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Haare schneiden für die Würde

Flüchtlinge in der Jägerkaserne Haare schneiden für die Würde

Der Gang zum Friseur ist für die meisten Deutschen eine Selbstverständlichkeit. Nicht so für die Flüchtlinge, die nach wochenlangen Strapatzen in Bückeburg gestrandet sind. Elf Friseure waren in die Flüchtlingsunterkunft in der Jägerkaserne gekommen, um ehrenamtlich und an ihrem freien Tag den Menschen etwas ihrer Würde zurückzugeben.

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Die Initiatorin der Aktion, Keder Koyun, frisiert eines der Flüchtlingskinder. Zu elft waren sie in die Flüchtlingsunterkunft in der Jägerkaserne gekommen, um ehrenamtlich und an ihrem freien Tag den Menschen etwas ihrer Würde zurückzugeben.

Quelle: mig

Bückeburg. Inmitten der Zelte in der Jägerkaserne sitzt ein Junge. Er betrachtet sich immer wieder im Spiegel. Der 16-jährige Mehdi (Name geändert) war gerade beim Friseur. Jetzt reibt er etwas Wachs in seine Haare und freut sich wie ein Schneekönig. „Jetzt sehe ich wieder gut aus“, sagt Medhi und lächelt verschmitzt. Dreimal habe er sein Haar in den vergangenen Wochen selbst schneiden müssen – vor allem hinten sei die Frisur krumm und schief gewesen. Mehdi holt ein Smartphone hervor und zeigt auf seine stoppeligen Haare: „Damit sah ich doch wirklich schrecklich aus“, meint er kopfschüttelnd. Er könne sich deshalb nur bei den Friseurinnen bedanken, „die heute zu uns gekommen sind, um uns zu helfen, dass wir uns wieder besser fühlen.“

Mehdis Besuch bei einem richtigen Friseur liegt schon lange zurück. Mindestens drei Monate, vielleicht sogar mehr, sagt der junge Mann. Das war im Irak, damals, als die Familie noch zusammen war. „Es ging uns gut, wir hatten ein Geschäft und waren wohlhabend, hatten ein Haus“, erzählt Mehdi traurig. Dann kamen Männer zu seinem Vater, um eine Art Schutzgeld zu erpressen, später sagten sie, er solle aus der Stadt verschwinden, er habe die falsche Religion. Sie kamen nicht nur einmal, sie kamen immer wieder und beim letzten Mal schlugen sie auf seinen Vater ein, bis er am Boden lag. „Wir hatten Angst um unser Leben“, berichtet Mehdi. Seine Mutter habe deswegen sogar einen Zusammenbruch gehabt. „Sie hat die ganze Zeit Angst gehabt und musste ärztlich behandelt werden.“

Es waren Erlebnisse, wie dieses, die schlussendlich dazu führten, dass die männlichen Mitglieder der Familie den Irak verließen. Zurück blieben Mutter und eine Tochter; „Die wollen wir aber so schnell wie möglich hinterherholen“, sagt Mehdis Vater. Die Flucht mit ihren vielfältigen Gefahren sei nichts für eine Frau. Über zwei Monate waren sie unterwegs, mit und ohne Schlepper, durch zahlreiche Länder. „Wir hatten immer Angst“, berichtet Mehdi.

Und erzählt von gemeinen Grenzern, korrupten Polizisten und einer Bevölkerung, die längst ihre Geschäfte mit den Flüchtlingen macht. „Wir haben für eine Flasche Wasser drei Euro bezahlt“, erzählt Mehdis Vater. Darüber hinaus habe man ihnen immer wieder Angebote gemacht, für viel Geld „in Sicherheit“ über die jeweilige Grenze gebracht zu werden. Geld, immer sei es nur um Geld gegangen, sagt der Vater und ringt die Hände: „Wir hatten doch längst nichts mehr. Bis auf einen kleinen Betrag hatten wir schon vorher alles weggegeben.“

Dann endlich: Deutschland, Bückeburg. Hier fühlt sich Mehdi wohl, vor allem seit er wieder „gut aussieht“, wie er sagt. Dafür verantwortlich ist Keder Koyun, die zusammen mit zehn anderen Friseuren ihre Dienste zur Verfügung stellt – an ihrem freien Tag, ehrenamtlich und kostenlos. „Die Idee kam mir, als ich gesehen habe, dass in Hamburg Friseure Flüchtlinge frisiert haben. Da dachte ich mir, das könnte doch bei uns auch klappen“, erläutert Koyun ihre Initiative. Ein Aufruf bei Facebook brachte die erhoffte Resonanz. Aus ganz Schaumburg meldeten sich Gleichgesinnte. Sie hoffe, dass die Aktion immer größer werde, denn: „Das ist nicht das letzte Mal, an dem wir hier sein werden.“

Mehr als zufrieden ist auch Stephan Hartmann von der AWO Bückeburg. Die Aktion werde ausgezeichnet angenommen, weiß er, auch, weil die Flüchtlinge über kein Geld verfügten. „Die Leute sind lange auf der Flucht gewesen, und in dieser Zeit denkt man nicht ans Haareschneiden.“ Unwichtig sei das aber keineswegs; „Das hat auch etwas mit der Würde des Menschen zu tun.“ Um so schöner sei es, dass es hier so viele Menschen gebe, die sich ehrenamtlich engagierten. mig

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