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„Herrenmensch und Untermensch“

Bückeburg / Projektgruppe „Zwangsarbeit“ „Herrenmensch und Untermensch“

Zusammen mit der Oberschule Bückeburg wird die Projektgruppe „Zwangsarbeit“ in einer Ausstellung die Erinnerung an die NS-Zwangsarbeit in der Region wachhalten.

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Im Berliner Büro der Projektgruppe „Zwangsarbeit“: Jacob Venuß, Projektkoordinator für Schule und Kunst (von links), Martin Hoffmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter, und Constanze Wolk, Vorstand und Kuratorin.

Quelle: pr.

Bückeburg. Die Arbeiten rund um die geplante Ausstellung „Bückeburg unterm Hakenkreuz – NS-Zwangsarbeit im ländlichen Raum“ sind bereits in vollem Gange: In Archiven im In- und Ausland werden Dokumente zusammengetragen, Schulprojekte in Bückeburg und dem tschechischen Teplice vorbereitet und einst in Bückeburg eingesetzte Zwangsarbeiter gesucht.

 Ziel der Projektgruppe ist es, in den nächsten acht Monaten eine wissenschaftlich fundierte Ausstellung zum Thema NS-Zwangsarbeit in Bückeburg und der umliegenden Region zu erarbeiten. Die in den vergangenen Jahrzehnten hierzu geleistete Arbeit der Bückeburger Heimatforscher und Lehrer Klaus Maiwald und Friedrich Winkelhake fließen mit ein. Zudem werden sich an der Erarbeitung der Ausstellungsinhalte auch Schüler im Rahmen eines Schulprojekts beteiligen. Die Schau soll im Mai 2014 in Bückeburg zu sehen sein.

 Die Projektgruppe „Zwangsarbeit“ ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Berlin. Er hat sich im Sommer 2009 aus der Initiative engagierter Bürger gegründet und zählt derzeit rund 30 Mitglieder, darunter Lehrer, Historiker, Journalisten, Unternehmer und Künstler. Chris Humbs, ARD-Journalist und Erster Vorstand des Vereins: „Die Verbrechen gegen die Menschlichkeit sind nicht nur im Führerbunker, auf dem Reichparteitagsgelände oder in Auschwitz erdacht und umgesetzt worden. In jedem deutschen Ort wurde damals das Prinzip ‚Herrenmensch und Untermensch‘ gelebt, auch in Bückeburg.“ Bückeburg ist die sechste Station des explizit für den ländlichen Raum entwickelten Seminar- und Ausstellungsprojekts.

 „In Bückeburg und dem Umland ist bereits viel Kärrnerarbeit zum Thema geleistet worden, was unsere Arbeit, der Geschichte durch Einzelschicksale ein Gesicht zu geben, wesentlich erleichtert“, erklärt Constanze Wolk, die Kuratorin der Ausstellung. Klaus Maiwald, der das Projekt vor Ort koordiniert und mit der ehemaligen „Geschichtswerkstatt“ zum Thema schon viel recherchiert hat, appelliert an die Senioren in der Region: „Wir haben oft Glücksfälle erlebt, wo uns jemand beiläufig wichtige Informationen mitgeteilt hat. Ich hoffe, dass sich trotz des Alters noch viele Zeitzeugen melden und es vielleicht wieder zu solchen Glücksfällen kommt.“ Für die Zusammenarbeit mit der Oberschule sind die Erzählungen der älteren Generation ausschlaggebend: „Durch die Erinnerungen und Erlebnisse der Zeitzeugen entsteht für die Jugendlichen ein direkter Zugang zur Geschichte ihrer Stadt“, erklärt Kuratorin Wolk.

 Das Projekt soll Generationen verbinden und gleichzeitig die Erinnerungen für die Zukunft dokumentieren. Wichtig ist der Projektgruppe hierbei, nicht schwarz-weiß zu malen. Es sind die Grautöne, die die Forscher ausleuchten wollen. Deutlich soll werden, dass jeder auch während der Kriegszeit einen gewissen Spielraum hatte, zu handeln. „Wir wollen für die Besucher der Ausstellung auch sichtbar machen, dass individuelles Handeln, Zivilcourage und Menschlichkeit ausschlaggebend für das Überleben des Einzelnen sein konnten“, erklärt Wolk.

 Nach Schicksalen recherchiert die Projektgruppe in Zusammenarbeit mit ihren Partnern in Mittel- und Osteuropa sowie in Belgien und Frankreich. Humbs: „Es ist ein aufwendiges Projekt. Aber es lohnt sich. Die letzten Zeitzeugen werden bald tot sein. Will man die Erinnerung für die Folgegenrationen hören und archivieren, dann muss es heute geschehen. Morgen ist es zu spät.“

 Das Projekt soll auch dazu beitragen, viele Bürger von Bückeburg für ihre eigene Geschichte zu interessieren und sich auch nach Ende der Ausstellungszeit für ähnliche Initiativen einzusetzen. „Die Heimatforschung, gerade wenn es um die dunklen Seiten geht, ruht zu oft auf wenigen Schultern. Wir hoffen, dass wir auch junge Leute ansprechen und motivieren können, sich nachhaltig für die Aufarbeitung der NS-Zeit einzusetzen“, so Humbs.

 Außer der Stadt Bückeburg, der Oberschule Bückeburg und der „Schaumburger Landschaft“ sind es Bückeburger Kirchengemeinden, Vereine und Einzelpersonen, die sich für das Projekt engagieren. „Neue Helfer und Unterstützer sind stets willkommen“, betont Humbs.

 Eine finanzielle Förderung des Projekts hat unter anderem bereits die Kulturstiftung des Bundes, die Bundesstiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, die Stadt Bückeburg, die „Schaumburger Landschaft“, die Hans-Böckler-Stiftung und die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit zugesagt. rc

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