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Bückeburg Stadt Frühe Sperrstunde dämpft das Kirmesvergnügen
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Frühe Sperrstunde dämpft das Kirmesvergnügen
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20:56 28.10.2018
Einen Autoskooter gab es beim Herbstmarkt in Bückeburg nicht. Dafür viele andere Fahrgeschäfte. Quelle: jp
Bückeburg

Der Bückeburger Herbstmarkt ist einmal mehr seinem Ruf gerecht geworden, für seine Besucher zwar ein fröhliches, ausgelassenes und unterhaltsames Kirmesvergnügen zu bieten, für die Schausteller und Betreiber jedoch vor allem abends ein schwieriges Pflaster zu sein.

Denn wie schon in den Vorjahren zu beobachten, kam der Markt an den ersten beiden Tagen nur recht schwerfällig in Gang und nahm erst gestern wirklich Fahrt auf, als sich zu Karussells und Fahrgeschäften noch der verkaufsoffene Sonntag hinzugesellte.

Frühe Sperrzeit schreckt das Publikum ab

„Eigentlich ist hier nur am Sonntag wirklich etwas los, wenn die ganzen Auswärtigen kommen“, so die Meinung von Rudolf und Veronika Osthold, die wie immer mit ihrem Stand mit überbackenem Blumenkohl im Bereich der Fußgängerzone zu finden waren.

Größtes Hindernis speziell für das Bückeburger Herbstmarktpflaster sind und bleiben dabei offenkundig die ungünstigen abendlichen Marktzeiten. Während in anderen Städten nämlich freitags und samstags bis mindestens 23 Uhr, an einigen Orten auch bis 24 Uhr „gerummelt“ werden darf, ist in Bückeburg bereits um 22 Uhr Schluss. Die Folge: Jugendliche und junge Erwachsene, für die heutzutage der wochenendliche Zeitvertreib überhaupt erst zu dieser Uhrzeit beginnt, besuchen den Bückeburger Herbstmarkt erst gar nicht.

Damit fehlt häufig das Publikum für die ganz großen, attraktiven Fahrgeschäfte. Das merkt auch Patrick Hanf, Betreiber des Kinderkarussells vor dem Eiscafé „Adria“ und Enkel des langjährigen Schaustellersprechers Josef Weber, seit Jahren immer wieder kritisch an.

Große und spektakuläre Karussells kämen wegen der ungünstigen Marktzeiten und der daher fehlenden Besucher häufig nur einmal nach Bückeburg – und danach nie wieder, erklärt Hanf das Dilemma. Was sich dann wiederum negativ auf die Attraktivität des Marktes insgesamt auswirke. Gut zu beobachten ist das auf dem Vorzeigeplatz vor der Volksbank, wo der „Beach Jumper“ im Oktober 2016 ebenso seine Schwierigkeiten hatte wie ein Jahr später das Action-Karussell „Heroes“ vom Typ Orbiter.

Junge Besucher sind enttäuscht

In diesem Jahr dreht sich dort der „Polyp“, wahrhaft kein spektakulärer Neuzugang, sondern vielmehr ein Klassiker unter den Fahrgeschäften. Bereits 1962 wurde der erste Typ dieses Rundfahrgeschäfts mit den rotierenden Krakenarmen gebaut und ist seitdem auf einer enormen Zahl von Märkten und Volksfesten zu finden.

Das jugendliche Publikum scheint er jedoch nicht vom Hocker zu reißen. „Die Karussells sind in diesem Jahr echt langsam“, bedauerte die 14-jährige Caro, als sie im Freundeskreis über den Herbstmarkt schlenderte. Noch schmerzhafter für die jungen Marktbesucher: Aufgrund der Baustelle in der Bahnhofstraße fehlte in diesem Jahr mit dem Autoscooter einer der besonders zugkräftigen Pubikumsmagnete für nahezu alle Altersgruppen.

Aber auch andere Fahrgeschäfte wie der „Shaker“ vor der Stadtverwaltung oder der „Super Mini Jet“ vor der Hofapotheke fanden nur tagsüber wirklich starken Zulauf, in den Abendstunden dagegen nicht. Rudolf und Veronika Osthold sparen jedoch auch nicht mit Kritik an den eigenen Kollegen: Viele von denen warteten abends oftmals gar nicht erst bis 22 Uhr, sondern machten an ihren Buden und Ständen bereits wesentlich früher Schluss. „Und dann ist hier schon lange vor 22 Uhr alles dunkel und ausgestorben.“

von Johannes Pietsch