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Bückeburg Stadt Grabstein von Heinrich Bövers umgesetzt
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Grabstein von Heinrich Bövers umgesetzt
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19:50 18.06.2012
Aus Anlass des 126. Geburtstags des letzten schaumburg-lippischen Regierungschefs hatten sich die noch in Bückeburg lebenden Angehörigen – Schwiegertochter Ingeborg Bövers und Enkelin Gabriele Rudnick – sowie Bürgermeister Reiner Brombach an dessen neu aufgestelltem Grabstein eingefunden. Quelle: gp
Bückeburg (gp)

Der 1950 verstorbene Jurist gilt historisch interessierten und informierten Zeitgenossen als eine der bemerkenswertesten heimischen Führungspersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Die politische Karriere des überzeugten Demokraten und bekennenden Christen begann während der Weimarer Republik. Von 1930 an saß der an der Bahnhofstraße ansässige Rechtsanwalt als Abgeordneter der linksliberalen DDP im Schaumburg-Lippischen Landtag. Während der NS-Zeit wegen seiner antifaschistischen Einstellung ausgegrenzt und verfemt, wurde Bövers unmittelbar nach Kriegsende 1945 von den englischen Besatzern reaktiviert und als Regierungschef des damals noch politisch selbstständigen Staates Schaumburg-Lippe eingesetzt. Die Aufgabe war extrem schwierig. Der Zusammenbruch hatte ein kaum überschaubares Chaos hinterlassen. Ordnung und Infrastruktur lagen am Boden. Das Gros der Menschen, darunter ein Heer von Ausgebombten, Vertriebenen, befreiten Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern, kämpfte verzweifelt gegen Hunger, Kälte und Wohnungsnot.

 Der neue Staatsrat fackelte nicht lange, sondern ging seinen neuen Job energisch und zielstrebig an. „Es gibt keine Garantie und keinen Plan, ob und wie die Schwierigkeiten überwunden werden können“, machte er seinen Mitstreitern bei Dienstantritt klar. „Trotzdem müssen wir den Versuch machen, zu retten, was noch zu retten ist, und aufbauen, was wieder aufgebaut werden kann“.

 Bövers Amtszeit als Regierungschef war – zeitlich gesehen – nur kurz bemessen. Mit Verordnung Nr. 55 vom 8. November 1946 hatten die englischen Besatzer die Auflösung der zuvor selbstständigen Staaten Hannover, Braunschweig, Oldenburg und Schaumburg-Lippe und die Gründung eines neuen Landes Niedersachsen angeordnet.

 Angesichts der gewaltigen Herausforderungen sei damals in der Bückeburger Staatskanzlei hervorragende Arbeit geleistet worden, sind sich Verwaltungsfachleute und Geschichtsforscher heute einig. Bövers blieb – als Chef einer Übergangsregierung – auch nach der offiziellen Machtübergabe nach Hannover noch mehrere Monate (bis Ende März 1949) im Amt. Viel Zeit, den Erfolg seines Einsatzes und das Entstehen eines neuen freien und demokratischen Rechtsstaates mitzuerleben, war ihm nicht vergönnt. Im Dezember 1950 wurde der damals 64-Jährige – vom jahrelangen Kampf gegen den Krebs und der Ungewissheit um den ältesten, seit 1944 in Russland vermissten Sohn Heiner zermürbt – zu Grabe getragen. Zuvor hatte er noch dafür gesorgt, dass das zusammen mit seinem engen Weggefährten Pastor Mensching auf den Weg gebrachte Projekt „Freundschaftsheim Bückeburg“ in die Tat umgesetzt wurde. „Er war schlicht, ruhig, sachlich nüchtern und voller Verständnis für Leid, Krankheit, Schmerzen und Vereinsamung“, war am Sarg Heinrich Bövers’ zu hören.