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Getrunken wird nur ein kleiner Teil

Woher kommt das Wasser? Getrunken wird nur ein kleiner Teil

In Bückeburg und Umgebung kann man bedenkenlos den Hahn aufdrehen, ein Glas frisches Nass abfüllen und einfach pur genießen. Doch woher kommt das Wasser? Wassermeister Rudi Kuppe und Netz-Bereichsleiter Michael Sokoll von den Stadtwerken Schaumburg-Lippe haben eine Antwort auf diese Frage.

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Rudi Kuppe leuchtet in den Hochbehälter Wendt- hagen. Bevor das Wasser von dort Richtung Stadthagen fließt, hat es im Wasserwerk große Filter durchlaufen.

Quelle: kk

Bückeburg/Landkreis. Es ist immer verfügbar, begleitet uns durchs Leben: Beim morgendlichen Gang ins Badezimmer betätigen wir die Toilettenspülung, stellen die Dusche an. Anschließend befüllen wir die Kaffeemaschine, starten vor der Arbeit vielleicht noch die Wasch- oder Spülmaschine. Fließendes Wasser ist für uns eine Selbstverständlichkeit – nicht mehr Luxus, wie vielleicht noch für Groß- oder Urgroßeltern. Doch Stadtwerke oder Wasserbeschaffungsverbände müssen erheblichen technischen und personellen Aufwand treiben, um Privatkunden und Gewerbe jederzeit mit hygienisch einwandfreiem Wasser zu versorgen. Ein Blick hinter die Kulissen.

Gute Bewertung bei Stiftung Warentest

„Kein Lebensmittel wird in Deutschland mehr untersucht als Trinkwasser“, sagt Wassermeister Rudi Kuppe. Wie überall kann man in Bückeburg und Umgebung bedenkenlos den Hahn aufdrehen, ein Glas frisches Nass abfüllen und einfach pur genießen. Dass Leitungswasser gerade in der heimischen Region sogar viele Mineralwasser an Qualität übertrifft, hat vor Kurzem erst die Stiftung Warentest festgestellt. Doch nur der geringste Teil Wasser, den ein Haushalt (durchschnittlich 120 Liter pro Person und Tag) verbraucht, wird für Essen und Trinken genutzt – ungefähr vier Prozent. 36 Prozent gehen für Baden, Duschen und Körperpflege drauf, 27 Prozent rauschen durch die Toilettenspülung.

Doch woher kommt eigentlich das Bückeburger Wasser? Rudi Kuppe und Netz-Bereichsleiter Michael Sokoll, von den Stadtwerken Schaumburg-Lippe erklären die Zusammenhänge. Diese sind eigentlich ganz einfach, organisatorisch und gesellschaftsrechtlich aber doch etwas komplizierter. Gefördert wird das „Bückeburger Wasser“ im Wesertal im Rintelner Ortsteil Engern. Wohlgemerkt: Dort wird kein Weserwasser entnommen, sondern besonders reines Grundwasser gefördert, das vom Wesergebirge kommend in einer wasserführenden Schicht Richtung Weser fließt.

Eigene Wasserwerke

In Engern steht ein Wasserwerk, das der Schaumburger Trinkwasser Verbund- und Aufbereitungsgesellschaft mbH gehört. An dieser Gesellschaft sind die Stadtwerke Schaumburg-Lippe zu 80 Prozent beteiligt, die Stadtwerke Rinteln zu 20 Prozent. Die Betriebsführung liegt bei den Bückeburgern. Bis zu 4,9 Millionen Kubikmeter Wasser dürfen dort gefördert werden. Man spricht von sogenannten „Wasserrechten“. Darüber hinaus haben die Stadtwerke Schaumburg-Lippe noch eigene Wasserwerke in Wendthagen und Obernkirchen. Dort dürfen zusammen 1,5 Millionen Kubikmeter aus dem Boden gepumpt werden.

Wasserrechte vergibt der Landkreis aufgrund von Berechnungen: Ziel ist, den Wasserhaushalthalt zu schonen und nicht mehr Wasser zu entnehmen, als wieder zufließt. Grundsätzlich stehe im Einzugsgebiet der Stadtwerke immer genügend Wasser zur Verfügung, um etwa 62000 Menschen zu versorgen, so die Experten. Transport und Verteilung erfolgt über 550 Kilometer Rohrleitungen.

Von Engern wird das Wasser zur Hirschkuppe hochgepumpt. Von dort geht es im freien Gefälle zu den Verbrauchern in Bückeburg und Eilsen. Natürlich gibt es Spitzen und verbrauchsschwache Zeiten. Um Schwankungen auszugleichen und um den Druck besser regulieren zu können, werden 15 Hochbehälter im Versorgungsgebiet unterhalten. In diesen großen Tanks wird Wasser zwischengelagert – allerdings nicht für längere Zeit. Durch ständigen Durchfluss ist gewährleistet, dass das Trinkwasser immer frisch zum Kunden kommt.

Eisen und Mangan entziehen

Am Wendthäger Wasserwerk zeigt Kuppe solch einen Behälter: Von außen ist nur ein unauffälliger Erdhügel zu sehen, der Zugang erfolgt über ein kleines Häuschen aus Beton. Drinnen leuchtet Kuppe in einen großen im Boden versenkten Tank: Dieses Wasser wurde in Brunnen in der Umgebung gefördert und wird an Kunden im Raum Stadthagen weitergeleitet. Zuvor ist es im angrenzenden Wasserwerk aufbereitet worden: Es hat große Filter durchlaufen, Eisen und Mangan wurden ihm entzogen, und es wurde etwas enthärtet, um Kalk zu entziehen. Zu hohe Kalkkonzentration im Wasser führt zu Ablagerungen an Leitungen und Geräten.

In Engern kann man sich den Entzug dieser Mineralien übrigens sparen: Dort erfüllt das Wasser bereits so, wie es gefördert wird, alle Voraussetzungen. Für die gute Qualität wird rund um Engern übrigens schon im Vorfeld einiges getan: Landwirte in der Umgebung werden beraten, wie viel und womit sie düngen dürfen. Motto: Alles, was gar nicht erst ins Grundwasser gelangt, muss später nicht herausgeholt werden. So wird die Nitratbelastung gesenkt. Für Ertragseinbußen werden die Bauern finanziell entschädigt.

Für die unabhängige Überwachung der Trinkwasserqualität ist der Landkreis zuständig: Die Untere Wasserbehörde kontrolliert die Brunnen, das Gesundheitsamt das Trinkwasser, das an zahlreichen Messstellen in Verbrauchernähe entnommen wird.

Viel Aufwand treiben die Stadtwerke für die Instandhaltung des Netzes: Intern werden Durchfluss und Druck gemessen, um Lecks aufzuspüren. Rohrbrüche werden aber auch von Kunden gemeldet. Dann rückt ein Notdienst aus, der 365 Tage im Jahr rund um die Uhr in Bereitschaft ist. Hier für alle Fälle diese Notrufnummer: (05722) 28070. kk

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