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Für totalen Pfusch 900 Euro verlangt

Bückeburg / Prozess Für totalen Pfusch 900 Euro verlangt

Mit dem „Dachdecker-Trick“ haben zwei Männer aus Porta Westfalica eine Bückeburgerin (78) um 500 Euro erleichtert. Vor dem Amtsgericht bekam die ältere Dame ihr Geld jetzt vom Vater der Brüder zurück. In erster Linie wegen dieser raschen Wiedergutmachung hat Richter Armin Böhm das Verfahren vorläufig eingestellt. Jeder Angeklagte muss 100 Euro Geldbuße an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen.

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Bückeburg (ly). Für den Prozess hat die Seniorin ihre Notizen, die sie sich nach der Tat gemacht hatte, noch einmal zusammengefasst. Den Aufzeichnungen zufolge steht am Vormittag des 19. Januar einer der mutmaßlichen Trickbetrüger vor der Tür und erklärt sinngemäß: „Das Dach hat ein Loch. Außerdem können Ziegel runterfallen und Menschen treffen.“

Die 78-Jährige bekommt Angst. Sie willigt in eine 900 Euro teure Reparatur ein, die gleich ausgeführt wird. Angeblich wollen die Handwerker Dachziegel erneuern und den Schornstein mit Blei ummanteln. Im Haus hat die ältere Dame nur 500 Euro, eine Anzahlung. Der Rest soll abgeholt werden, sobald die monatliche Rente da ist.
Bald zeigt sich, dass die versprochenen Arbeiten überhaupt nicht ausgeführt worden sind. Dafür ist der Schornstein schwarz angestrichen. Die Seniorin bittet ihren Sohn um Hilfe, einen Kriminalhauptkommissar aus einer anderen Stadt. Der rät ihr, zur Bückeburger Polizei zu gehen. Als einer der Portaner dann zum zweiten Mal auf der Matte steht, scharf auf die 400 Euro, nimmt ihn ein Beamter in Empfang.

Später verfasst die Bückeburger Staatsanwaltschaft eine Anklage, in der die Behörde ein „auffälliges Missverhältnis“ zwischen Leistung und Entlohnung feststellt. Böse Zungen sprechen in solchen Fällen von Wucher. Ein Bückeburger Dachdeckermeister, vom Gericht als sachverständiger Zeuge geladen, geht davon aus, dass die Arbeit einen Wert von maximal 200 Euro hat, wahrscheinlich deutlich weniger. Hinzu kommt eine unsachgemäße Ausführung. „Für die Dachsanierung hat das nichts gebracht“, sagt der Zeuge vor Gericht aus.

Vor Gericht beteuern die Angeklagten, zum zweiten Mal nach Bückeburg gefahren zu sein, um die Arbeiten zu beenden und danach den Rest des Geldes zu kassieren – wie vereinbart. „Alles ein bisschen dumm gelaufen“, räumt der ältere Bruder (35) ein. „Vielleicht sind auch Missverständnisse aufgetreten.“ Jedenfalls hätten Blei und Mörtel im Kofferraum ihres Autos gelegen.

Dass die Portaner niemals vorhatten, den Job zu Ende zu bringen, hätte sich im Prozess schwer beweisen lassen. Das Gericht geht von geringer Schuld aus. Mehrere Ermittlungsverfahren ähnlicher Art waren bereits im Vorfeld mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt worden. Einschlägig vorbestraft ist kein Angeklagter.
Im Internet wird vor verschiedenen Dachdecker-Tricks gewarnt. Unglaublich dreist ist eine Masche, bei der Betrüger die Adressen ihrer Opfer an andere „Dach-Haie“ weitergeben. Letztere bieten dann eine Nachbesserung an. Zum zweiten Mal steigt dem gutgläubigen Hausbesitzer daraufhin ein Pfuscher aufs Dach, um anschließend wieder Wucherpreise zu verlangen.

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