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Gut, sich an einem Buch zu reiben

Bückeburg / Stadtbücherei Gut, sich an einem Buch zu reiben

Drei Tage nicht gelesen und das Gespräch wird schal: So oder so ähnlich könnte das inoffizielle Motto des Leseskreises der Stadtbücherei Bückeburg lauten. Lesen heißt, durch fremde Hand träumen. Ein Buch lesen? So richtig „in echt“ und nicht am Bildschirm? Das wird – allen Unkenrufen zum Trotz – noch immer praktiziert. Im Lesekreis der Stadtbücherei Bückeburg konnte dieser Tage sogar das 10-jähriges Bestehen gefeiert werden.

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Der Lesekreis in den Räumen der Stadtbücherei.

Quelle: mig

Bückeburg. Wenn im Lesekreis der Stadtbücherei über ein Buch diskutiert wird, kann es schon hoch hergehen. Leises Seitenrascheln, geflüsterte Kommentare? All das ist hier nicht notwendig – der Kreis tagt außerhalb der Öffnungszeiten.

 „Die besten Abende sind die, an denen es viel zu diskutieren gibt. Am kürzesten sind die, an denen wir uns alle einig sind“, meint eine der Frauen schmunzelnd. Es sei gut, „wenn man sich an einem Buch reiben kann“, fügt sie hinzu. 100 Bücher haben die Damen seit der Gründung durchgenommen – Orientierung liefern Branchentreffen wie die Frankfurter Buchmesse oder die Vergabe eines Preises. „Man hört von einem Buch, findet es interessant und stellt es hier vor“, erläutert Kathrin Bormann das Grundprinzip des Lesekreises. Es seien viele Neuerscheinungen darunter, die noch keiner kenne. Das gemeinsame Lesen, da ist sich die Gruppe einig, empfinde man als „Bereicherung“ und als „Anregung“. Jeder lese schließlich anders und darüber etwas zu erfahren gebe Denkanstöße. Oder anders gesagt: „Im privaten Bereich trifft man nur selten eine Person, die das gleiche gelesen hat. Hier ist es die Voraussetzung.“ Weitere Vorteile sieht der Kreis in der Tatsache, dass man Bücher kennenlerne, die man sonst vielleicht nicht gelesen hätte. Und: „In einer Gruppe ist das Leserlebnis viel intensiver.“

 Für ein „intensives Leseerlebnis“ sorgt auch das Buch von Eva Menasse, über das Damen an diesem Abend debattieren: „Quasikristalle“. Das sei stilistisch schlecht geschrieben „und es interessiert mich nicht die Bohne“, lautet der Kommentar einer Teilnehmerin. Das Buch habe Längen „und bei Seite 108 habe ich aufgehört weiter zu lesen, was ich vorher noch nie gemacht habe.“ Ein großer Teil der Teilnehmer nickt beifällig, es gibt aber auch andere Meinungen. „Die Personen waren gut beschrieben“, findet ein Mitglied. Die Geschichte selbst sei allerdings nur mäßig interessant gewesen. Nach einer angeregten Diskussion sind sich dann alle einig: „Gut, wenn man sich an einem Buch reiben kann.“ Mit einem Glas Sekt wird auf das kleine Jubiläum angestoßen. Ein kleiner Blick in die Historie zeigt, dass es Johanna Woydt war, die vor zehn Jahren die Idee hatte einen Lesekreis einzurichten. In Kathrin Bormann, der Leiterin der Stadtbücherei Bückeburg, fand sie schnell eine engagierte Mitstreiterin. „Da habe ich offene Türen eingerannt“, erinnert sich Harmening heute. „Ich hatte selbst schon daran gedacht“, sagt Bormann. Es sei großartig, wie gut sich die Gruppe entwickelt habe. Allerdings gibt es nur weibliche Mitglieder, weshalb Männer höchst erwünscht sind. Warum Männer dem Kreis bisher größtenteils ferngeblieben sind? Sie hätten vielleicht weniger das Bedürfnis sich über Bücher auszutauschen, mutmaßen die Mitglieder.

 Hinweis: Die Treffen des Lesekreises sind einmal monatlich am Abend ab 19.30 Uhr. Genaue Termine können in der Stadtbücherei erfragt werden.mig

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