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Herbstmarkt in Bückeburg

Die Zeiten ändern sich Herbstmarkt in Bückeburg

Viel Süßes und rasante Fahrgeschäfte – der Herbstmarkt in Bückeburg hat einen gelungenen Start hingelegt. Bis tief in die Nacht flanierten Hunderte von Menschen durch die Innenstadt, „wir können wirklich zufrieden sein“, meint Schausteller Patrick Hanf. Nur eine einzige Sorge hat Hanf im Augenblick: „Hauptsache, das Wetter hält.“

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Jürgen und Renate Schneider aus Bückeburg haben die syrische Flüchtlings-Familie Al Ezzo zum Herbstmarktbesuch eingeladen.

Quelle: mig

Bückeburg. Hanf entstammt einer alten Schausteller-Familie: Großvater Josef Weber hat Bückeburg schon vor 60 Jahren besucht. Jetzt sitzt Patrick vor seinem Kettenkarussell und kommt ins Nachdenken. Ja, bestätigt der 30-Jährige, seit der Einführung des Euro sitzt das Geld nicht mehr so locker wie in den achtziger oder neunziger Jahren.

Einen zweiten Grund sieht Hanf in einem deutlich geänderten Freizeitverhalten. Die Leute kämen immer später auf den Markt und hätten dann auch entsprechend weniger Zeit, Geld auszugeben. Darüber hinaus konkurriere die Kirmes mit einer steigenden Zahl von Freizeitangeboten. „Früher gab es einfach nicht sehr viel mehr, als die Kirmes“, sagt Hanf. Gehe es Buden und Fahrgeschäfte, die von Kindern lebten, noch vergleichsweise gut, müssten die großen Fahrgeschäfte, „richtig kämpfen“. „Die Jugendlichen sind heute woanders zu finden und nicht mehr so oft auf der Kirmes.“ Was den Karussell-Betreiber aber besonders stört, sind die Steine, die einem von der Politik in den Weg gelegt werden: „Bürokratie, Abrechnungen und alles andere – das wird immer mehr, man macht es uns damit unnötig schwer.“

 Dann blickt Patrick auf, und aller Ärger ist vergessen: „Das ist der Grund, warum wir das hier machen“, sagt Hanf und deutet auf zwei Kinder, die besonders viel Spaß an der Fahrt haben. Mohammad und Hager kommen aus Syrien und sind schon lange nicht mehr mit einem Karussell gefahren. „Shukran, shukran“, sagen sie immer wieder. „Danke, danke.“ Jürgen und Renate Schneider haben die Flüchtlings-Familie auf den Markt eingeladen. „Wir wollten ihnen etwas Gutes tun“, sagt Jürgen Schneider. „Die Kinder sollen mal ein bisschen ihre Sorgen vergessen können.“

Schneiders, die die Al Ezzos aus dem ehrenamtlichen Deutsch-Unterricht kennen, haben an diesem Tag noch viel vor. „Jetzt geht’s erst mal zu den Mandeln“, verspricht Renate Schneider.

Derweil ist der Herbstmarkt in der Innenstadt schon von weiten zu sehen und zu hören. Laute Musik dringt aus den Lautsprechern – Glühbirnen und Laser flackern im Rhythmus der Musik. Fast als wäre mitten in Bückeburg ein großes und buntes UFO gelandet. Und eine gewisse Berechtigung hat dieser Vergleich ja durchaus. Auf der einen Seite die Schausteller, auf der anderen die Bürger – das hat schon was von einem Erstkontakt.

Allerdings: Einen Unterschied gibt es durchaus. Denn im Gegensatz zu echten Aliens kennen die Buden- und Standbesitzer ihr Publikum ganz genau. Sie wissen, wie man die Menschen begeistert, was zieht und was eben nicht. Kunden ziehen andere Kunden an, ist eine dieser Weisheiten. Kein Fahrgeschäft ohne flotte Sprüche eine andere. „Schneller“, schreit ein Mädchen im „Jump Street“ – und schon grantelt es aus dem Lautsprecher: „Wenn du’s schneller haben willst, steig doch aus und schieb.“

Im Grunde sind die Schausteller aber zufrieden, das gute Wetter sorgt für genügend Publikum. „Wenn das so bleibt, wäre das super“, sagt Schausteller Rudolf Osthold. „Solange das Wetter gut ist, kommen die Leute auch.“ Allerdings: Ein Selbstläufer ist die Kirmes in Bückeburg schon lange nicht mehr. Heute hätten es neue Stände und neue Angebote eher schwer. „Immer dann, wenn die Menschen weniger Geld in den Taschen haben, gehen sie zu den Ständen, die sie schon kennen, und lassen die anderen links liegen.“

Zuckerwatte? Zuckerwatte geht immer. Findet zumindest Adriano Osthold, der die süße Wolle seit einigen Jahren verkauft. „Die Watte muss immer sachte im Kreis gedreht werden“, erläutert er das Prozedere. „Es ist die Zentrifugalkraft, die den verflüssigten Zucker zu Fäden erstarren lässt.“ Was ihm an seinem Job Spaß macht? „Ich mag es, wenn sich die Kinder freuen“, sagt der 23-Jährige. Außerdem sei sein Job krisensicher: Zuckerwatte und Mandeln gehörten schließlich zu jeder Kirmes dazu. Nur eines stört ihn: „Das ich abends überall Zucker am Körper habe.“ Er sei dann „richtiggehend klebrig“ und müsse erst einmal duschen.

Als Kind einer Schausteller-Familie (fünfte Generation) ist Adriano quasi mit der Kirmes aufgewachsen. Schon früh hat er begonnen, seinen Eltern und Großeltern zu helfen. „Ich hab mir da mein Taschengeld verdient, und es hat mir von Anfang an Spaß gemacht“, sagt der junge Mann. Einen Büro-Job kann sich Adriano deshalb nur schwer vorstellen. „Mir gefällt die Vielseitigkeit und dass ich hier viel mit Menschen zu tun habe.“ mig

Und was hält er ganz allgemein vom Markt in Bückeburg? „Das ist ein guter Markt, wenn man die Größe der Stadt berücksichtigt, aber leider kommen die Leute immer später am Abend.“ Immerhin: Die Lage sei großartig, „mitten in der Innenstadt – das war früher anders“. Da war der Jahrmarkt an der Jetenburger Straße, „und wenn’s regnete, sind die Leute mit ihren Ständen und Wagen komplett abgesoffen“. Nur eines findet Adriano schade: dass gerade die kleinen Märkte immer weniger werden. Er sei früher sehr gerne nach Obernkirchen gefahren – „das ist vorbei“.

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