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Gedenktafel wird weiter kritisch gesehen

Bückeburg Gedenktafel wird weiter kritisch gesehen

Ende Oktober 2017 ist in Stadthagen die ehemalige Synagoge als Gedenk- und Lernort eingeweiht worden. Zu dieser Veranstaltung reiste auch der Präsident der Rautenberg-Stiftung, Tom Corby, aus Los Angeles an. Nur wenig später berichtete diese Zeitung, dass die Zeugen Jehovas in Bückeburg das Gebäude der alten Bückeburger Synagoge an einen Immobilien- und Projektentwickler verkauft haben.

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1997: Einweihung der Gedenktafel an der ehemaligen Synagoge.

Bückeburg. Da der Autor dieser Zeilen 1997 als Projektleiter der damaligen Geschichtswerkstatt der Herderschule die Initiative für eine Gedenktafel an der ehemaligen Synagoge ergriffen hatte, kocht dieses Thema natürlich auch im Abstand von 20 Jahren emotional noch einmal hoch.

 

 Verkürzter Text verärgert Erwin Rautenberg

 Nach einem gescheiterten Versuch der Stadt Bückeburg, eine Gedenktafel im Jahr 1988, dem 50. Jahrestag des Judenpogroms, an der alten Synagoge anzubringen, gelang es schließlich doch noch, die Zeugen Jehovas für eine Tafel, allerdings mit verkürztem Text, zu gewinnen. Dieser lautet: „Dieses Gebäude diente von seiner Erbauung 1866 bis zum 9.11.1938 als Synagoge.“ Der ursprünglich von der Schülergruppe eingereichte Text war von der Glaubensgemeinschaft abgelehnt worden. Dieser lautete: „Dieses Gebäude wurde 1866 als Synagoge erbaut. Mit dem 9.11.1938 erlosch das Leben der jüdischen Gemeinde Bückeburg. Das Schicksal der jüdischen Mitbürger mahne unser Gewissen an die Wahrung von Menschlichkeit und Recht.“

 Erwin Rautenberg, der letzte ehemalige jüdische Mitbürger der Stadt Bückeburg, der den Holocaust überlebt hatte, reiste damals zum Festakt von Los Angeles nach Bückeburg an. In einem Brief an den damaligen Bückeburger Bürgermeister Helmut Preul berichtete Rautenberg danach in bewegenden Worten seine Eindrücke dieses Besuches. Nach der Schilderung des Schicksals seiner Familie, von der nur er überlebt hatte, ging er sehr deutlich auf die Gedenktafel ein. Zitat: „Der Text der Gedenktafel ist eine verkappte und scheußliche Beleidigung der Ermordeten. Die Tafel muss durch eine neue Tafel ersetzt werden. Ich habe gehört, dass Sie erst einen besseren Text wollten, der aber von den Zeugen abgelehnt wurde. Solch eine Tafel soll der Menschen und ihrer Leiden gedenken. Bitte veranlassen Sie das. Ihr Erwin Rautenberg.“ Der so eindringliche und aus Rautenbergs Sicht auch nachvollziehbare Appell an die Verantwortlichen der Stadt blieb jedoch ohne Erfolg.

 Inzwischen hatte sich eine neue jüdische Gemeinde in Schaumburg konstituiert, die sich aus Mitgliedern aus der Ex-Sowjetunion zusammensetzte. Für diese kleine Gemeinde stand es zu keinem Zeitpunkt zur Debatte, die ehemalige Synagoge für ihre Gottesdienste zu nutzen. Sie hielten stattdessen ihre Gottesdienste im Betsaal an der Langen Straße ab.

 Heute gibt es eine sehr aktive jüdische Gemeinde in Bad Nenndorf unter Leitung von Marina Jalowaja. Die kleine Bückeburger Gemeinde ist inzwischen aufgelöst. Sie hat sich der Bad Nenndorfer Gemeinde angeschlossen. Das Anliegen von Rautenberg, der 2011 starb, konnte nie realisiert werden. Dennoch erinnern die Bückeburger in unterschiedlichen Veranstaltungen an die Geschehnisse der Nazizeit, doch in der Regel fehlen in Bückeburg jüdische Menschen bei den Gedenkfeiern wie zum 9. November oder dem 27. Januar, dem Auschwitz-Gedenktag.

 

 Charakter des Hauses sollwiederhergestellt werden

 Jetzt bietet sich die Chance, jüdisches Leben in Bückeburg wieder aufleben zu lassen. Der Käufer der alten Synagoge, Dennis Roloff, will nach eigenen Angaben den Charakter des geschichtsträchtigen Hauses wiederherzustellen. Eingeplant ist auch der ehemalige jüdische Gebetssaal als Seminar- und Schulungsraum. Es wäre jetzt vielleicht auch denkbar, die von Rautenberg kritisierte Gedenktafel am Gebäude gegen eine kritische und aussagekräftigere Tafel auszutauschen. Der 1997 von der Geschichtswerkstatt vorgeschlagene Text könnte dabei hilfreich sein.

 Es ist schon bemerkenswert, dass innerhalb einer Woche zwei ehemalige Synagogen in Schaumburg in den Blickpunkt der Öffentlichkeit geraten. Der Synagogen-Förderverein in Stadthagen hat langen Atem bewiesen, um aus einer leer stehenden und nicht mehr existierenden Synagoge einen Gedenk- und Lernort für den gesamten Landkreis zu entwickeln. Rautenberg-Stiftungs-Präsident Corby hat das Projekt mit einer hohen Summe unterstützt. Es bleibt zu hoffen, dass die Planungen für die alte Synagoge in Bückeburg auch das jüdische Leben neu beleben.

Von Klaus Maiwald

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