Bückeburg (mig). Kurze Texte, lange Texte, schmutzige Texte, romantische Texte: Beim Wettdichten war für jeden etwas dabei. Sechs Teilnehmer, davon drei Frauen, hatten sich zu der Veranstaltung in Bückeburg angemeldet, das literarische Niveau war bis zum Finale sehr hoch.
„Ich hätte nicht gedacht, dass so tolle Beiträge darunter sein würden“, meint Zuschauerin Dörte Meyer hocherfreut. Sitznachbarin Iris Kerner nutzt diese Veranstaltung, um sich zu orientieren. „Ich möchte auch einmal bei einem Poetry Slam teilnehmen und versuche, den Mut dafür aufzubringen“, sagt sie schmunzelnd. Was ihr besonders gefällt? „Die unglaubliche Breite der Beiträge, und wie das Publikum mit einbezogen wird.“
Dass die Zuschauer den Sieger küren, ist tatsächlich Teil eines echten Poetry Slams (poetry: Dichtung, slam: jemanden etwas ins Gesicht knallen, Wettkampf). Wie bei einem Tennisturnier gibt es mehrere Runden: „Beim Poetry Slam wird das Publikum von Beginn an mit einbezogen“, schildert Moderator Jonte Volkmann das Konzept. Ansonsten gibt es bei dieser 1986 in Chicago entstandenen Veranstaltungsform nur wenige Regeln.
Teilnehmer Maik Hagen: „Erlaubt ist alles – sowohl Prosa als auch Gedichte oder Kurzgeschichten.“ Er selber hat sich an diesem Abend unter anderem für ein Liebesgedicht entschieden. Was ihn zum Schreiben antreibt? „Ich schreibe, wenn mich etwas beschäftigt, mit dem ich klarkommen will“, erläutert der 18-Jährige. Sein Thema: „Vor allem Alltagserlebnisse.“
Der anschließende Wettkampf ist kurzweilig und spannend, langweilig wird es den rund 60 Zuhörern wirklich nie. Das gilt für die „Kochduell“-Verarsche („Frisch und blutig muss es sein“) von Stefanie Hämmerling genauso wie für Hannah Conrads Beschreibung einer beschleunigten Persönlichkeit („klick klack knallen Zeitfenster zu“). Ein Sonderlob verdiente sich Florian Kuhn mit einer Kritik am sexualisierten Rap-Genre. Sein „Ich schmeiße rum mit meinem Geld, weils den Schlampen so gefällt“ übersetzte er so: „Ich reduziere meinen finanziellen Mehrwert, weil die leichten Mädchen das befürworten.“ Das Publikum war sich einig: „Ganz hohes Niveau, es macht Spaß zuzuhören.“
Kurze, knackige Texte setzte es dann auch im Finale, in dem sich Hannes Westermann und Florian Kuhn gegenüber standen. Nach weiteren zehn Minuten stand das Ergebnis fest. Per Murmelentscheid kürten die Zuschauer Westermann zum Gewinner des ersten Bückeburger Poetry Slams.
Zuvor hatte der „poeta laureatus“ Folgendes gedichtet: „Auf jeden Fall bin ich wer. Egal, was Du wärst, ich wäre mehr. Hältst Du Dich für schön, bin ich Brad Pitt. Ich bin ’ne Straße und Du nur ein Schritt. Ich bin ein Eber, und Du bist ein Ferkel. Bist Du Philipp Rösler, dann bin ich Merkel.“ Einen „Dichterkranz“ bekam der Sieger des Sängerwettstreits zwar nicht, dafür aber ein „Poesiealbum“, in dem sich alle Gäste verewigt hatten.
Hannes Westermann holt sich das begehrte „Poesiealbum“ und damit den ersten Preis bei „Bückeburg brüllt“.
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