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Bückeburg Stadt Gospel verschmilzt mit Pop und Soul
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Gospel verschmilzt mit Pop und Soul
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00:16 08.01.2017
Starke Stimme: Tiffany Marvin-Woodside bei einem solistischen Ausflug. Quelle: mig
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Bückeburg

Ein Gospelkonzert macht eigentlich immer Spaß. Klatschen, sich an den schönen Stimmen erfreuen – außerdem finden sich kaum Chöre, die nicht auf einem hohen Niveau singen. Und dennoch gibt es Qualitäts-Unterschiede, wie der Auftritt von „Reverend Gregory M. Kelly’s Best of Harlem Gospel“ ganz deutlich zeigte. Denn so wie Grammy-Preisträger Gregory M. Kelly, Reverend Charles R. Lyles, Timothy Riley, Travis L. Andrews, Steven Mc Caster, Tiffany Marvin-Woodside, Dominique Smith, Michelle Andrews-White und Tiffany Mosley durch die Stadtkirche fegten – das war nicht mehr von dieser Welt. Ein homogener Chorklang, der eigentlich gar keine musikalische Unterstützung mehr gebraucht hätte, Spitzentöne der Sängerinnen, dazu kleine Ausflüge in Richtung Pop – was für ein Wahnsinnskonzert.

„You must make noise“

Wobei schon ganz zu Anfang deutlich geworden war, dass die US-Amerikaner nicht einfach nur den x-ten Auftritt in Old Europe „runternudeln“ wollten. Trotz des eng gestrickten Tournee-Fahrplans hatten sie ganz offensichtlich Spaß am Singen, merkte man ihnen an, dass ihnen das Singen, das Preisen Gottes, richtig Freude macht. Und weil sie diese Freude teilen wollten, sollten auch die Zuhörer von Beginn an mitmachen, wie Reverend Kelly zu Beginn ankündigte. „You must make noise“, rief er seinem Publikum zu: „Applause, Applause.“ Wie sich der Reverend das vorgestellt hatte, zeigte dann ein kleiner Workshop zum Thema „Beifallsbekundung und Rhythmus halten“. „Links“ gegen „Rechts“, also das auf der Linken sitzende Publikum gegen das auf der rechten sitzende – ein kleiner Wettkampf, den übrigens das links sitzende Lager gewann.

Gnade vor Recht

Danach war dann kein Halten mehr. Bis zum Schluss wollten – „mussten“ – die Zuhörer den Rhythmus mitklatschen. Und wenn sie darin nur ein bisschen nachließen, dann drohte Reverend M. Kelly schlimme Strafen an (Scherz!). Ganz zufrieden war der Grammy-Preisträger aber bis kurz vor Schluss nicht: „Ihr seid nicht so…“, sagte der Amerikaner und machte vor, was er meinte. Klatschte in die Hände, bewegte die Hüften – „Nein“, bestätigten ihm die in der ersten Reihe sitzenden Gäste. „Wir sind nicht so.“ Immerhin: Zum Schluss war der Geistliche dann doch einigermaßen zufrieden. „Ihr seid ein tolles Publikum“, rief er ins Auditorium. „Ihr habt super mitgemacht.“ Ein bisschen hatte man da schon den Eindruck, dass Kelly hier Gnade vor Recht ergehen ließ.

Noch ein Wort zum musikalischen Teil, der auf ganz hohem Niveau stattfand. Denn was die Sängerinnen und Sänger ablieferten – das war aller Ehren wert. Von „Go down, Moses“ über „Kumbaya“ bis hin zu „O happy Days“ war dieser Abend ein echter Genuss. Einmal wegen der exzellenten Stimmen – zum anderen aber auch, weil die Arrangements einfach allererste Sahne waren. Nur ein Beispiel von vielen: der Song „Joshua fought the battle of Jericho“, der schon in der originalen Fassung furchterregend daherkommt. So wie ihn die Harlemer sangen – begleitet von der Kirchenorgel –, konnte man sich die Posaunen von Jericho fast leibhaftig vorstellen. Gospel verschmolzen mit Pop und Soul – Reverend Kelly hat die Freude am Experimentieren ganz offensichtlich noch nicht verloren. mig

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