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Frizz Feick in der "Alten Schlossküche"

Was gilt der Prophet im eigenen Land? Frizz Feick in der "Alten Schlossküche"

Zu laut für Bückeburg? Ein bisschen mehr Publikum hätte man Frizz Feick bei seinem Konzert in der „Alten Schlossküche“ schon gewünscht.
50 Zuhörer – das ist für einen Liedermacher dieser Qualität eigentlich zu wenig und für die ehemalige Residenz eher ein Armutszeugnis.

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Hörenswert: Frizz Feick in der Alten Schlossküche.

Quelle: mig

Bückeburg. Manchmal stimmt es scheinbar doch, was über den Propheten im eigenen Land gesagt wird: dass er hier gar nichts oder besser zu wenig gilt. Denn während das neue – das vierte – Album von Frizz Feick in anderen Teilen Deutschlands gut aufgenommen wird, bleibt das Bückeburger Publikum erstaunlich zurückhaltend. So auch am Freitagabend, als in der schön eingerichteten „Alten Schlossküche“ eines der eher seltenen Konzerte Feicks stattfand.

Doch genug der „Publikums- Beschimpfung“, genug der Lobhudelei – die hat Feick nun wirklich nicht nötig. Im Gegenteil: Das neue Abum spricht für sich und ist das vielleicht reifste Werk des „Berufsmelancholikers“, der seine Wurzeln im Schaumburger Land hat. Das beginnt schon mit dem elegischen „Woanders und hier“, das Feick am Ende des ersten Teils singt und das – trotz des zur Schau gestellten Wortwitzes – direkt aus dem Herzen geschrieben zu sein scheint. „Komm nur schnell her – und dann bleib“, raunt Feick mit seiner leicht rauchigen Stimme. Einmal mehr gelingt es ihm hier, gängigen Klischees aus dem Weg zu gehen und völlig kitschfrei über die Liebe zu singen. Was an sich schon ein Meisterstück ist. Wo andere kiloweise Schmalz verstreichen, bleibt Feick ganz klar: „Was in aller Welt treibt dich nach woanders? Warum in aller Welt bin ich dann noch hier?“, heißt es in einer Liedzeile. Das ist einfach genial und genial einfach. Wortwitz, eine tolle Melodie und große Gefühle – all das geht bei Feick problemlos zusammen.

Überhaupt sind es außer den spannenden Harmonien vor allem die fein abgewogenen Texte, die die neue Scheibe (Titel: Woanders und hier“) auszeichnen. Feick ist ein guter Beobachter, leise und ein bisschen ironisch, dabei immer humorvoll und mit einem Augenzwinkern. Fast alle Texte handeln von den großen Gefühlen, vom Lieben und vom Leben, von der Stadt und von Frauen. All das ist „liebensgefährlich“ – so nennt Feick den ersten Titel. Liebe und Leben all das ist lebens – gefährlich, klar, aber auch lohnend. Feicks Teppich aus Worten sorgt so für ein Kopfkino, das sich parallel zur musikalischen Ebene entfaltet.

Auf welche Weise diese Texte entstehen, erklärt Feick in einem Interview: „Hinsetzen und über etwas schreiben geht gar nicht. Ich habe ständig ein Notizbuch dabei und notiere Dinge, die mir auffallen. Ich bin viel draußen unterwegs, beobachte und höre sehr gerne zu. Wenn ich in einem Café sitze, habe ich immer ein Ohr woanders. Sobald mir etwas auffällt, schreibe ich es in dieses Notizbuch. Irgendwann mache ich dann was daraus.“

Vier Alben hat Feick bisher eingespielt, und sämtliche Alben sind an diesem Abend mit Stücken vertreten. Da wäre beispielsweise „Unter dem Regenbogen“ von „Panama“, das Feick ironisch „als Lied über die Heimat“ ankündigt und sogar den „Entstehungsprozess“ beschreibt: „Ich kam gerad von Hamburg und sah einen Regenbogen. Da bin ich rechts rangefahren und habe dieses Stück geschrieben. Die Lkw-Fahrer haben mich verflucht.“ Immerhin ergab sich so folgende eingängige Liedzeile: „Vorbei mit bonjour, tu me manquais trop, du fehltest mir so, mon amour, auf den Champs-Élysées, hatte ich Heimweh, ich bin nach Haus geflogen und knutsch jetzt mit dir unter dem Regenbogen.“ Zu kitschig? Ach woher denn!

Kurzum: Frizz Feick ist und bleibt ein genialer Wortschmied, der die Dinge genau auf den Punkt bringen kann. „Schenk mir doch ein Lächeln, denn es wird Zeit, dich endlich wieder lächeln zu sehn“, singt er in der „Alten Schlossküche“ und sofort purzeln einem die dazu passenden Bilder durch den Kopf. Feick, ein Beobachter, nein, ein Ethnograf des Alltags, schlüsselt uns so manches auf, das sonst verschlossen bliebe.

Das ist nicht immer leicht verdaulich, manchmal sperrig, aber immer von großer poetischer Kraft. mig

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