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Grinsender Räuber ohne Zeitdruck

Bückeburg / Prozess Grinsender Räuber ohne Zeitdruck

Tapfer macht die Zeugin ihre Aussage, sie reißt sich zusammen. Doch als Richterin Birgit Brüninghaus die frühere Kassiererin fragt, wie sie den Tankstellenüberfall verkraftet hat, fließen beim Opfer die ersten Tränen.

Bückeburg. Bückeburg (ly). Seit der Tat am 25. August ist die 38-jährige Frau traumatisiert, arbeiten kann sie nicht. „Ich hatte Angst, erschossen zu werden“, erklärt die Frau aus Rinteln, nachdem sich ihr Anwalt Stephan Maiß zur Unterstützung neben sie an den Zeugentisch gesetzt hat.

 Vor dem Landgericht in Bückeburg läuft seit gestern der Prozess um drei Überfälle. Zweimal traf es die Westfalen-Tankstelle an der Petzer Straße, in einem Fall die Tankstelle Harting an der Hannoverschen Straße, alles innerhalb von zwei Wochen. Auf der Anklagebank sitzt ein Bückeburger, für die Polizei kein Unbekannter.

 Als der 29-Jährige unter Verdacht geraten war, hatten Beamte zwischen Kleidungsstücken in seiner Waschmaschine Geld gefunden, wie es in der Anklageschrift heißt. Nach der Festnahme ließ die Polizei unter anderem verlauten, dass der Bückeburger zur Tatzeit keine festen Einkünfte gehabt habe. Im Prozess schweigt der Angeklagte zu den Vorwürfen von Staatsanwalt Frank Hirt. Ob er der Täter ist, muss das Gericht klären.

 Fest steht, dass sich die Taten auffallend gleichen. Der Räuber kam immer zur gleichen Zeit, kurz vor 22 Uhr. Am Sonntag, 21. August, betrat er die Westfalen-Tankstelle an der Petzer Straße und verlangte mit vorgehaltener Pistole Geld: „Mach die Kasse auf, gib mir die Scheine, verarsch mich nicht.“

 Vermutlich derselbe bewaffnete Mann kehrte nur vier Tage später zurück, wieder an die Petzer Straße. Hinter dem Tresen stand diesmal eine andere Kassiererin.

 Am Sonntag, 4. September, hatte er es auf die Tankstelle Harting an der Hannoverschen Straße abgesehen. Bei allen drei Überfällen zusammen erbeutete der Räuber rund 3700 Euro.

 Eine frühere Kassiererin (1,79 Meter) der Westfalen-Tankstelle hat in Erinnerung, dass der Mann im Kassenraum kleiner war als sie selbst. „Mein Mandant ist 1,80 Meter groß“, betonte Verteidiger Holger Nitz. Über seine Baseball-Kappe soll der Räuber eine Kapuze gezogen und zudem eine Sonnenbrille getragen haben, so die Zeugenaussagen. 25 Zeugen an fünf Verhandlungstagen

 Dass es an der Petzer Straße zweimal derselbe Mann war, steht für die Zeugin fest. Immer wieder hat sie sich die Videobilder beider Überfälle angesehen und verglichen.

 Eine Kollegin (35), Opfer des ersten Überfalls, erinnert sich an einen Täter, der die Ruhe weg hatte. „Er hat mich angegrinst und wirkte nicht so, als ob er unter Zeitdruck steht“, berichtet sie vor dem Landgericht.

 Für den Prozess vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts Bückeburg hat die Vorsitzende Richterin Brüninghaus zunächst fünf Verhandlungstage anberaumt, 25 Zeugen und zwei Sachverständige geladen. Es geht um viel: Wenn der jeweilige Täter eine Waffe verwendet hat, stehen auf schwere räuberische Erpressung mindestens fünf Jahre Haft.

 Das Urteil soll am Montag, 19. März, verkündet werden. Der Angeklagte sitzt seit September vergangenen Jahres in Untersuchungshaft.

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