Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Gräueltaten der Reichspogromnacht

Erinnern Gräueltaten der Reichspogromnacht

„Die Erinnerung an die Reichspogromnacht ist in Bückeburg nicht verblasst, sie darf auch nie verblassen“, hat Bürgermeister Reiner Brombach den Teilnehmern der gestrigen Gedenkfeier für die Opfer des Nazi-Terrors zugerufen.

Voriger Artikel
Stadt soll ein Zeichen setzen
Nächster Artikel
„IMS“ oder „Hering“?

Gedenkfeier zur Reichspogromnacht: Der Bückeburger Posaunenchor umrahmt die Feier musikalisch.

Quelle: kk

Bückeburg (kk). Um mit den Anforderungen der Zukunft fertig zu werden, sei es immer wieder nötig, an die Gräueltaten des Nazi-Regimes zu erinnern. Damit beantwortete Brombach auch die oft zu hörende Frage, ob Veranstaltungen wie die gestrige Kranzniederlegung am Gedenkstein hinter dem Stadthaus denn noch zeitgemäß seien. Das Stadtoberhaupt verband dieses Gedenken mit einer ganz klaren Ansage: „Hier gibt es keinen Platz für Fremdenfeindlichkeit und Rassismus.“

 „Wir müssen uns immer wieder dem Schrecklichen nähern“, stimmt auch Pastor Wieland Kastning mit dem Bürgermeister überein. Man müsse sich immer wieder bewusst machen, dass damals Bückeburger Gräueltaten an Bückeburgern begangen hätten, sich das Unrecht also nicht weit entfernt abgespielt habe. Und genau deshalb dürfe man auch heute nicht wegschauen, wenn einige Gruppierungen „ihr braunes Süppchen von Fremdenfeindlichkeit und Demokratieverachtung“ kochten.

 Kastning rief dazu auf, die wenigen jüdischen Mitbürger, die heute wieder in der Region leben, nicht zu vergessen. Denn Antisemitismus sei auch heute noch „in der Mitte der Gesellschaft“ zu finden.

 Vor 77 Jahren wurden auch in Bückeburg jüdische Geschäfte verwüstet, die Synagoge geschändet. Der Nazi-Terror gegen jüdische Mitbürger manifestierte sich öffentlich. In den Folgejahren wurden viele jüdische Gemeindeangehörige verschleppt, wenige überlebten den Holocaust.

 An die Namen der jüdischen Familien erinnerten gestern Schülerinnen der Oberschule. Bleibendes Mahnmal sind auch die 46 Stolpersteine, die in den vergangenen zehn Jahren in der Stadt für sie verlegt worden sind. An diese Aktion, die wie berichtet von der ehemaligen Geschichtswerkstatt der Herderschule initiiert worden war, erinnerte deren Leiter Klaus Maiwald.

 Und auch heute gibt es immer noch neue (traurige) Erkenntnisse. Bisher sei man von 19 in den Konzentrationslagern ermordeten und umgekommenen jüdischen Mitbürgern ausgegangen, so Maiwald. Nun müsse man zwei hinzufügen. Otto und Emil Weil aus der Schulstraße waren zunächst nach Holland geflohen, ihr weiteres Schicksal galt als ungeklärt. Doch ihre Spur endet nicht mehr in den Niederlanden: In Zwolle wurden sie verhaftet und in die Konzentrationslager Auschwitz und Sobibor deportiert, wo sie 1943 ermordet wurden. Ihr Schicksal klärten holländische Versöhnungsaktivisten um Peter Riemersma auf. Diese widmeten auch den beiden Bückeburgern einen Stolperstein in Zwolle. Riemersma in einem Brief an Maiwald: „Ein gemeinsames Zeichen der Versöhnung.“ Denn auch an der Schulstraße erinnern drei Stolpersteine an die Familie Weil – jetzt um die Todesdaten von Vater und Sohn ergänzt. Dort hatte Schüler vor der Gedenkfeier Blumen niedergelegt.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg