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Geldflüsse austrocknen

Bückeburg / Vortrag Geldflüsse austrocknen

Kriege, wo man hinschaut. Im Irak, in Syrien, in der Ukraine. Eine Bundesregierung, die Waffen an Kurden abgeben will. Die Grenzen werden verschoben.

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Wie sollte der Einsatz für den Frieden aussehen? Christine Schweitzer und Mirjam Mahler referieren zum Thema.

Quelle: mig

Bückeburg. Und die Friedensbewegung? Wie steht sie zu den Luftschlägen gegen den IS? Viele Mitglieder seien angesichts der Gräueltaten verunsichert, sagt Mirjam Mahler, die Geschäftsführerin des Internationalen Versöhnungsbundes. „In den letzten Wochen“, so Mahler weiter, „hat es heftige Diskussionen gegeben.“

 Für den deutschen Zweig des Versöhnungsbundes ist Krieg keine Alternative. Die Vereinigung wirbt für „Kreative Gewaltfreiheit“ und „Versöhnung als Weg zur Überwindung gewaltsamer Aggressionen“, um nur einige Stichworte zu nennen. Patentrezepte durfte man von dem Vortrags-Abend im Martin-Luther-Haus also nicht erwarten. Dass die aktuelle Situation dennoch eine besondere Herausforderung für die Friedensbewegung darstellt, gab Mahler zu.

 Was tun, wenn amoralische Banden mordend durch ein Land ziehen und Tausende von Menschen in großer Gefahr schweben? „Es gibt Mitglieder, die sich fragen sich, wie man angesichts der Gräueltaten im Irak pazifistisch bleiben und Waffenexporte ablehnen kann“, brachte es Mahler in ihrer Begrüßung auf den Punkt. Oder anders formuliert: „Welche Alternativen haben wir in so einer Situation, die wirklich heftig ist, anzubieten? Was haben wir für Lösungen beizutragen, die nicht noch mehr zu Gewalt beitragen?“

 Referentin Christine Schweitzer näherte sich diesen Fragen auf Umwegen. Die renommierte Friedensforscherin versuchte zunächst, den Blick für den Kontext zu schärfen, in dem der Konflikt stattfindet. „Wieso reden jetzt alle über den Nordirak?“, wandte sie sich an die rund 20 Zuhörer. Jedes Jahr gebe es zahlreiche Kriege – „im Südsudan beispielsweise passieren ähnliche Dinge, warum schickt da niemand Waffen hin?“ Die Kriege von gestern, so Schweitzer weiter, seien heute schon wieder aus dem Kopf. „Lassen wir uns das Thema nicht von den Medien in den Kopf setzen“, lautete die Mahnung der Referentin. Ihr Eindruck sei, dass man eher bereit sei, da einzugreifen, wo man eigene Interessen habe.

 Das Liefern von Waffen an die Kurden lehnt Schweitzer ebenfalls ab. Bei einer Waffenlieferung sei die Gefahr viel zu groß, dass sie weitergeben und in anderen Konflikten verwendet würden. „Und zu sagen, das kann man verhindern, indem man nicht so viel Munition liefert, ist lächerlich. Munition kann man auch auf dem Schwarzmarkt kaufen.“ Für Schweitzer steht fest: Jeder Krieg lege die Wurzeln für den nächsten Krieg. In diesem Fall habe erst der Irak-Krieg das Erstarken des IS möglich gemacht. Kurzum: „Weltweit gibt es nur ganz wenige Fälle, in denen eine Friedenserzwingung möglich war.“ Das sei beispielsweise beim Pol-Pot-Regime möglich gewesen, in anderen Fällen sei der Konflikt verschärft worden.

 Was also kann man tun? Den Frieden mit gewaltfreien Mitteln erzwingen, wie eine Zuhörerin wissen will. Schweitzer verneint. „Wir haben auch keine Antwort darauf, wie man den IS stoppen kann. Man kann nur versuchen, die Leute aus der Gefahrenzone zu bringen und ihnen humanitäre Hilfe zukommen zu lassen.“

 Einen anderen Ansatz sieht die Konfliktforscherin im Austrocknen der Geldflüsse, die den IS bis heute erreichen. Bis heute würde die IS Öl verkaufen und so ihren Kampf finanzieren. Ebenfalls möglicherweise erfolgsversprechend: „Man muss versuchen, den IS zu spalten, man muss mit den weniger Extremen reden und die wirklichen Extremisten isolieren.“ Die größten Hebel sieht Schweitzer beim Geldfluss „und beim Verhindern, dass die Leute angeworben werden“. Das halte zwar das Morden nicht auf, gab sie zu, aber: „Man muss fragen: Was ist ergiebiger, Luftangriffe oder humanitäre Hilfe?“  mig

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