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Helfer gehen an ihre Grenzen

Bückeburg Helfer gehen an ihre Grenzen

Minutenlang heulende Sirenen und Feuerwehreinsatzfahrzeuge, die in rasender Fahrt aus allen Himmelsrichtungen Bückeburg ansteuern: Am späten Freitagnachmittag mag so mancher Bückeburger an einen wirklich großen Unglücksfall geglaubt haben.

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Diesen Angehörigen der Ortsfeuerwehr Röcke steht die Anstrengung ins Gesicht geschrieben.

Quelle: jp

Bückeburg. Glücklicherweise war es – wie berichtet – nur eine Übung, wenngleich eine spektakuläre.

 Weit mehr als 200 Feuerwehrleute, Sanitäter, Katastrophenschützer und weitere Hilfskräfte übten auf dem Gelände des Bauerngut-Fleischwerks am Hasengarten einen Einsatz nach dem Austritt einer großen Menge von hochgiftigem Ammoniak. Dabei war das gewählte Datum für den Ort der Übung von besonderer Bedeutung: Auf den Tag genau sechs Jahre zuvor hatte es im Fleischwerk tatsächlich gebrannt, wobei ein Arbeiter nicht mehr lebendig aus den Flammen hatte gerettet werden können.

 Um 17.05 Uhr hatten auf dem Werksgelände die Alarmsirenen geheult. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte nur eine Handvoll Personen Kenntnis von der Großübung gehabt, darunter Bernd Rathert, Sicherheitschef aller Bauerngut-Werke, sowie die Stadt Bückeburg und der Landkreis Schaumburg als Dienstherren von Feuerwehr und Katastrophenschutz. Das angenommene Szenario: Bei einem Leck des Kühlsystems im Dachbereich sind mehrere Hundert Liter Ammoniak ausgetreten, wobei ein Mensch durch das hochgiftige und ätzende Kühlmittel schwer verletzt wurde. Im Anschluss daran kommt es auf dem Dach eines Nachbargebäudes bei der Evakuierung von Personen zu einem weiteren Unfall, infolgedessen das Dach in Brand gerät. Als dritter Unglücksschauplatz diente die Waschanlage des Unternehmens, in der nach einer Verpuffung mehrere Personen vermisst wurden.

 Binnen Sekunden machen sich nach der Alarmierung Feuerwehren und weitere Hilfskräfte, darunter der in Obernkirchen stationierte Gefahrgutzug des Landkreises Schaumburg, auf den Weg nach Bückeburg. Vor Ort koordiniert Torsten Buhrmester, Ortsbrandmeister der Feuerwehr Bückeburg-Stadt, die weit mehr als 200 Einsatzkräfte. Der durch das giftige Kühlmittel verletzte Mitarbeiter muss geborgen, dekontaminiert und von Rettungssanitätern versorgt werden. Dabei können die Feuerwehrleute aufgrund des angenommenen Ammoniakaustritts selbst nur mit schwerem Atemschutz und in Chemikalienschutzanzügen vorgehen. Während in der Waschanlage nach den vermissten Personen gesucht wird, ebenfalls unter Einsatz von schwerem Atemschutz, bekämpfen Mitglieder der Stadthäger Wehr von der Plattform ihrer Gelenkmastbühne den angenommenen Dachbrand.

 Vor der Waschanlage ist die Drehleiter der Feuerwehr Bückeburg im Einsatz. Fünf Beobachter überwachen den Einsatz. Sie sind durch besondere Westen gekennzeichnet und gehören zu den wenigen Feuerwehrangehörigen, die zuvor in das Übungsszenario eingeweiht wurden. Als Beobachter sind Vertreter diverser Ämter und Behörden vor Ort, unter anderem Wilhelm Brase und Kerstin Haver vom Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Landkreises, Elke Baum-Schuba, zuständig für Brandschutz beim Ordnungsamt des Landkreises, sowie Marc Sigges vom Bauamt der Stadt Bückeburg.

 Die Belegschaft hatte sich nach der Alarmierung an den dazu ausgewiesenen Sammelpunkten einzufinden, um von dort das simulierte Einsatzgeschehen zu verfolgen. „Wir haben den Zeitpunkt bewusst auf einen Freitagnachmittag gelegt, um zu sehen, was passiert, wenn die Führungskräfte zunächst nichts ahnend ins Wochenende gehen und kurz danach in den Betrieb zurückgerufen werden“, erklärte Bernd Rathert, der rund ein halbes Jahr Vorbereitung in die Übung investiert hatte. Das Ergebnis überraschte sogar ihn: „Unsere betriebliche Alarmkette hat zu 99,9 Prozent funktioniert.“ Auch Bauerngut-Geschäftsführer Klaus Jeinsen zeigte sich mit dem Verlauf der Übung sehr zufrieden. Der reibungslose Einsatz der Rettungskräfte sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass mit der Feuerwehr häufig Betriebsbegehungen gemacht würden: „Wir haben 35000 Quadratmeter Betriebsgelände, da muss man als Rettungskraft genau wissen, wo man lang muss, um sich im Ernstfall nicht zu verlaufen.“jp

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