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„Größter Fundkomplex der Renaissance“

Bückeburg / Fund an der Langen Straße „Größter Fundkomplex der Renaissance“

Bei den Abrissarbeiten des alten Viehmann-Kammann-Komplexes an der Langen Straße 4/5 sind historisch interessante Fundstücke ans Tageslicht gekommen.

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Die Schönsten von Tausenden von Fundstücken präsentieren Dr. Jens Berthold (von rechts), Praktikantin Luisa Heinze und Museumsmitarbeiterin Nadine Werel.

Quelle: rc/pr.

Bückeburg (rc). Sie werden von Kommunalarchäologen Jens Berthold als sehr bedeutsam eingeschätzt: „Der größte archäologische Fundkomplex aus der Bückeburger Altstadt und der größte aus der Renaissance in Schaumburg.“ Zusammenhänge mit dem 30-jährigen Krieg werden nicht ausgeschlossen. Denn 1633 plünderten nach der Quellenlage kaiserliche Truppen Bückeburg. Eventuell wurde dabei das Haus Lange Straße Nr. 5, die alte Gaststätte Kammann, zerstört und bei der Neuerrichtung des Ackerbürgerhauses im Jahr 1635 der 1633 zerstörte Hausrat im Garten entsorgt.

 Jedenfalls fanden Berthold und seine Mitarbeiter des Museums nur wenige archäologischen Schichten und Befunde, die dafür umso ertragreicher waren: fünf Klappboxen voll mit mehreren Tausend Scherben von Haushaltsabfällen. Darunter waren Gefäßkeramiken wie Schalen, Teller Töpfe und Krüge, einer datiert mit der Jahreszahl 1627, Steinzeugimporte und viele Gläser wie Trinkgläser, Flaschen und bemaltes Fensterglas. Dazu kamen einige Knochen und verkohlte botanische Reste, die derzeit von der Universität Hannover untersucht werden.

 Besondere Funde aber sind die Reste von zehn bis 15 Ofenkacheln, grün und schwarzbraun glasiert. Darstellungen auf den Kacheln zeigen einen Renaissancefürsten, eine Frauengestalt und biblische Figuren. „Wahrscheinlich Machabäer“, vermutete Berthold, der davon ausgeht, dass mit der Anzahl der Kacheln der komplette Ofen zu erschließen ist. „Insgesamt sind mit den zahlreichen Fundstücken viele Aussagen zu Wirtschaft, Haushalt und Alltag möglich und können einen Einblick in den städtischen Hausalltag der Renaissance geben.“

 Nach den Vorstellungen des Kommunalarchäologen, des Bauherrn Dirk Lenz und der Leiterin des Museums, Anke Twachtmann-Schlichter, sollen die Funde im nächsten Jahr in einer Ausstellung im Museum präsentiert werden. Danach soll im Eingangsbereich des Neubaus – der rund 20 Wohnungen für seniorengerechtes Wohnen mitten im Herzen der Innenstadt beherbergen soll, die größtenteils bereits vermarktet sind – eine Vitrine eingerichtet werden, in der die Fundstücke in einer Dauerausstellung zu sehen sind. „Tolle Funde“, schwärmte Lenz und freute sich, dass durch die Funde und ihre Sicherung keine Bauverzögerung aufgetreten ist. Es solle ohnehin erst im kommenden Jahr richtig losgehen.

 Bis dahin ist noch eine Menge zu tun. Denn bisher sind nur die bedeutendsten Funde gewaschen worden, um zu sehen, was sich unter Lehm und Schmutzschichten verbirgt. Dann folgen Feinuntersuchungen, die Gläser sollen restauriert werden, Literatur und Archive müssen für weitere Einordnungen gesichtet werden. Aufgaben, die die archäologische Jahrespraktikantin Luisa Heinze und Nadine Werel, Historikerin und Angestellte des Museums übernehmen. Zudem müssen dendrologische Untersuchungen des gesicherten Bauholzes abgewartet werden, ob der Bau – wie vermutet – tatsächlich aus dem Jahr 1635 stammt und tatsächlich Zusammenhänge zur Plünderung durch kaiserliche Truppen hergestellt werden können.

 Insgesamt dürfe Bückeburg nicht unbedingt mit archäologischen Sensationsfunden in Verbindung gebracht werden, so Berthold: „Bückeburg ist ein relativ junges Kaliber.“ Erst um 1300 gibt es Hinweise auf die Burg. In anderen Städten gebe es deutlich mehr Spuren. Der Bereich der oberen Langen Straße sei wohl erst um 1630 nach dem Bau der Stadtkirche besiedelt worden: „Vorher war da Brachland.“ Das zeige sich auch daran, dass unter dem Haus Nr. 5 bereits nach einem halben Meter der blanke, unberührte Boden beginnt. „Es war keine Zeit, sich auf seinem Müll nach oben zu bauen.“

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