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Geliebte Göttinger

Symphonie-Orchester spielt in Bückeburg Geliebte Göttinger

Es ist schon eine besondere Beziehung, die Bückeburg und das Göttinger Symphonie-Orchester verbindet. Das Publikum liebt die „Göttinger“. Ihre Auftritte sind umjubelt und fast immer ausverkauft.

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Dirigent Christoph-Mathias Mueller ist der Dreh- und Angelpunkt beim Konzert des Göttinger Symphonie-Orchesters.

Quelle: mig

Bückeburg. Und die „Profis“? Sie kommen gerne in die „Provinz“, wie eine „Liebeserklärung“ von Christoph-Mathias Mueller zeigt. „Es ist immer wieder wunderbar, hier bei Ihnen zu sein“, sagte der Dirigent. Und: „Es macht uns allen große Freude, hier zu spielen.“

 Wer die Göttinger regelmäßig in Bückeburg hört, muss es sich erst wieder bewusst machen: Dass ein so bekanntes Symphonieorchester immer wieder in die „Provinz“ kommt, ist schon eine tolle Sache. Zu danken ist das einem Kulturverein, der die Konzerte aufs Beste vorbereitet, und Musikern, die sich nicht scheuen, eine längere Anreise auf sich zu nehmen. Das verdient gerade an einem Sonntagabend großen Respekt. Erstaunlich auch, auf welch gleichbleibend hohem Niveau die Göttinger seit vielen Jahren unterwegs sind. Die Musiker gönnen sich auch in kleineren Städten keine Verschnaufpause. Ihr fehlerloses, beseeltes Spiel macht das Konzert im Rathaussaal zu einer echten Sternstunde.

 Überzeugen können indes nicht nur die Musiker. Dirigent Christoph-Mathias Mueller ist der Dreh- und Angelpunkt. Ihm gelingt es immer wieder, das letzte Quäntchen Leistung aus dem Orchesterkörper herauszukitzeln. Sein beredter Blick, sein direkter Zugriff: Muellers leidenschaftliches Dirigat formt aus den vielen Einzelspielern ein fragiles Ganzes. Jede Note, jeder Takt atmet seinen Geist, das Programm (Felix Mendelssohn Bartholdys Musik zu „Ein Sommernachtstraum“, Johann Nepomuks Hummels „Konzert für Trompete und Orchester E-Dur“ und die Symphonie Nr.9 e-Moll „Aus der Neuen Welt“) sind fein aufeinander abgestimmt.

 Den Anfang macht an diesem Abend Mendelssohn Bartholdys Musik zu „Ein Sommernachtstraum“, op. 61 (Ouvertüre, Scherzo, Notturno, Hochzeitsmarsch). Ein Meisterwerk des erst 17-jährigen Komponisten, das auch das Publikum unserer Tage noch aufhorchen lässt. Aus der ziemlich komplizierten Handlung des Schauspiels hat Mendelssohn Bartholdy zwei Personengruppen isoliert: die Elfen und die tanzenden Rüpel (gemeint sind die unkultivierten Handwerker). Beide Gruppen leisten, jede auf ihre Weise, einen Beitrag zur besonderen Stimmung des Schauspiels. Die Elfen schwirren, die Handwerker rumpeln und trampeln durch den Wald – ein denkbar großer Kontrast, der die gesamte Ouvertüre spannungsvoll auflädt.

 Das erste Thema beginnt mit einem kurzen, schnellen und sehr leisen Flirren in den Violinen, ein Effekt, der an das Schwirren von Elfen erinnert. Es folgt ein Tutti des Orchesters, das in hellem E-Dur aufblitzt und sich in geradezu übermütiger Spielfreude präsentiert. Im Gegensatz zu den Elfen präsentieren sich die Handwerker im scharfen Kontrast. Die Bläser rumpeln und pumpeln, sogar das „Ia“ eines Esels ist zu hören (als abwärts gerichteter Sprung in den Violinen und Klarinetten) zu hören. Ein toller Traum, der die Zuhörer nur langsam in die Realität zurückkehren lässt.

 Es folgt das „Konzert für Trompete und Orchester E-Dur“ von Hummel (Allegro con spirito, Andante, Rondo), das die damals revolutionären klanglichen Möglichkeiten des Instruments voll ausschöpfen sollte. Reinhold Friedrich erweist sich dabei als ein wunderbar musikantischer Trompeter, mit unerhörter Biegsamkeit und mit einem einmalig flüssigen Legato. Sämtliche Fährnisse (die großen Intervallsprünge im ersten, die hohen Töne im zweiten und die chromatischen Läufe im dritten Satz) meistert der Solist ohne Probleme. Friedrich schleudert die schwierigsten Tonkaskaden in den Raum, jubiliert die halsbrecherischen Stakkati und träumt sich graziös durch den Andante-Satz. Sein Ton ist satt in der Tiefe und voller Glanz in der Höhe. Das ist Trompetenkunst in höchster Vollendung.

 Den Schlusspunkt setzt das Orchester dann mit Antonín Dvoráks Symphonie Nr. 9 e-Moll „Aus der Neuen Welt“, die eine Verbindung aus klassischen und populären Musikformen darstellt. Dvorák hatte sich damals bereit erklärt, bei der Entwicklung eines „typisch amerikanischen Stils“ mitzuwirken.

 Als Inspiration diente die Totenklage eines indianischen Häuptlings beim Tod seiner Frau. Ein packendes, mitreißendes Werk, das den Göttingern sichtlich Freude machte. Vom emotionell dichten „Largo“ (mit seiner markanten Melodie von Streichern und Englischhorn) bis zum gewaltigen „Scherzo“ – ein echter Hörgenuss. Werden die Zuhörer zunächst eingehüllt in sehnsuchtsvolle Harmonie und monumentale Weite, geht der mitreißende Höhepunkt durch Mark und Bein. Was für eine fulminante Leistung. mig

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