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Häusliche Gewalt kommt in allen Schichten vor

Bückeburg / Gesprächskreis Häusliche Gewalt kommt in allen Schichten vor

Eine deutlich geringere Resonanz als sonst hat die jüngste Ausgabe des Gesprächskreises „Nachgefragt“ im Museum verzeichnet, zu dem die Sektion Minden der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW) in Kooperation mit dem Kulturverein Bückeburg und dem Museum eingeladen haben.

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Im Museum für Stadtgeschichte und Schaumburg-Lippische Landesgeschichte stellen die Sozialpädagogin Doris Weide (rechts) und die Diplompädagogin Ingetraut Wehking ihre Hilfsangebote für von häuslicher Gewalt betroffene Frauen vor.

Quelle: wk

Bückeburg. Bückeburg (wk). 15 Teilnehmer waren gekommen, um sich von der Sozialpädagogin Doris Weide, Leiterin des Frauenhauses Schaumburg, und der Diplompädagogin Ingetraut Wehking, Mitarbeiterin des Mädchen- und Frauenberatungszentrums „Basta“, über das Thema „Gewalt unter Erwachsenen“ informieren zu lassen. Möglicherweise liege die geringere Besucherzahl an der mitunter gesellschaftlich tabuisierten Materie, mutmaßte Klaus Suchland, der Sektionsvorsitzende, und erhielt hinsichtlich dieser Annahme Rückendeckung der beiden Expertinnen.

 Weide gab einen Einblick in die Arbeit des Frauenhauses in Stadthagen. Häusliche Gewalt komme „in allen gesellschaftlichen Schichten“ vor, stellte sie klar. Im Frauenhaus würden Frauen aus reicheren Haushalten in der Regel allerdings keine Hilfe suchen, da sie aufgrund ihrer finanziellen Situation andere Möglichkeiten haben. Abgesehen davon setze sich die Klientel dieser Einrichtung aus erwachsenen Frauen aller Altersklassen zusammen, von denen 40 bis 50 Prozent einen Migrationshintergrund aufweisen.

 Die „Gewaltpalette“, der diese Frauen zum Opfer gefallen sind, sei „sehr breit“ und reiche von Beleidigungen über das Entziehen von Geld bis hin zu Schlägen, resümierte Weide. Ausgeübt würden diese Taten häufig durch Ehemänner, in zunehmendem Maße aber auch durch Väter, Mütter und andere Verwandte. Ursächlich für häusliche Gewalt seien eine allgemeine Sprachlosigkeit in der Beziehung, das Unvermögen mancher Männer, Konflikte mit Worten zu lösen sowie Alkohol- und Drogenprobleme. Bei den Migrantinnen kämen kulturelle Probleme hinzu, wenn beispielsweise deren westlicher Lebenswandel der Familie nicht gefällt.

 Im Frauenhaus, gegründet 1987, sind die Frauen laut Weide in einer Art Wohngemeinschaft untergebracht: Jeweils vier Frauen teilen sich eine Küche und ein Badezimmer, haben aber auch ein privates Zimmer für sich zur Verfügung, in das auch ihre Kinder einquartiert werden können. Insgesamt bietet das Frauenhaus Platz für bis zu acht Frauen mit Kindern. Die einzelnen Aufenthalte der Frauen dauern je nach individueller häuslicher Situation, psychischer Verfassung und wirtschaftlichen Lösungsmöglichkeiten manchmal nur einen Tag, mitunter aber auch bis zu einem Jahr. Psychotherapeutische Hilfe können die Frauen indes nur außerhalb des Frauenhauses erhalten.

 Anders aufgestellt als das Frauenhaus ist das Hilfsangebot des Mädchen- und Frauenberatungszentrums „Basta“. Dort können sich minderjährige Mädchen und erwachsene Frauen nach Informationen von Wehking zu Themen wie Gewalt in der Partnerschaft, sexualisierte Gewalt, Belästigung, Trennung und Scheidung, Isolation sowie zu Depressionen und Ängsten, Essstörungen und in Entscheidungs- und Krisensituationen beraten lassen.

 Offenbar keine leichte Arbeit: „Wir kriegen schon was ab, von dem was wir hören“, sagte die Diplompädagogin. Im Fachjargon spreche man dabei von einer „sekundären Traumatisierung“. Das Positive an diesem Job sei jedoch, zu sehen, wie sich die Mädchen und Frauen „auf den Weg machen“, um ein neues Leben zu leben.

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