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Glück gehabt: Mieser „Stoff“– kein Knast

Am Scheideweg des Lebens Glück gehabt: Mieser „Stoff“– kein Knast

Ein Drogenhändler hat sich minderwertigen „Stoff“ andrehen lassen. Das bewahrt ihn vor dem Gefängnis. Die 1. Große Strafkammer am Bückeburger Landgericht hat den Dealer gestern zwar zu vier Monaten Haft verurteilt.

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Quelle: Symbolfoto

Bückeburg. Weil der 23-Jährige aber seit seiner Festnahme Ende Oktober in Untersuchungshaft gesessen hat, gilt die Strafe als verbüßt. „Sie sind ein freier Mann“, sagte Richter Norbert Kütemeyer.

Gedroht hatten dem Angeklagten mindestens fünf Jahre Haft, denn das steht auf Drogenhandel mit Waffen, in diesem Fall einem Tomahawk, das im Rucksack des Mannes lag. Dazu muss allerdings gleichzeitig eine nicht geringe Menge Rauschgift gefunden worden sein. Bei sich hatte der Verdächtige mehr als 60 Gramm Amphetamin. In den meisten Fällen hätte das locker gereicht.

Zwei Tage vor dem Prozess traf jedoch ein Gutachten des Landeskriminalamtes ein, wonach der Wirkstoffgehalt weniger als fünf Prozent betrug, ganz miese Qualität also. „Es war hochgestrecktes Zeug“, stellte Oberstaatsanwalt Klaus Jochen Schmidt fest. „Normalerweise hat Amphetamin einen Wirkstoffgehalt von bis zu 80 Prozent.“ Damit war der Vorwurf des bewaffneten Drogenhandels vom Tisch. „Glück gehabt“, meinte Verteidiger Dr. Volkmar Wissgott. Was blieb, war Handel mit Betäubungsmitteln, ein Delikt mit einer weit geringeren Strafandrohung.

Gefunden hatten Polizisten im Rucksack des Mindeners, der zeitweise in Bückeburg gewohnt hat, außer Amphetamin auch 15 Gramm Marihuana, in Drogenkreisen „Gras“ genannt, sowie ein Nageleisen. Kontrolliert worden war er um Mitternacht auf der Herminenstraße.

Aus seinem Leben hat der 23-Jährige bisher nichts gemacht. Marihuana nahm er zum ersten Mal mit 15, schmiss die Schule vor dem Abitur, brach zwei Lehren ab und häufte neun teils einschlägige Vorstrafen an. Für sich selbst brauchte der Dealer zuletzt nach eigenen Angaben bis zu zehn Gramm Amphetamin pro Tag, dazu mehrere Gramm Marihuana, zwischendurch auch mal LSD.

„Eins hat mich wach gemacht, das andere wieder down“, erinnert er sich. „Wenn man das ein oder zwei Jahre durchzieht, ist die Luft raus.“ Er sei „leicht depressiv“ geworden und habe „in den Tag hinein gelebt“. Jetzt will der 23-Jährige eine Therapie beginnen. Den Kontakt zur Drogenszene habe er abgebrochen.

Zum Schluss wandte sich Richter Kütemeyer an die Mutter des Angeklagten. „Sohn bleibt immer Sohn“, sagte der Vorsitzende. „Er braucht jetzt ihre Unterstützung.“ Dem 23-Jährigen machte Kütemeyer klar, dass er am Scheideweg seines Lebens steht: „Es liegt an Ihnen.“ Vielleicht sei die U-Haft ganz heilsam gewesen. Auf jeden Fall ist der Angeklagte wieder zu Kräften gekommen. „Ich habe 14 Kilo zugenommen“, berichtete er.

Von bewaffnetem Drogenhandel sprechen Juristen, wenn der Täter „Gegenstände mit sich führt, die ihrer Art nach zur Verletzung von Personen geeignet und bestimmt sind“. Darunter fällt auch ein Tomahawk – selbst, wenn es als Wandschmuck gedacht ist.  ly

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