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Ein süffiges Neujahrskonzert

Göttinger Symphonie Orchester im Rathaussaal Ein süffiges Neujahrskonzert

Mit einem Feuerwerk an solistischen Darbietungen hat das Göttinger Symphonie Orchester (GSO) den Rathaussaal der ehemaligen Residenzstadt in Champagner-Laune versetzt. Den Musikern gelang ein Programm, das trotz seiner Süffigkeit keinen Kater hinterließ.

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Dirigent Christoph-Mathias Mueller ist in seinem Element.

Quelle: mig

Bückeburg. Es ist ein Wahnsinn, den sich das GSO zumutet. Über zwei Wochen reisen die Musiker durch Niedersachsen, um ein immer wieder leicht variiertes Neujahrs-Konzert zu geben. Diesmal ging’s nach Bleckede, Uelzen und Holzminden – davor hatte das GSO in China gastiert. Kurzum: In Bückeburg ging eine Tour zu Ende, die die Musiker gefühlt um die ganze Welt geführt hatte.

 Man merkt sofort, dass die „Göttinger“ Spaß haben an diesem Konzert, dass sie es nicht einfach „runterspielen“. Was auch an dem ambitionierten Programm liegt, das Christoph-Mathias Mueller unter dem Titel „Sphärenklänge“ ausgearbeitet hat. Dabei finden sich laute, aber auch leise Töne. Statt auf Überrumpelung setzt er auf Kontraste.

 Pythagoras zufolge markieren die „Sphärenklänge“ die Bewegung von Himmelskörpern im Weltraum. Dort entstehen Töne, die der Sterbliche nicht wahrnehmen kann. Für Mueller liegt der Zusammenhang auf der Hand: Die „Sphärenklänge“ erheben den Zuhörer und verändern ihn. Oder anders gesagt; ein richtig gutes Neujahrskonzert lässt die Korken knallen und gibt dem „Affen Zucker“. Während aber bei anderen Orchestern nur ein schlechter Nachgeschmack bleibt, macht das GSO Appetit auf mehr.

 Wunderbar ausgespielte Melodiebögen

 Ihren Anfang nimmt die Phantasiereise mit der Ouvertüre zur Oper von Jacques Offenbach „Orpheus in der Unterwelt“. Auf eine markig vorgetragene Einleitung und ein energisches Tremolo folgen wunderbar ausgespielte Melodienbögen. Heftige Akkordschläge und kraftvolle Bläser münden im wirbelnden „Cancan“. Was für ein Feuerwerk! Einen eher melancholischen Charakter haben die „Ungarischen Tänze“, die Johannes Brahms für Klavier vierhändig geschrieben hat. Er konnte sich erstaunlich gut in die Seele der Magyaren einfühlen. Mal sind die Tänze feurig, dann melancholisch. Das GSO musiziert mit einer Rasanz, die schwindelig macht. „Mephistos Höllenrufe“, eine dramatische Polka von Johann Strauss (Sohn) und „Heiterer Mut“, eine Polka von Johann Strauss, runden den ersten Teil ab.

 Höhepunkt ist ein Virtuosenstück von Maurice Ravel. Chiara Sannicandro (Violine) spielt die Konzert-Rhapsodie „Tzigane“ mit Themen aus der „Zigeunermusik“. Gleich zu Beginn: ein ausgedehntes Violinen-Solo, das es Sannicandro ermöglicht, ihr Können wie auf dem Präsentierteller auszubreiten. Erst nach geraumer Zeit setzt das Orchester ein – mit wogenden Streichern und aparten Harfenklängen. In feinem Pinselstrich entsteht so aus vielen kleinen Tönen ein faszinierendes Klanggemälde; man muss unwillkürlich an Landschaftsbilder von Pierre-Auguste Renoir oder Éduard Manet denken, mit ihrem überbordenden Farbenspiel. Überhaupt macht Sannicandro ihre Sache ausnehmend gut. Mal klingt ihre Geige wie eine Frauenstimme, dann wieder wird ein Volkslied angestimmt. Die Finger flirren, hüpfen über die Saiten – und treffen immer die richtige Stelle. Chapeau!

 Als Belohnung gibtes Hochrufe

 Nach der Pause kommt noch einmal Strauss zu seinem Recht. Das GSO spielt die Schnellpolka „Ohne Sorgen“, danach „Liebeslieder“ von Sohn Strauß, ein Walzer, der in einer fast rauschhaften Beschleunigung endet. Immer im Kreis dreht sich die Melodie – das Publikum bleibt leicht beschwipst zurück. Und Dirigent Mueller? Der wird zum Epizentrum des Konzerts. Wie ein Tänzer wirbelt er um seine Achse, mal leichthin, mal zupackend, als wolle er die Musik mit seinen Händen formen. Mueller zieht einmal mehr alle Register der Dirigentenkunst.

 Den Schlusspunkt setzen Astor Piazzollas „Verano Porteno für Violine und Orchester“ und Strauss‘ „Sphärenklänge“. „Prosit Neujahr“ wünscht das Orchester – und gibt Zugabe auf Zugabe. Nach dem Radetzkymarsch: Hochrufe.

Von Michael Grundmeier

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