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„Gott will die Vielfalt“

Ökumene unter freiem Himmel „Gott will die Vielfalt“

So harmonisch das Verhältnis in Bückeburg zwischen der römisch-katholischen, der evangelisch-lutherischen und der evangelisch-reformierten Kirche ist, so wohlgesonnen zeigte sich auch das Wetter beim ökumenischen Pfingstgottesdienst auf der Mausoleumswiese.

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Vom Wetter verwöhnt: Ökumenischer Gottesdienst vor dem Mausoleum.

Quelle: jp

Bückeburg. Allzu oft hatten in der Vergangenheit Pastoren und Gemeinden beim stets am Pfingstmontag gehaltenen gemeinsamen Gottesdienst ins Innere des Mausoleums umziehen müssen. Und als wolle das Wetter das alles wieder gut machen, begrüßte und verabschiedete es die Gottesdienstbesucher mit einem Regenbogen.

Gehalten wurde der Gottesdienst in diesem Jahr von Pastor Thomas Krage von der reformierten Kirche, Gemeindereferentin Sabine Kalkmann von der katholischen Kirchengemeinde St. Marien und Oberprediger Wieland Kastning von der lutherischen Stadtkirchengemeinde. Im Zentrum stand das Interview dreier Damen – Helene Schulte, Marie-Luise Spickschen-Sievers und Dorothea Schulte-Girr – aus jeder der drei Gemeinden. Diese erklärten auf Befragung durch Kastning, was sie an ihrer eigenen Konfession lieben, zugleich aber auch, was sie an den jeweils beiden anderen schätzen. „Wir sind verschieden und lieben unsere Konfession“, zog Oberprediger Wieland daraus in seiner Predigt als Fazit. „Aber wir freuen uns auch an der Schönheit dessen, was den Geschwistern der anderen Konfession gegeben ist. Nicht alles verstehen wir und ist uns gewohnt. Aber wir wissen uns verbunden in Jesus Christus.“

Achtung, Wertschätzung, Dankbarkeit

Heute gebe es zwischen den drei Konfessionen viel mehr Verbindendes als Trennendes, so Kastning. Besonders zu begrüßen sei es, dass die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen in diesem Jahr der gemeinsamen „Erklärung der Rechtfertigungslehre“ beitreten werde, die von der Lutherischen Weltkirche und dem Vatikan bereits 1999 unterschrieben wurde. „Heute leben wir miteinander in Achtung, Wertschätzung und Dankbarkeit“, betonte Kastning. Zwar sei es der gemeinsame Glaube an einen Gott, die Taufe und die Einheit des Geistes, die verbinde, „aber die Einheit im Geist entfaltet sich nach Gottes Willen in der Vielzahl der Völker, Sprachen und auch der konfessionellen Kulturen“.

Davon handele auch die Geschichte des Turmbaus zu Babel, die damit endet, dass Gott die Menschen für ihre Hybris mit dem Verlust der gemeinsamen Sprache bestraft. Aber ist dies wirklich eine Strafe? „Nur auf den ersten Blick“, so die durchaus ungewöhnliche Sicht Wieland Kastnings auf die bekannte Geschichte aus dem 1. Buch Mose. „Auf den zweiten Blick muss man sagen: Die Zerstreuung der Menschheit in die Vielfalt der Sprachen und Länder ist Gnade. Denn wenn alle Welt eine Sprache spräche, wäre sie auch durch eine Stimme zu kommandieren. Wir wissen genügend von Herrschern, die Weltreiche zu erbauen suchten, und die Massen folgten ihnen.“ Quintessenz: „Gott will die Vielfalt der Nationen und der Sprachen. Er will nicht, dass ein Prinzip, ein Starker, eine Sprache alle Völker dieser Erde führe und einer Herrschaft unterwerfe.“

Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst vom Posaunenchor der Stadtkirchengemeinde unter Leitung von Kantor Siebelt Meier und dem Gospelchor „Rhythm of Life“ unter Leitung von Sandra Becker-Klemusch. Kollekte sowie der Erlös des sich anschließenden Beisammenseins gingen wie immer an den Diakonischen Pflegedienst. jp

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