dem von den Gottesdienstbesuchern gemeinsam gesungenen Lied „Kumbaya My Lord“. wk

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg