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Bückeburg Stadt Hanf gegen Multiple Sklerose
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Hanf gegen Multiple Sklerose
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00:17 05.01.2017
Die Krauses hoffen darauf, dass das Präparat Sativex von der Krankenkasse übernommen wird. Quelle: mig
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BÜCKEBURG

Schon unsere Vorfahren wussten, dass Wirkstoffe nie nur eine Seite haben. Ein Gift kann zu einem Medikament werden – und umgekehrt. Die Dosis macht‘s. Das gilt auch für die Hanf-Pflanze, die schon 2737 vor Christus zur medizinischen Behandlung eingesetzt wurde. Der chinesische Kaiser Shen Nung nutzte das Harz bei Berberi, Verstopfung oder Rheumatismus. In Ägypten wird Cannabis als Heilmittel für den Zehennagel empfohlen. In neuerer Zeit war es der irische Arzt William Brooke O’Shaugnessy, der während seiner Stationierung in Kalkutta feststellte, dass der Stoff eine schmerzstillende, krampflösende und muskelentspannende Wirkung hat.

Viele Medikamente probiert

 Tatsächlich waren es genau diese Eigenschaften, von denen Karl-Heinz Krause aus Bückeburg besonders profitiert hat. Krause leidet unter Multipler Sklerose (MS) und hat schon viele Medikamente „durchprobiert“, wie er sagt. Am besten habe ihm bisher Dronabinol geholfen – also ein Präparat, dass auf einem Cannabinoid basiert. „Vorher hatte ich immer wahnsinnige Schmerzen, dann hab ich Dronabinol genommen – und ich hatte vier Tage lang keine Schmerzen mehr, keine Krämpfe, gar nichts“, erzählt Krause leise und stockend. Bevor ihm Dronabinol verschrieben worden sei, habe er andere Medikamente bekommen: „Die haben aber lange nicht so gut geholfen, dafür aber sehr viel mehr Nebenwirkungen gehabt“, erinnert sich der Rollstuhlfahrer. Dronabinol sei in dieser Situation „wie ein Segen“ für ihn gewesen.

 Dass pflanzlichen Cannabisprodukten ein positiver Effekt unter anderem bei Spastizität zugeschrieben wird, hat maßgeblich mit seiner krampflösenden und (bei gestörten Bewegungsabläufen) koordinierenden Wirkung zu tun. Cannabis kann Multiple Sklerose zwar nicht heilen – dafür aber sehr gut Symptome wie Spasmen, Lähmungen und Krämpfe unterdrücken.

Geringe Nebenwirkungen

 Die Nebenwirkungen einer Cannabistherapie (Schwindel oder Müdigkeit) seien eher gering, berichtet Krause. Dass er teilweise schmerzfrei war, empfindet er noch heute „wie ein Wunder“: „Ich hatte kaum Spasmen, es ging mir vergleichsweise gut.“ Vier Jahre nahm er das Präparat – dann ließ die Wirkung immer mehr nach. Dronabinol „schlage“ bei ihm „nicht mehr so gut an“, sagt Krause, er habe das Präparat deshalb abgesetzt. Stattdessen möchte er zu Sativex wechseln, einem Mundspray, das auch in Deutschland zugelassen ist und das bei neuropathischen Schmerzen und Spasmen (Multiple Sklerose) sowie Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen (Krebs, Aids) verordnet wird. Für Krause wäre das Medikament eine echte Hilfe, allerdings stellt sich der Medizinische Dienst der Krankenkassen quer. Obwohl Krause einen Arzt gefunden hat, der ihm das Präparat verschreibt, will die Kasse das Mittel nicht übernehmen. Krauses Vermutung: „Es geht ums Geld.“ Sativex sei wesentlich teurer als beispielsweise Dronabinol – „und die versuchen natürlich, die Kosten zu drücken“. Es sei ein ständiger Kampf mit der Krankenkasse, sagt Krause: „Das macht einen noch zusätzlich zur Krankheit mürbe.“

 Krause hofft aber weiter auf ein gutes Ende: „Sativex würde meine Lebensqualität massiv erhöhen“, sagt er. Weil die Spasmen im Alter immer schlimmer würden, braucht der Bückeburger ein Medikament, das wirkt, ohne sein Bewusstsein zu trüben: „Das könnte Sativex für mich sein. Ich hoffe, dass die Krankenkasse das einsieht.“ mig

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