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21:44 04.02.2015
Flötist Wilbert Hazelzet nimmt in der Petzer Kirche den Applaus des Publikums entgegen. Quelle: mig
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Wer ein Cembalo zum ersten Mal hört (und sieht), wird es so schnell nicht wieder vergessen. Es verfügt über einen ganz eigenen, besonderen Klang, ein bisschen fremdartig und altertümlich. Schon die ersten Töne lassen so eine besondere Atmosphäre entstehen. Das perlende Spiel wirkt fast meditativ, es zieht einen förmlich in das Werk hinein.

 Ähnliches gilt für die Traversflöte beziehungsweise die Quantz-Flöte, die Hazelzet mitgebracht hat. Deren Klang ist vor allem in tiefen und mittleren Lagen voll und rund, eine hinzugefügte Klappe sorgte für mehr Möglichkeiten an Chromatik und Eleganz. Um dieses Instrument (gut) spielen zu können, braucht ein Flötist vor allem eines: einen sicheren Ansatz. Nur so werden die Töne sicher angesprochen. Die Böhm-Flöte ist da schon einfacher zu bedienen.

 Johann Joachim Quantz war übrigens ein Komponist und Flötenlehrer von Friedrich dem Großen. Ab 1739 begann der Virtuose, selbst Flöten „zu bohren und abzustimmen“. Unter anderem ersann er den sogenannten Stimmzug und zusätzliche Klappen (für dis und es). Wie sich Quantz den Klang einer Flöte vorstellte, das hat er in seinen Lehrbüchern beschrieben: „Hell, schneidend, dick, rund, männlich, doch dabei angenehm.“ Eine (Alt-) Stimmung, die heute immer seltener zu hören ist. Gut also, dass es Musiker gibt, die sich dem scheinbar Überkommenen widmen – Hazelzet etwa, der in seinem Spiel eine große Souveränität, einen stabilen Ansatz und einen perfekten, tragenden Ton vereint.

 Das gilt vor allem für Johann Sebastian Bachs wohl bedeutendste Flötensonate in h-Moll, die im galanten Stil gehalten ist. Hazelzets Spiel ist virtuos. Es erlaubt ihm, selbst kürzeste Notenwerte präzise und dennoch sensibel anzublasen. Auf diese Weise entsteht ein federleichtes und transparentes, graziles und klangschönes Spiel. Hazelzets Darbietung zeigt erneut, auf welch hohem Niveau der Flötist unterwegs ist.

 Richtig glänzen kann Hazelzet im letzten Satz der h-Moll-Sonate, ein „Kaleidoskop an Formen“, wie der Flötist selbst es nennt. Dabei gelingt ihm eine Beweglichkeit, die den Innenrhythmus des Werks lebendig macht. Hazelzet, aber auch Belder loten das vor ihnen liegende Werk nicht nur aus, sondern sie verwandeln es. Sie geben dem Werk eine eigene Note.

 Eine eigene Sichtweise haben die beiden auch bei Bachs Sonate 3 in E-Dur (Adagio ma non tanto, Allegro, Siciliano, Allegro assai) und der Suite 2 a-Moll aus den „Englischen Suiten“). Hazelzet und Belder spielen einander die Bälle zu, ergänzen einander aufs Beste. Ein perfekt abgestimmter Cembalolauf perlt dahin und wird von dahingetupften Flötentönen akzentuiert. mig

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