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Geheimes Rezeptfür die Koch-Olympiade

Bundeswehr tischt auf Geheimes Rezeptfür die Koch-Olympiade

Wenn in der Jägerkaserne eine weiße Fahne mit aufgedruckter Kochmütze den deutschen Nationalfarben an einem der Fahnenmasten weht, dann bedeutet dies, dass wieder eine besondere „Truppe“ vor Ort ist – und zwar die Koch-Nationalmannschaft der Bundeswehr.

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Der der Koch-Nationalmannschaft der Bundeswehr angehörende Soldat David Clausnitzer zeigt die auf ungewöhnliche Art zubereiteten „Rindsrouladen mit Kartoffeln, Rot- und Rosenkohl“.

Quelle: wk

Bückeburg. Eine vor mehr als 20 Jahren gegründete „Spezialeinheit“, die bei der Kochweltmeisterschaft in Luxemburg 2010 für ihre kulinarischen Leistungen in der Kategorie „Gemeinschaftsverpflegung“ (Thema: Karibik) von einer Fachjury zum Weltmeister-Team gekürt worden ist und die sich jetzt auf die 2016 in Erfurt anstehende Internationale Kochkunst-Ausstellung vorbereitet, in der Hoffnung, dort ebenfalls ganz vorne zu landen: mit einem hochkarätigen Drei-Gänge-Menü für 150 Personen, zu dem unter anderem drei Hauptgerichte gekocht werden, sowie mit einer kunstvoll arrangierten „Kaltausstellung“ mit Vorspeisen, Hauptgang, Salaten und Desserts.

Wer indes meint, durch die von Kapitänleutnant Fred Kaspar Nett gemanagte und von Küchenmeister respektive Stabsunteroffizier Thomas Kucharsky in der Praxis geleitete Koch-Nationalmannschaft werde die Truppenversorgung in Sachen Kantinenessen auf ein neues Level gehoben, der liegt fehl. Denn die aktuell rund ein Dutzend in diesem Team mitmischenden Bundeswehrköche (darunter ein ziviler Mitarbeiter) haben in Bückeburg lediglich ihr „Trainingslager“ eingerichtet.

Dort kommen sie jeden Monat für ein, zwei Wochen zusammen, um – vergleichbar den Leistungssportlern der Bundeswehr – ihr Können weiterzuentwickeln und sich der Entwicklung ausgefallener Speisen zu widmen, von denen übrigens die bei den Kaltausstellungen der Wettbewerbe präsentierten Kulinaria nicht zum Essen, sondern nur zum Anschauen gedacht sind.

Ein schönes Beispiel hierfür sind die „Rindsrouladen mit Kartoffeln, Rot- und Rosenkohl“, die die Koch-Nationalmannschaft gerade auf eine völlig andere Art zubereitet hat, wobei freilich alle auch sonst üblichen Zutaten verwendet worden sind. In optischer Hinsicht hat das Ergebnis indes nichts mit der Anmutung des klassischen Gerichtes gemein. So haben Kucharsky & Co. eine eher sushi-ähnliche Roulade gedreht, deren einzelne Bestandteile klar zu erkennen sind.

In der Mitte befindet sich eine Senffüllung, die von einer hellen Zwiebelfarce umgeben ist. Darum wiederum sind in jeweils einer dünnen Schicht Gewürzgurken, Spinat und das Rindfleisch gewickelt. Die Kartoffeln haben die Kochprofis dagegen zu krossen Chips verarbeitet und das Kohlgemüse zu schaumzucker-artigen violetten (Rotkohl) und grünen (Rosenkohl) „Marshmallows“, während sie den ebenfalls dazugehörigen Schinkenspeck gefriergetrocknet und zu feinem Pulver gemahlen haben. Garniert ist das Spezialgericht schließlich mit auf den Teller getropfter „Schwarzbier-Schokoladensauce“.

Dass Kucharsky kein Geheimnis um diese ungewöhnliche Kreation macht liegt daran, dass er dieses Rindsrouladen-Gericht – so interessant es auch aussieht – schon wieder verworfen hat, da es bei der Internationalen Kochkunst-Ausstellung, der „Olympiade der Köche“, bei der auch wieder viele zivile Koch-Mannschaften aus aller Welt antreten, seiner Einschätzung nach nicht konkurrenzfähig ist. Vielmehr haben der Küchenmeister und sein Team bereits ein besseres Projekt in Arbeit. Was wird nicht verraten, damit ihnen diese Idee nicht möglicherweise von Mitbewerbern geklaut wird.

Ihren personellen Nachwuchs rekrutiert die Koch-Nationalmannschaft, die ebenso wie die Leistungssportler und die öffentlich auftretende Big Band der Bundeswehr letztlich der Imageförderung der deutschen Streitkräfte dienen soll, laut Nett übrigens mittels eines bundesweiten Kochwettbewerbes: der „Culinaria Military Challenge“. Bewerben können sich gelernte Köche, die bei diesem mehrtägigen Auswahlverfahren jene Gerichte nachkochen müssen, mit denen sie seinerzeit bei ihrer Gesellenprüfung Erfolg gehabt haben.

Überdies müssen sie spontan ein schmackhaftes Drei-Gänge-Menü für sechs Personen aus Zutaten zubereiten, die sie in einem von den Prüfern zusammengestellten, bunt gemixten Warenkorb („Die sollen ja kreativ sein“) vorfinden, und hierzu einen Menü-, einen Warenanforderungs- und einen Arbeitsablaufplan schreiben.

Unter die Lupe genommen werden zudem das Fachwissen der Teilnehmer und nicht zuletzt deren Persönlichkeit (Suchkriterium: Teamplayer). Denn: „Wenn man bei den Wettbewerben kein gutes Team hat, dann kann man das Ganze schon vergessen“, betont Kucharsky. Nicht ohne noch darauf hinzuweisen, dass man als Team bestehen müsse, wie etwa beim Catering bei Großveranstaltungen wie dem „Ball des Deutschen Heeres“ in Berlin, bei dem man 2014 rund 1600 Gäste mit einem Sechs-Gänge-Menü verköstigt hat.

Solche Einsätze stünden nämlich ebenfalls regelmäßig auf dem Dienstplan der Koch-Nationalmannschaft der Bundeswehr, die im Laufe der Jahre neben dem bereits erwähnten Weltmeistertitel auch noch etliche weitere Preise – sprich: Gold-, Silber- und Bronzemedaillen – bei internationalen Wettbewerben gewonnen hat. wk

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