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Bückeburg Stadt Hat Alexander sein Faible für Wildwuchs entdeckt?
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Hat Alexander sein Faible für Wildwuchs entdeckt?
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18:42 02.05.2014
Hat Alexander zu Schaumburg-Lippe sein grünes Herz entdeckt? Eine Frage, die sich aufdrängt, wenn man nicht weiß, dass das Foto den Schloss-Nachbau in Japan zeigt. Quelle: Warera Sappor Shinrei Kirikomitai
Bückeburg

Aber keine Angst: Weder ist den Schlossgärtnern gekündigt worden, noch wird die „Landpartie“ in diesem Ambiente stattfinden. Es handelt sich auch nicht um eine aktuelle Ansicht des Schlosses Bückeburg in Niedersachsen in Deutschland. Vielmehr ist es der Nachbau des Schlosses Bückeburg in Japan auf der Insel Hokkaido.

 Das Schloss wurde 1989 von einem japanischen Investor nachgebaut und als Hotel in einem Freizeitpark namens „Glücks-Königreich“ eröffnet. Dieser Freizeitspark in der Stadt Obihiro, der Themen rund um die Märchen der Gebrüder Grimm aufgriff, ist inzwischen pleite gegangen. 2003 wurde der Park geschlossen und dämmert seitdem in einem Dornröschenschlaf vor sich hin. Die Fotos hat unser Leser Lars Melchin auf der Homepage der größten indonesischen Community entdeckt, größtenteils mit indonesischen Erklärungen, aber auch einigen wenigen englischen – aus welchen Gründen auch immer Infos und Fotos dort eingestellt worden sind. Melchin augenzwinkernd: „Leider ist mein Indonesisch in der letzten Zeit etwas eingerostet.“

 Zur Eröffnung des Schlosses am 1. Juli 1989 war reichlich Prominenz vertreten, wie etwa Seine Kaiserliche Hoheit Prinz Tomohito. Aus Bückeburg war ebenfalls eine große Delegation nach Japan geflogen. Außer dem damaligen Chef des Bückeburger Adelshauses, Philipp-Ernst zu Schaumburg-Lippe, und dem damaligen Bürgermeister Helmut Preul waren auch die „Schaumburger Märchensänger“ mit nach Japan gereist. Sie gaben dort anlässlich der Einweihungsfeierlichkeiten des Nachbaus und des gesamten Themenparks ein Konzert. Den Park zierten Nachbauten diverser Sehenswürdigkeiten und Denkmäler aus anderen deutschen Städten entlang der Deutschen Märchenstraße wie Fachwerkhäuser, das Denkmal der Brüder Grimm aus Hanau und die Bremer Stadtmusikanten. Das Kopfsteinpflaster stammt aus Berlin und Dresden.

 Mit unter den „Märchensängern“ war die Schwester von Lars Melchin, die vor Kurzem ihren Bruder darauf ansetzte, einmal nachzuforschen, was aus dem Schloss-Nachbau geworden ist. Es ist größtenteils zugewuchert, wie das gesamte „Glückskönigreich“. Gebäude und Park sind aber noch weitgehend intakt, von eingeworfenen Scheiben oder zerfallenden Gebäuden weit und breit nichts zu sehen. Selbst die Wege werden offensichtlich noch in Schuss gehalten.

 Das „Glücks-Königreich“ mit dem Nachbau des Schlosses war entlang der „Tokachi-Glücks-Straße“ gebaut worden, einer Rundreisestraße, mit der japanische Investoren eine Form des Tourismus nach deutscher Art in Japan etablieren wollten: Rundreisen einerseits und längere Hotelaufenthalte andererseits. Das schreibt der Japaner Watanabe Masato in einem 2010 erschienenen Aufsatz „Der Pioniergeist eines grenzenlosen Zeitalters II – Beispiele wirtschaftlicher Beziehungen zwischen Hokkaido und Deutschland“, nachdem er mit einem der damaligen Investoren gesprochen hatte. Das Ansinnen scheiterte nach Ansicht Masatos letztlich daran, dass Japaner eintägige Reisen mit dem anschließenden Kauf von Mitbringseln bevorzugen und auch selten länger als eine Woche Urlaub am Stück bekommen.

 Im Moment sei nicht deutlich, in welchem Umfang die nicht weiter gewarteten und gepflegten Gebäude des „Glück-Königreichs noch nutzbar sind. „Sicherlich bedauerlich und eine Verschwendung“, so Masato weiter. Denkbar aber wären Veranstaltungshallen oder Schulungsgebäude, auch ein Platz für ein Oktoberfest sowie Säle für Opern und Konzerte könnten Optionen darstellen. rc