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Hermann Fenkner schließt seine Gastwirtschaft

Nach 136 Jahren im Familienbesitz Hermann Fenkner schließt seine Gastwirtschaft

 „Freude hat es uns bis zuletzt bereitet, aber der Abschied hatte sich seit längerer Zeit abgezeichnet“, lässt Hermann Fenkner wissen. Der weithin beliebte Gastronom hat den Zapfhahn abgedreht und die Türen des von ihm geführten Gasthauses an der Bückeburger Wallstraße geschlossen.

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Hermann Fenkner hinter der Theke – ein nun historisches Foto, aufgenommen am letzten Arbeitstag des Wirtes.

Quelle: bus

Bückeburg (bus). „Altersbedingte Verschleißerscheinungen“, erläutert der 71-Jährige, der sich auf diesem Weg auch im Namen der Fachkräfte Christa Robl und Margitta Kalinowski für die langjährige Treue der Kundschaft bedankt.

 Das Wirtshaus, dessen Existenz Dokumente im Staatsarchiv bereits für das Jahr 1730 belegen, war anno 1879 von Fenkners Urgroßvater Georg Wimmer erworben worden. 1909, drei Jahre nach dem Großvater Hermann Fenkner und dessen Frau Martha, geborene Wimmer, die Regie übernommen hatten, erfolgte mit der Errichtung des großen Festsaales auf dem hinteren Grundstücksteil eine erste bemerkenswerte Baumaßnahme.

 Nach dem Tod des Großvaters bewirtschaftete Martha Fenkner den Betrieb bis 1935 allein. In diesem Jahr wurden Georg und Auguste Fenkner die neuen Inhaber, die den Familienbesitz 1967 an Hermann und dessen kürzlich verstorbene Ehefrau Brigitte weitergaben. Zu jenem Zeitpunkt war das Anwesen mit Ausnahme des Saalbaus mehr als fünf Jahrzehnte lang größtenteils unverändert geblieben.

 Unter der Federführung des Ehepaares entstand eine moderne Kegelbahn. Ein erster Umbau ließ den Saal in neuem Glanz erstrahlen. „Nur durch Vielseitigkeit kann man in der heutigen anspruchsvollen Wohlstandswirtschaft überleben“, zitierte die örtliche Presse damals den Bauherren. 1975 erhielt die zur Wallstraße gelegene Hausfront ein neues Gesicht. 1977 rückten die Handwerker an, um im Saal die bis dahin existierende Bühne zu demontieren. Zum „Hundertjährigen“ wurde der Saal – innen wie außen – erneut auf Vordermann gebracht.

 Ob es eine Fortsetzung der Traditionsgeschichte geben wird, steht Auskünften des „gelernten“ Elektrikers derzeit in den Sternen. „Die Frage nach dem, was wird, kann ich nicht beantworten“, erklärt der Ruheständler, dessen Einstieg in die Gastronomie seinerzeit dem plötzlichen Tod des Vaters geschuldet war. Es seien zwar etliche Interessenten vorhanden, „aber gegenwärtig zeichnet sich nichts Konkretes ab“.

 Auch hinsichtlich seiner privaten Zukunft müsse er sich noch einige Gedanken machen, gibt der im Krankenhaus Bethel geborene Bückeburger zu verstehen. „Es ist nach all den Jahren schon ein bisschen komisch, die Gaststube nicht mehr aufzuschließen.“ Nun werden wohl die Steckenpferde Geschichte, Heimatkunde und Heimatverein ein wenig mehr als in der Vergangenheit gepflegt werden können. Und selbstverständlich – Fenkner ist Träger des Bürgermeisterordens und stand 25 Jahre lang an der Spitze der zweiten Kompanie – wird auch das Bürgerbataillon nicht vernachlässigt werden.

 An das Engagement im Bataillon erinnert an der Außenfassade des Gasthauses ein blaues Emailleschild mit der Aufschrift „Hermannseck“, das dem Chef anlässlich des 25-jährigen Dienstjubiläums vom Dr.-Witte-Rott spendiert worden ist. Im Gebäudeinneren sieht es momentan noch genauso aus, wie es die zahlreichen Stammgäste seit langer Zeit kennen. Die rund 1300 Exemplare umfassende Flaschenöffnersammlung fehlt ebenso wenig wie unzählige Steinkrüge.

 Und nach wie vor erinnert eine von der Härke-Privatbrauerei ausgestellte Ehrenurkunde „in dankbarer Würdigung“ an die langjährige Geschäftsverbindung zwischen den Brauern und der Familie Fenkner. „Ein Fässchen Pils steht noch im Keller, verdursten werde ich also nicht“, tut der Rentier kund. Und mit Blick auf seine Gesundheit gibt sich der Nichtraucher und frühere Mehrkampfsportler pragmatisch: „Der Kopf ist noch oben – was will man mehr.“

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